Gabi Reinmann

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Hochschuldidaktik
Aktualisiert: vor 2 Stunden 4 Minuten

Is there anybody out there …

November 17, 2017 - 06:41

to discuss articles about design-based research? Zwei neue Artikel haben wir in der Zeitschrift EDeR (Journal of Educational Design Research), die unterschiedlicher nicht sein könnten und daher schön die Spannbreite von EDeR aufzeigen: einer deutsch, der andere englisch – einer theoretisch, der andere empirisch – einer bezogen auf die Hochschule, der andere in die Schule hineinreichend usw. Was sie eint: Sie warten auf Diskutanten, also auf Leser, die gerne ausführlicher kommentieren, zustimmen, widersprechen, ergänzen, weiterdenken und auf diesem Wege selbst zu Autoren von „discussion articles“ auf EDeR werden wollen.

Genau diese Möglichkeiten nämlich bietet EDeR mit seinem speziellen Triple-Peer Review-Verfahren, das mir bei meiner Beteiligung an der Gründung der Zeitschrift ganz besonders am Herzen lag und nach wie vor liegt (das Konzept gibt es auf Deutsch und auf Englisch). Die Hoffnung war und ist, dass die Idee, neben der klassischen Begutachtung auch eine wissenschaftliche Diskurskultur anzuregen, mit der internationalen Ausrichtung (einschließlich der Chance, trotzdem noch deutsche Texte publizieren zu können) besser erreicht werden kann – freilich allein schon deshalb, weil die Zahl potenzieller Diskutanten mit der Zweisprachigkeit größer ist.

Aber: Man möchte manchmal hinausrufen „Ist da draußen irgendwer?“ – irgendwer, der Interesse am Diskurs hat? Sicher, aber im wissenschaftlichen Karrierespiel werden Diskussionsbeiträge nicht unbedingt honoriert. Alle Welt schaut auf Impact-Faktoren, auf zählbare „Produkte“, auf das, was sich „auszahlt“. Wettbewerbe und Rankings haben die Wissenschaft längst erfasst und beeinflussen zunehmend individuelle Entscheidungen. Man wird den Eindruck nicht los, dass die Zahl derer sinkt, denen die normal gewordenen neoliberalen Spielregeln egal sind, weil sie lieber wissenschaftliche Maßstäbe anlegen, die sich nicht auf quantitative sind. Und natürlich gibt es die, und es gibt immer wieder schöne Beispiele für den Wert (versus Mehrwert) gehaltvoller inhaltlicher Auseinandersetzungen unter Wissenschaftlern (die Zeitschrift Erwägen – Wissen – Ethik war (!) bis 2015 so ein Beispiel; Kommentare zu Schwerpunktthemen in der Psychologischen Rundschau – etwa hier – sind ein weiteres Beispiel).

Daher warten wir weiter auf die Diskutanten und geben der Idee des Triple Peer Review die Chance, sich langfristig zu entfalten :-).

Kaskade von Entwurfsübungen

November 13, 2017 - 04:31

Wie integriert man Lehre, Forschung und Entwurfspraxis in entwerfenden Disziplinen? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein Text (Titel „Entwerfen lernen“) von Susanne Wollin-Giering und Jochen Gläser (online zugänglich hier). Im Kern vergleichen die Autoren exemplarisch die Entwurfsprozesse der Architektur und der Nachrichtentechnik als zwei wissenschaftliche Disziplinen und erörtern die Folgen für Integrationsbemühungen von Forschung, Lehre und (Entwurfs-)Praxis. Ich finde in diesem Text drei interessante Anker bzw. Impulse für meine eigene Arbeit, die ich mal als Fragen formuliere: (a) Welchen Einfluss hat die Art der Forschung auf verschiedene Ausprägungen von „forschendem Lernen“ als didaktisches Konzept? (b) Inwiefern ist die Didaktik – und damit auch die Hochschuldidaktik – eine entwerfende Disziplin? (c) Wie verhält sich der Entwurfsprozess im Design-Based Research in Bildungskontexten (wie der Hochschule) zu den im Text vorgestellten Entwurfsprozessen?

Der Beitrag beginnt mit der Beobachtung, dass das Entwerfen (verstanden als „Ausarbeitung und Realisierung von Plänen für Handlungen, Strukturen und Artefakten“; S. 1) eine Praxis ist, die in ganz unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen eine Rolle spielt und daher auch in Forschung und Lehre höchst relevant ist. Beispielhaft greifen die Autoren zwei Disziplinen heraus, die sich – so zeigen die sie anhand einer Analyse auf – deutlich in folgenden Dimensionen unterscheiden: (1) in der Rolle der persönlichen Perspektiven im Entwurfsprozess, (2) in der Zerlegbarkeit des Entwurfsprozesses, (3) im Grad der Kodifizierung des Wissens, das man für den Entwurfsprozess braucht, (4) im Stand der Forschung („state of the art“) und (5) in der Entwurfspraxis.

Zusammenfassend kann man die Entwurfspraktiken der beiden ausgewählten Disziplinen wie folgt zusammenfassen (S. 10): Die Nachrichtentechnik ist „eine Wissenschaftsdisziplin mit eindeutig beurteilbaren Lösungen, hohem Kodifizierungsgrad und in einzelne Teilaufgaben zerlegbaren Forschungsprozessen […], während die Entwurfslehre in der Architektur mit perspektivenabhängigen Lösungen, ganzheitlichen Entwurfsprozessen und ohne kodifiziertes Wissen auftritt. In der Nachrichtentechnik ist Entwerfen von Systemen eine Fähigkeit, die aufbauend auf einem umfangreichen Grundlagenstudium bei fortgeschrittenen Studierenden entwickelt wird, während die Entwurfslehre der Architektur für ihre Studierenden beginnend mit dem ersten Semester eine Kaskade von Entwurfsübungen wachsender Komplexität konstruiert.“ Es ist naheliegend, dass die Möglichkeiten, Forschung und Lehre bzw. Forschung, Lehre und Berufspraxis zu integrieren in den beiden Disziplinen entsprechend divers sind. Und in der Tat zeigen die Autoren in ihrem Text auf, dass verschiedene Formen dieser Integration in der Lehre gefunden werden können.

Zurück zu meinen eingangs gestellten Fragen, die mir beim Lesen in den Sinn gekommen sind:

(a) Welchen Einfluss hat die Art der Forschung auf verschiedene Ausprägungen auf das „forschende Lernen“ als einem didaktischen Konzept? Der Text zeigt an zwei Beispielen sehr schön auf, dass die Art der Forschung nicht nur Einfluss darauf hat, wie forschendes Lernen umgesetzt werden kann (Gestaltung von Veranstaltungen), sondern auch darauf, wann forschendes Lernen eine besonders gute Chance hat (Gestaltung von Studiengängen). Mehr dazu unter anderem hier.

(b) Inwiefern ist die Didaktik – und damit auch die Hochschuldidaktik – eine entwerfende Disziplin? Wenn Architektur und Nachrichtentechnik – mal als These formuliert – zwei Extreme für entwerfende Disziplinen darstellen und sich zwischen diesen, ich will nicht sagen ein Kontinuum, aber ein Raum befindet: Wo würde man die Hochschuldidaktik platzieren? Aus meiner Sicht ist die Didaktik in jedem Fall eine entwerfende Disziplin. Aber wie lässt sie sich in diesem Charakter genauer beschreiben? Ist sie der Architektur ähnlicher oder der Nachrichtentechnik? Oder bildet sie einen ganz anderen „Entwurfstyp“ aus? Darüber werde ich sicher weiter nachdenken.

(c) Wie verhält sich der Entwurfsprozess im Design-Based Research in Bildungskontexten (wie der Hochschule) zu den im Text vorgestellten Entwurfsprozessen? In Bezug auf diese Frage fallen mir im Text von Wollin-Giering und Gläser ein paar Aussagen auf, denen ich widersprechen würde. Auf der einen Seite stellen sie entwerfende Disziplinen als solche dar, für welche „die Gestaltung die zentrale Praxis der Erkenntnisgewinnung ist“ (S. 2). Erkenntnisse zu gewinnen, ist aber nun das Ziel einer jeden Forschung, oder anders formuliert: Den Weg zur Erkenntnis kann man als Forschung bezeichnen. Geht man diese Argumentation mit, ergibt es aber keinen Sinn, auf der anderen Seite zu fordern, entwerfende Disziplinen von forschenden Disziplinen zu unterscheiden. Der Forschungsbegriff scheint hier verengt zu sein – was meiner Beobachtung zufolge häufig anzutreffen ist. Ich würde auch entwerfende Disziplinen als forschende Disziplinen sehen wollen, nämlich als solche, deren Forschungsverständnis das Gestalten als einen Weg zur Erkenntnis integriert. Und genau das ist ja auch der Kern von DBR (mehr dazu hier): Der Entwurf und die Konstruktion von Interventionen zur Lösung von Bildungsproblemen (im weitesten Sinne) sind Teil des Forschungsprozesses. Aber wie ist der Entwurfsprozess genau beschaffen? Vermutlich hat er eine ebenso große Varianz wie die, welche die Autoren in ihrem Text „Entwerfen lernen“ in verschiedenen Disziplinen vermuten. In Bezug auf die Frage, ob und wenn ja wie man speziell den Akt des Gestaltens mit „Standards“ versehen sollte, dürfte ganz wesentlich genau davon abhängen: nämlich von der Qualität des Entwurfsprozesses.

Fazit: Ein eher kurzer Text ohne direkten bildungswissenschaftlichen Bezug, der aber eine Fülle von Impulsen für die Hochschuldidaktik, die didaktische Praxis und die Didaktik-Forschung bereithält.

Die Kehrseite der Internationalisierung

November 9, 2017 - 14:39

Tina Bering Keiding und Ane Qvortrup haben in der Zeitschrift Higher Education Research & Development einen interessanten Beitrag mit dem Titel „Higher educational journals as didactic frameworks“ veröffentlicht, in dem sie die Ergebnisse einer Analyse von Themen in vier ausgewählten (englischsprachigen) Zeitschriften zu Higher Education untersucht haben (zwei angelsächsische, zwei skandinavische und eine fachdidaktische Zeitschrift). Die Autorinnen kommen zu dem Schluss, dass sich die Forschung zu Higher Education (wenn man mal davon ausgeht, dass die ausgewählten Publikationsorgane ein Spiegel der hochschuldidaktischen Forschung sind) vor allem mit Methoden beschäftigen und nur in geringem Maße mit Zielen, Inhalten und Assessment.

Ich habe den Text mit großem Interesse gelesen, liefert er doch einen klaren Nachweis auch meines Eindrucks, dass man sich mit Inhalten im Rahmen der hochschuldidaktischen Forschung nicht so recht auseinandersetzen will (zu diesem Thema siehe z.B. auch hier und hier in diesem Blog). Die Analyse der Abstracts aus vier Zeitschriften offenbarte außerdem, dass Forschungsarbeiten zu Methoden vor allem solche favorisieren, die im Einklang mit einem konstruktivistischen Verständnis von Lernen stehen und z.B. Fragen zur Vermittlung von Inhalten in Vorlesungen nahezu ausblenden – und das obschon Vorlesungen nach wie vor eine hohe Relevanz in der universitären Lehre haben. Die Autorinnen fragen sich (zu Recht aus meiner Sicht), wie es sein kann, dass man die Frage, was wozu Eingang in die Hochschullehre findet, so wenig wissenschaftlich thematisiert.

Der Text ist aus meiner Sicht aber noch aus einem anderen Grund interessant: Die Autorinnen beziehen sich bei der theoretischen Rahmung ihrer Studie explizit auf die deutsche Didaktik-Tradition (und verwenden das Modell von Paul Heimann sowie eine Interpretation des didaktischen Dreiecks von Rudolf Künzli, das – ohne dass ich das wusste – eine große Nähe zu meinem Strukturvorschlag im Studientext Didaktisches Design hat: Lehren als Vermittlung, Aktivierung und Begleitung). Bezeichnenderweise ist im Text auch von „didactics“ die Rede – eine Übersetzung, die man im angelsächsischen Raum nicht so oft findet und die (so erzählen mir jedenfalls des Öfteren diejenigen, die „internationaler“ sind als ich) eher einen negativen Beigeschmack habe.

Dieser Deutung schließen sich Keiding und Qvortrup offenbar nicht an – im Gegenteil: Sie beklagen den Verlust eben jener Didaktik-Modelle, die ganz selbstverständlich auch den Inhalten eine gewichtige Rolle zuschreiben, und in Skandinavien eigentlich immer einflussreich gewesen seien. Nun aber zeigten auch die skandinavischen Zeitschriften eine Einengung auf Themen, die im Schlepptau des so gerne zitierten „shift from teaching to learning“ zu finden sind – einem Slogan, der seit längerem die Definitionsmacht im Bereich „Higher Education“ übernommen hat. Das ist bedauerlich, weil NEBEN (natürlich nicht statt) den Methoden und Medien sowie der Lernenden- oder Kompetenzorientierung auch Ziele und Inhalte als Gegenstand hochschuldidaktischer Forschung bedeutsam sind. Wenn Internationalisierung am Ende die Homogenisierung von Forschungsfeldern und -fragen mit sich bringen sollte (und die Vermutung liegt nahe), dann wäre das wohl eine klare Kehrseite, der man entgegentreten müsste.

Legitime Ignoranz?

November 6, 2017 - 08:25

So, das war sie also, die Fachtagung „Universität 4.0“ der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGFE). Meinen Vorab-Beitrag zum Streitgespräch mit Roland Reuß habe ich bereits hier gepostet. Dass ich schon mal in einer Podiumsdiskussion mit Roland Reuß das Vergnügen hatte (der Blog wird nicht 100 Jahre halten, aber für sieben Jahre reicht es allemal und so kann man das hier nachlesen), habe ich tatsächlich verdrängt. Das liegt aber vermutlich daran, dass ich Podiumsdiskussionen generell ganz gern verdränge, weil sie in der Regel wenig ergiebig sind (und ich mir auch geschworen habe, an diesen nicht mehr teilzunehmen). Anders ein Streitgespräch, das durchaus fruchtbar werden kann. Allerdings hat das konkrete Streitgespräch zur Universität 4.0 einige Zuhörer eher nicht so überzeugt (so jedenfalls kann man es den Twitter-Beiträgen entnehmen), aber in der Summe hat es sicher ein paar Anregungen gegeben – mir zumindest ;-).

Zugegeben: Das Gespräch franste immer wieder aus. Roland Reuß beharrte darauf, die Probleme im Zusammenhang mit Open Access in den Mittelpunkt zu rücken, auch wenn sich Rudolf Tippelt mehrfach redlich bemüht hat, den Fokus wieder auf andere, ebenso wichtige, Fragen der universitären Lehre zu rücken. Zustimmen kann ich in jedem Fall der Forderung nach Selbstbestimmung bei der Frage, wie Autoren in der Wissenschaft publizieren. Das gilt aber wohl an vielen Stellen: So müsste Selbstbestimmung auch die Richtschnur im Zusammenhang mit Learning Analytics sein usw. Es hat sich jedenfalls gelohnt, dass ich mir schon im Vorfeld des Gesprächs Gedanken gemacht hatte – auch zu Fragen, die am Ende gar nicht gestellt wurden, denn: Wie zu erwarten war, gab es (ein) wenig Raum, zu sagen, was ich sagen wollte ;-).

Auf der Fachtagung fanden – neben dem Keynote von Ulf Ehlers und einigen Poster-Präsentationen – zwei Mal vier Vorträge gleichzeitig statt, sodass jeder notgedrungen nur Ausschnitte der vielfältigen Beiträge mitnehmen konnte, so auch ich. In dem, was ich gehört habe, war „von allem“ etwas dabei: Praxisbeispiele für den Einsatz digitaler Medien, Forschungsprojekte zum Einsatz digitaler Medien, kritische Betrachtungen zur Digitalisierung, auf konstruktive Möglichkeiten gerichtete Überlegungen zur Digitalisierung. Also alles bestens? Wohl nicht ganz. Mir fällt auf, dass wir beim Thema „Digitalisierung und Universität“ immer noch dualistisch denken – und dann Aussagen, Ergebnisse, Pläne etc. immer noch vorrangig einteilen in solche von Mahnern versus Machern, Gegnern versus Befürwortern etc. Gerne wirft man sich dann gegenseitig Naivität vor. Das war auf dieser Fachtagung ebenfalls spürbar, wenn auch verhalten.

Deutlich wurde aber darüber hinaus ein sich abzeichnender Konsens (auch im Streitgespräch, was zu Recht angemerkt worden ist): Viele Stimmen, die ich auf der Fachtagung gehört habe, kritisierten, dass Universitäten einer Marktlogik unterworfen werden mit nicht zu leugnendem Einfluss auf Forschung und Lehre. Die Digitalisierung wird im Rahmen dieser Kritik als eng damit verwoben wahrgenommen. Gleichzeitig spielen die meisten von uns das „Markt-Spiel“ mehr oder weniger bereitwillig mit (in Bezug auf Drittmittelakquise, Publikationspraxis, „Sichtbarkeit“ etc.). Gute Gründe dafür finden sich ja irgendwie immer. Aber: Ich sehe in diesem sich abzeichnenden Konsens die Gefahr, daraus eine legitime Ignoranz gegenüber der Entwicklung digitaler Technologien abzuleiten und diese aus der universitären Lehre dann am besten gleich ganz herauszuhalten. Das aber wäre, so meine Ansicht, fatal, weil wir uns im Gegenteil einmischen müssen, und das kann man keineswegs nur aus einer Metaperspektive AUF die Digitalisierung tun. Wenn nun gleichzeitig aus dem skizzierten Konsens in der Ablehnung der um sich greifenden Marktlogik keine Konsequenzen gezogen werden (in dem Sinne, dass man sich einigen der neoliberalen Spielregeln schlicht nicht unterwirft), bewirkt die ganze Kritik wenig bis gar nichts, außer dass man sich gegebenenfalls etwas besser fühlt, mal gesagt zu haben, man sei ja „eigentlich dagegen“.

 

 

 

Bauernhof 4.0

November 3, 2017 - 18:46

„Universität 4.0“ – seit gestern beschäftigen sich rund 150 Wissenschaftler auf einer Fachtagung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft mit der Frage, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf die Universität hat. Und wirklich: Nach dem Bauernhof 4.0 ist es wirklich mal Zeit für die Universität 4.0 … Heute Abend durfte ich ein Streitgespräch mit Roland Reuß führen. Ein Kurzbericht dazu und eine abschließende Einschätzung der Veranstaltung folgt nächste Woche. Einstweilen aber möchte ich auf einen neuen Impact Free Artikel (Nr. 12) hinweisen, in welchem ich vor dem Streitgespräch meine Überlegungen zu den Fragen festgehalten habe, die Rudolf Tippelt (Moderator) vorab zur Verfügung gestellt hatte.

Dehumanisierung im Kleinen

November 2, 2017 - 09:43

Nein, es ist kein wissenschaftlicher Text und er stammt auch nicht aus der Feder eines Wissenschaftlers, aber die darin enthaltenen Ansichten und Einschätzungen sollten ruhig Eingang in die Wissenschaft finden: „Wir brauchen einen neuen radikalen Humanismus“ von Tim Leberecht. Der Autor kommt zu dem Schluss, dass aktuelle Debatten, Studien und Regierungsprogramme zu einseitig die potenziell möglichen Vorzüge der Digitalisierung (insbesondere der KI und der damit verbundenen Verschmelzung von Mensch und Maschine) im Blick haben, und die Risiken ignorieren oder unterschätzen. Die wohl größte Gefahr inmitten des Versprechens von der exponentiellen Weltverbesserung sei nämlich „die schleichende, unsichtbare Dehumanisierung im Kleinen.“

Leberecht plädiert für „einen neuen Gesellschaftsvertrag, nicht nur unter uns Menschen, sondern auch zwischen Mensch und Maschine“. Hier sei zwar durchaus die Technologie-Branche gefragt (wobei ich da nicht allzu viel Selbstkritik erwarten würde). Gefordert seien aber auch Künstler, Philosophen, Theologen und Sozialwissenschaftler: „Es bedarf eines interdisziplinären Zusammenspiels all jener, die die Schönheit des Abweichens, des Fremdartigen, als zentrale Säule unseres friedlichen Zusammenlebens verstehen. Die darauf beharren, dass die Welt keine Maschine ist.“

Ich bin gespannt, ob wir zu solchen Themen auch auf der kommenden Fachtagung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft zum Thema „Universität 4.0“ am 3. und 4. November 2017 in Berlin zu sprechen kommen. Mein „Streitgesprächspartner“ Roland Reuß hat immerhin schon angekündigt, dass er die politische und ökonomische Dimension des Themas in der Vielfalt von Detailfragen zum Lehren und Lernen im Zeitalter der Digitalisierung nicht außen vor lassen möchte. Ich werde berichten.

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