Video mit dem zweiten Auge

Auf meinem Tisch liegen zwei Veröffentlichungen zum Thema „Video“: Zusammen mit Ruth Arimond (Institut de formation de l’Éducation nationale, Luxemburg) habe ich „Social Video Learning“ aus der Perspektive des Wissensmanagements beleuchtet. Neu daran ist die Einbettung der Methode (kollaborative und zeitmarkengenaue Annotation von Videos) in den individuellen und organisationalen Lernzyklus (Münchener Modell), was den Ansatz nicht nur für Bildungsfragen im engeren Sinne, sondern auch für technologiegestützten Wissensaustausch im Allgemeinen interessant macht. Die zweite Veröffentlichung ist mit Andreas Hebbel-Seeger von der Macromedia Hochschule Campus Hamburg entstanden. Hier haben wir uns gefragt, wie KI die Haltung und Nutzung von Videos in Lehre und Forschung verändert. Angesichts der epistemischen Erosion kommt man – so glauben wir – nicht ohne eine Art reflexives Vertrauen aus.

Warum interessiert mich das Thema „Video“ … immer noch?

Zum ersten, weil das Medium Video (lat. video, ich sehe) so wunderbar anschaulich einen Zugang zu kleinen und größeren Fragen des Erkennens und zur Wahrheit schafft. Das wird im Zeitalter von KI, in dem man Videos nach Belieben „kreieren“ kann, mehr als deutlich. Das ist für alle Formen von Lehren und Lernen (an Hochschulen, in der Trainerbildung, aber auch anderswo) interessant.

Zum zweiten, weil es beim SVL – also einer speziellen Form der Videonutzung – nicht nur ums „Angucken“ geht, sondern um ein Bestimmen und sprachliches Explizieren dessen, was ich da genau sehe und was ich darüber denke. Es geht um „Sehspuren“, die ich mit anderen mittels Zeitmarkenkommentar kommunikativ teile und an deren Widerspruch ich mich dann reiben kann, … wir sehen, so zu sagen (videmus).

Zum dritten, weil ich mit Hands-on-Videos im Feld, z. B. aus dem Arbeitsumfeld, dem Seminarraum oder vom Spielfeld bzw. aus der Sporthalle, kontextreiche Proben meiner Performanz erstelle, die sich gut als Brücken- und Reflexionselement zwischen Lernphasen und Lernorten eignen. Verbindet man diese Videos mit SVL, wird Reality-Based Learning oder Seamless Learning (oder wie immer man es bezeichnen mag) praktisch möglich.

Kurzum: Erkennen, Verhandeln und Verbinden sind zeitlose (didaktische) Gründe.


Reinmann, G., Vohle, F., Brase, A., Groß, N. & Jänsch, V. (2020). Forschendes Sehen – Ein Konzept und seine Möglichkeiten. Impact Free Nr. 26.

Hebbel-Seeger, A. & Vohle, F. (2026). Echt jetzt?! Wie verändert KI Haltung und Nutzung von Videos in Lehre und Forschung? In: Dittler, U. & Kreidl, C. (Hrsg.). Hochschulentwicklung der Zukunft. Lehre, Prüfung, Qualitätsmanagement (S. 213–229). Stuttgart: Poeschel.

Arimond, R. & Vohle, F. (2026). Social Video Learning als polyvalente Methode der Wissens- und Bildungsarbeit. In: Hebbel-Seeger, A. (Hrsg.) (2026). Hochschullehre lernen, verstehen und gestalten. Konzepte, Ideen, Erfahrungen (S. 357–371). Berlin: Springer.

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