Wenn man mit der Seilbahn von Biel nach Magglingen zum BASPO und der Eidgenössischen Hochschule für Sport in Magglingen (EHSM) hinauffährt, gibt es in der Mitte eine Stelle, wo die aufsteigenden und absteigenden Wagons sich auf der Einbahn gegenseitig ausweichen. Ich dachte mir: Das haben sie schlau gemacht, diese Schweizer!
Warum aber überhaupt Magglingen? Tobias Baechle von der Schweizer Jugend+Sport hatte mich am 10. September auf die J+S-Ausbildungskonferenz eingeladen, um eine Keynote zu halten. Thematisch hatten sich die Organisatoren etwas zum „Kulturwandel“ gewünscht, weil die etwa 200 Ausbildungsleiter:innen aus allen Schweizer Sportverbänden gerade da drinstecken: in einem Kulturwandel, der durch Kompetenzorientierung und Blended Learning ausgelöst und geformt wird. Im Gepäck hatte ich meine 10 Kulturraketen, das sind Gelingensbedingungen, ein Kondensat der letzten 20 Jahre (u.a. DFB), um einen Kulturwandel in Sportorganisationen zu beflügeln oder besser, dicke Fehler zu vermeiden. Dabei spielen „Sprache“, „Stolz“ oder „Recht“ genauso eine Rolle wie „Kritik“, „Betreuung“ oder „Aufgabendesign“. In der Summe also völlig unterschiedliche Dinge, auf sehr unterschiedlichen Ebenen. Wenn man das mit authentischen Geschichten aus der Praxis kombiniert, wird daraus eine Botschaft, die im Wesentlichen lautet: Macht euer Ding! Der Aufwand lohnt sich dann, wenn die Bemühungen auf „Beziehungen“ einzahlen: Beziehungen zu den Peers, Beziehungen zur Sache der Sportart und Beziehung zu sich selbst. Im Übrigen etwas, was durch KI gerade in Gefahr steht (vgl. KI kann alles, nur keine Erfahrung)
Im Anschluss hatte ich zweimal eine Stunde Zeit, um mit Interessierten in den Austausch zu gehen, ganz ohne Folien und Hands-on. Da kamen dann alle Fragen auf den Tisch, besser harten Hallenboden, die es so gibt, wenn Verbände gerade Anfangen, mit einem kompetenzorientierten Blended Learning zu arbeiten. Für mich ist dieser Anfangsprozess fast heilig, denn man lässt das Alte los, ohne schon festen Boden unter den Füßen zu haben, was einfach unsicher macht und die Sinnfrage offenhält. Die J+S versucht genau hier zur Stelle zu sein und begleitet den Prozess u.a. mit wirklich herausragend guten Begleitmaterial, das ich nur empfehlen kann. Wenn man Blended Learning sagt, dann steht natürlich auch die Frage der Technologie (Plattform, Online-Campus, LMS, LXP etc.) im Raum: Es gibt Verbände, die etablierte Technologien und Didaktiken nutzen (SFV), andere experimentieren mit einzelnen Tools und Dritte warten erwartungsfroh auf die Entwicklung bei der J+S selbst. Ich bin gespannt auf die ersten Erfahrungen und ich bleibe hier gern im Austausch.