Die Schweizer!

Am Freitag war ich zusammen mit Rebecca auf dem 2. Swiss Corporate Learning and Knowledge BarCamp in Winterthur. Wir Ghostthinker waren zweimal vertreten: einmal durch unsere Session „Schluss mit Kino“ und zum anderen als Co-Sponsor der Veranstaltung, die wir mit unserem Produkt edubreakCONFERENCE unterstützen.

„Ausgeheckt“ hatte sich das alles Torsten Fell. Torsten kenne und schätze ich seit unserem ersten Treffen in Zürich als kreativen und verlässlichen Kopf, der sich vornehmlich im Corporate Learning positioniert – deswegen auch die enge Zusammenarbeit bei der AXA Winterthur, die zum ersten Mal ein BarCamp-Format gewagt haben.

Es ist ja immer wieder spannend, wenn die Organisationsleitung am Morgen dazu aufruft, sich mit einer Session zu beteiligen. Kommen genügend Sessions zusammen? Gibt es eine unnötige Themenkonzentration? Wie lange dauert das alles? Aus diesem Grund war Torsten zu Beginn wohl auch etwas nervös: So ganz weiß man es ja nie! Ab ca. 10 Uhr ging alles seinen Gang: genügend Sessions mit interessanten Themen, klare Zeitstruktur, jeder weiß, was zu tun ist. Toll!

In nicht wenigen Sessions ging es um das Thema Video: Interaktivität, Blended Learning, Einkaufen vs. selber Machen, Kosten. In Abgrenzung zu vielen Schulungsanbietern von hochwertigen, meist storybasierten Videos, habe ich meinen Vortrag mit „Schluss mit Kino“ betitelt. Was folgt war bekannt: Videokommentierung, allein und zusammen, Videos selber drehen und Fallvideos, Nachdenken über gute Kommentierungsaufgaben etc.

In den Diskussionen stelle ich eines immer mehr fest: Unsere Methodeninnovation Social Video Learning ist der Ausgangspunkt einer Debatte über das Thema „Partizipation und Eigenverantwortung“. Dürfen MitarbeiterInnen ein für sie bedeutsames Video aus ihrem Arbeitskontext drehen? Darf jeder dieses Video frei kommentieren? Darf man diese Kommentare mit Dritten teilen? Darf man die entstehenden Meinungscluster wieder in einem Workshop bündeln und diskutieren? Darf man die Dinge „von unten“ verändern? Verantwortung hat eben ganz viel mit eigenen „Antworten“ zu tun.

 Und genau diese Grundsatzdebatte – so habe ich den Eindruck – kann man mit den Schweizern ganz hervorragend führen! Wenn wir vollmundig von der Zukunft des Lernens sprechen, dann sollten weniger die Tools & Technologien als vielmehr soziale Praktiken, Machtarchitekturen und Menschenbilder im Zentrum stehen. Ja, vor allem auch Menschenbilder, denn die Frage nach einer guten Arbeit, nach einer gerechten Entlohnung, nach Autonomie und sozialer Eingebundenheit verweist unmittelbar auf das Bild vom Menschen, mit dem wir die Arbeitswirklichkeit anschauen und mit dem wir die Zukunft der Arbeit  und des Lernens verwirklicht sehen wollen. Wenn man am Ende der Debatte dann wieder ganz pragmatisch nach Umsetzungsstrategien fragt, dann sind Technologien und Praktiken aus dem Umfeld von „2.0“ keine schlechte Wahl.

Erstes Forum Nachwuchsleistungssport: Eine Diskussion beginnt …

Am Montag waren Johannes und ich beim ersten Forum Nachwuchsleistungssport in Potsdam, das von unseren Kollegen Karsten Görsdorf und Christoph Moeller vom Institut für Spielanalyse (IfS) organisiert wurde. Neben dem Fachinput gab es auch was zu feiern: Das IfS wurde stolze 5 Jahre. Wir Ghostthinker freuen uns auch deshalb, weil uns mit Karsten und Christoph eine Berliner Idee verbindet: „Enfach jute Sachen machen“.

Für mich höchst interessant war der Input von Prof. Martin Lames, der in einer kurzweiligen Aufriss zu Themen wie „Innovationsfördersystem im Sport“ oder „Natur des Sportspiels“ sprach. Man hätte zum Innovationsfördersystem wahrscheinlich einen ganzen Tag diskutieren können, denn die Frage, wie Sportpraxis innovativ wird, wirft einen Blumenstrauß von Folgefragen auf: Was verstehen Grundlagenforschung, Sportwissenschaft, Sport Services und Sportpraxis unter dem Begriff „Innovation“? Welche konkreten Erwartungen sind damit jeweils verbunden? In welchem (Spannungs-)Verhältnis stehen methodisch gesicherte Erkenntnis und praktischer Nutzen? Die Fragen sind nicht neu, wenn man die Diskussion zum Design Based Research verfolgt. Eine erste Lösung wäre, wenn man ehrlicher mit den jeweiligen Kerninteressen der Subsysteme umgehen würde. Ein Vorschlag: Sportwissenschaft kann kein Ort der Innovation sein, weil sie weder die Zeit noch die methodische Freiheit hat, Inventionen in eine flächendeckende und akzeptierte Praxis, also eine Innovation, zu überführen. Deshalb wohl auch die Erfindung der Science Services, die diesen Übersetzungs- und Implementationsprozess übernehmen sollen.

Mit den Science Services ist das Problem des „Innovationstransfers“ allerdings nicht gelöst, bestenfalls externalisiert. Die Kernfrage bleibt: Wie geht die Sportwissenschaft mit Problemen des Sportsystems um? An der Antwort auf diese Frage wird das Wohl und Wehe der Sportwissenschaft hängen! In Zeiten von Neuro-, Gen- und Bio-Science kein Grund zum Optimismus.

KulturGutHamburg2024

Am Donnerstag war ich auf dem 15. Kongress Sport, Ökonomie und Medien in Hamburg (Videobericht hier). Zentrales Thema waren die Medien und die Frage, wie sie die Kommunikation im und um den Sport verändern. Man denke nur an die Fußballweltmeisterschaft, an Facebook & Co, wie Emotionen der Fans in Echtzeit geteilt oder Grußbotschaften aus dem Cockpit der Lufthansa mitgeteilt werden.

Entsprechend war auch der Head of Twitter sports vor Ort und hat über den weltumspannenden Dienst berichtet. Beeindruckend, was da seit der Gründung 2006 passiert ist und welche Neuerungen auch im Videobereich fortlaufend an den Start gebracht werden! Einen Kontrapunkt zu den Medien setzte Willi Lemke (Sonderberater des UN-Generalsekretärs für Sport im Dienste von Frieden und Entwicklung). In seinem Grußwort ging es ihm zentral um Hamburg 2024, um die Olympischen und Paraolympischen Spiele: Förderung des Breitensports, Inklusion, friedenstiftende Wirkung – das sind seine Themen, die er mit lebendigen und sinnstiftenden Geschichten aus aller Welt anreichert.

Ich hatte mich auf Anfrage von Andreas Hebbel-Seeger (Organisationsleitung) mit einem Vortrag zur „Trainerausbildung 2024“ eingebracht. Etwas vollmundig, ja sicher, aber mir geht es neben der artigen Darstellung dessen, was aktuell möglich ist, auch um einen Weckruf an alle, die in der Trainerausbildung Verantwortung tragen: Wenn wir 2024 in den olympischen Foren stolz von einer neuen deutschen Systemqualität berichten wollen, dann müssen wir uns jetzt auf den Weg machen. Veränderungen von Systemen dauern … und die von Menschen dauern noch länger :-). 

Hamburg 2024? Ehe das wahr wird, muss die Hamburger Bevölkerung am 29.11.2015 in einem Volksentscheid „ja“ zu Olympia sagen. Wann sagt man ja? Jedenfalls nicht, wenn man notorisch auf die ökonomischen Vorteile verweist, die sich aus den Spielen ergeben. Das ist in der Sache fragwürdig (vgl. Prof. Maenning) und von der Form her leidenschaftslos. Vielmehr könnte man sich auf das schlichte Kernargument berufen, ein Kulturfest für die Jugend der Welt im Medium des Sports auszutragen. Das mag für alle, die gut zählen können, blauäugig klingen. Doch es ist die einzig harte Währung, die Olympia zu bieten hat – eben ein kulturelles Gut – und genau für diese schlichte aber wirkmächtige Idee muss man Feuer und Flamme sein. 

Pädagogische Sportverbandsentwicklung

Nach unserem Erstkontakt mit dem Bayerischen Handball Verband und dem Referat bei der DHTV im letzten Monat bin ich gestern zum dritten Mal mit dem Handball in Berührung gekommen. Nach einem intensiven Vorabtelefonat hatte mich der Bundeslehrwart des Deutschen Handball Bundes (DHB), Michael Neuhaus, auf die Lehrwarttagung 2015 nach Bielefeld eingeladen, damit ich über Blended Learning am Beispiel des DTTB spreche. Anwesend waren mehr als 20 Lehrwarte der Länder, die schon am Vormittag über Neuerungen im DHB-Lehrwesen informiert wurden. Da passte mein Thema ganz gut.

Ich wusste bereits, dass es dem DHB darum geht, mehr über einen systemischen oder ganzheitlichen Ansatz für die Trainerausbildung zu erfahren und genau dafür ist das Beispiel des Deutschen Tischtennis Bundes (DTTB) besonders gut. Dort wurden in den letzten 6 bis 8 Jahren neue Ausbildungskonzepte im engen Austausch mit Trainern, Lehrreferenten, Bildungswissenschaftlern und Ghostthinkern entwickelt und zwar in allen Lizenzstufen von C bis A und dank SALTO auch flächendeckend in allen 16 Bundesländern. Dort haben die Bildungsverantwortlichen damit begonnen, ihre Erfahrungen und Ressourcen länderbergreifend auszutauschen. Ja, das geht, fällt aber nicht vom Himmel, ist vielmehr ein voraussetzungsreiches Ergebnis von vielen (didaktischen) Entscheidungen, man könnte auch sagen ein sozio-technisches System.

Ich merke bei meinen Referaten zunehmend, wie ich die Ebene der Lernwerkzeuge und auch der Blended Learning-Konzepte verlasse und mich immer mehr dem „nächsten Thema“ zuwende: der pädagogischen Sportverbandsentwicklung. Das kommt nicht von ungefähr, denn immer wieder stoße ich in Beratungsgesprächen auf das Spannungsfeld von autonomer Bildungsarbeit in den Landesverbänden und Steuerungsinteresse des Spitzenverbandes. Was nach Widerspruch klingt könnte durch den Einsatz digitaler Medien in eine koordinierte Entwicklung überführt werden; Autonomie und Aufsichtspflicht schließen sich nicht aus.

Der DTTB hat hier meines Erachtens einen innovativen und vielversprechenden Pfad eingeschlagen, indem die Landesverbände im Grundsatz ihre Bildungsarbeit frei in den Grenzen der Rahmenrichtlinien gestalten können. Gleichzeitig sind die Landesverbände durch den DTTB aber „eingeladen“, die Aufgaben ihrer Blended Learning-Programme allen Bildungsverantwortlichen in einer Online-Community transparent zu machen: Schulterblick, produktives Reiben und Nachjustieren von Aufgabenqualität sind die Folge. Was so harmlos daherkommt, entpuppt sich im Ergebnis als belastbare Organisationsentwicklungsmaßnahme, die von allen Beteiligten (mit)getragen wird.

Ich hoffe, dass das ausbuchstabierte Beispiel des DTTB mit meinen eigenen Deutungen zum Weiterdenken im DHB angeregt hat. Im Nachgang zu meinem Referat hat Herr Dr. Hierl jedenfalls nochmal aus der Perspektive des BHV gezeigt, wie Blended Learning mit edubreak beim BHV in der zweiten Jahreshälfte umgesetzt wird, wie man also jenseits großer Worte mit einem Torwarttraining im Blended Learning-Format startet.  

Nach Sichtung aller Informationen stehen Sportorganisationen wie auch der DHB beim Thema „digitales Lernen“ vor ein paar wenigen Fragen, die es aber in sich haben!

  • Welchem Lernverständnis (Trainerbild) sind wir verpflichtet? Soll das auch für digitale Bildungsräume gelten?
  • Wie sehen zu diesem Trainerbild passende Didaktiken (inkl. Assessement) und Lerntechnologien aus?
  • Lassen wir uns von der konzeptionellen Seite von außen beraten?
  • Setzen wir auf Technologiedienstleister mit Open Source-Produkten (z.B. Moodle) oder Didaktikdienstleistern mit speziellen Technologien (z.B. edubreakCAMPUS)?
  • Welchen Zweck verfolgen wir als Organisation mit dem Einsatz digitaler Medien?
  • Ist für uns Lernen (personal, organisational, analog, digital etc.) ein strategisches Thema? Was folgt daraus?  

Die Geschäftsführung der Sportorganisationen stehen am Ende wie immer auch vor der Kostenfrage: Was kostet eine soziale Innovation? Jedenfalls mehr als eine Software-Lizenz, soviel sollte klar sein! 

Wenn Männer Kinder kriegen könnten

Es war wohl 2002, als ich zusammen mit Gabi im schönen Garten von Hildegard Macha saß, einer Professorin an der Uni Augsburg, die irgendetwas zu feiern hatte. Neben mir saß eine weitere Frau, ca. 65 Jahre alt, Juristin. Wir redeten launig über „die Männer“, was sie sich alles herausnehmen und was sie alles nicht tun. Frechheiten! Ich vergaß wohl für einen Moment, das ich ein Mann war. Und dann packte es mich: „Wenn wir Männer Kinder kriegen könnten“, sagte ich in die aufhorchende Runde, „dann wäre mit Sicherheit im ersten Paragraphen des Grundgesetzes verankert, dass eben diese Männer von allen Arbeitstätigkeiten zu befreien sind. Der Mann“, sagte ich zur Legitimation, „ist für die Reproduktion der Gesellschaft verantwortlich!“ Zumindest die Juristin neben mir hat herzlich gelacht, wusste sie doch meine ironische Zuspitzung zu würdigen.

Aber ich wollte natürlich nicht nur lustig sein: Die Frauen kämpfen seit gut 100 Jahren für ihre Rechte und den Frieden. Vieles wurde erreicht. Heute haben wir Genderbeauftragte, Männer schieben ihre Kinder durch die Parks, Frauen arbeiten was und wo sie wollen. Klingt gut, oder?!

Wie unübersichtlich die Situation geworden ist und wie subtil die Muster quer zu den Geschlechtern liegen, wird wunderbar in der letzten Sendung DIE Anstalt aufbereitet. Die Jungs und Mädels verstehen ihr Handwerk und verpacken ihre Botschaft mit viel Selbstironie. 

Selbstironie, für mich ein ideales Schmiermittel zwischen Mann und Frau. Die Geschlechter bleiben, der Rest bleibt Aushandlungssache. Also, liebe Frauen, lasst die Männer keine dicken Bäuche kriegen, sonst müssen wir das Grundgesetz ändern, garantiert!

SALTO die Letzte: Wir arbeiten ... anders

4.40 Uhr aufstehen (Wolfratshausen), 8.55 Uhr im Seminarraum Potsdam, Kongresshotel – Mobilität in Deutschland, geht doch.

Gestern war ich beim 5.ten Hauptmeeting im SALTO-Projekt, in dem nun nach fast drei Jahren die letzten Meter eingeläutet werden. Neben meiner beratenden Funktion hatte ich eine kleine Moderatorenrolle: Zur Debatte stand die Zeit nach der Förderung. Nach einer kleinen Erinnerung an die SALTO-Idee habe ich jeden der Teilnehmer gefragt, wie er oder sie sich das vorstellt mit der Zukunft. Im Grundton waren sich alle sehr einig, dass es nach dem Sommer weiter gehen muss mit den digitalen Medien. Entweder mit einem ganz konkreten Wissenstransfer der Ergebnisse in andere Sportarten, mit der Aufrechterhaltung und Stabilisierung des Erreichten im eigenen Verband oder in Form einer Integration in den ganz normalen Arbeitsalltag. Letzteres könnte man so auslegen, als ob dem Thema „digitale Medien“ keine Aufmerksamkeit mehr geschenkt würde. Dem ist aber nicht so: Ähnlich wie in Unternehmen oder auch Hochschulen versteht man die digitalen Medien immer mehr als Querschnittsthema. Es geht also nicht mehr nur um „e-Learning“, sondern um webgestützte Qualifizierungsprozesse (Kompetenzentwicklung), webgestütztes Lizenzmanagement, webgestützte Konferenzen, webgestützte Kooperationen mit Schulen, Sportinternaten, Sportstudiengängen oder webgestütztes Qualitätsmanagement. Die Potenziale des Webs für das Lernen und das Management von Wissen (Repräsentation, Generierung, Kommunikation und Nutzung) stehen 2015 außer Frage. Was wir fortlaufend brauchen, sind spezifische (didaktische) Konzepte, die diese vielfältigen Möglichkeiten zur Wirklichkeit werden lässt, kurz: wir müssen (geistig) mobil bleiben. 

Mäuse haben kein Selbstverhältnis

Am Freitagabend durfte ich bei der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbundes e.V. ein Einführungsreferat zum edubreakCAMPUS halten. Nicht primär „Features“ standen im Zentrum, sondern didaktische Potenziale von Blended-Formaten, konstruktionsorientierte Aufgaben, Reflexionsanstiftung durch die Produktion und den Austausch von (Video-)Artefakten, Feedback- und Fehlerkultur, Teilen von Erfahrungswissen über den eigenen Standort und Horizont hinaus etc. All das kennt man von mir und es lässt sich mittlerweile zu einem kohärenten edubreak-KONZEPT verdichten.

Neu war für mich etwas anderes: Noch nie habe ich vor Generalsekretären, Verbandspräsidenten und Geschäftsführern gesprochen, also vor „Managern“, die sich im Alltag mit Organisationsentwicklung, Finanzmanagement, Personalführung, Mitgliederentwicklung, Marketing, Sponsoring und dem Spagat zwischen Ehrenamt und Vollzeitamt beschäftigen. Das Thema „Lernen“ findet sich explizit nicht auf der Agenda; auch im Curriculum zum DOSB-Verbandsmanager sucht man ein Lern- oder Wissensmanagement vergebens. Management und Lernen gehören (noch) zwei Welten an.  

Umso schöner ist es, wenn man quasi durch die Hintertür doch einen Impuls setzen kann, indem man das digital gestützte Lernen erfahrbar macht und es in einen für Sportmanager vielleicht ungewohnten Strategierahmen setzt. Hier hat dann Lernen weniger mit Edding & Flip-Chart zu tun als vielmehr mit persönlichen Wissensmanagement und einer lernende Organisation. Lernen ist also nicht nur ein Thema für die sog. Bildungsverantwortlichen, sondern eben auch für die Sportverbandsmanager, die z.B. mit einer virtuellen Zusammenarbeit von Landesverbänden Kosteneffizienz steigern, Marketing befeuern und Qualitätsentwicklung ausbauen wollen (und können).

„Mäuse haben kein Selbstverhältnis“, ja, das war ein Spruch von mir, als ich am Freitag zu erklären versuchte, was menschliche Reflexivität und das Selbstverhältnis zum eigenen Lernen (und Nicht-Lernen) ausmacht. Brauchen Manager das? Ja, sehr sogar! Wer sich in komplexen Umwelten bewegt, braucht das. Mäuse können in der Regel so weitermachen wie bisher.

Vom Webinar zum Geschehen vor Ort

Ganze 17 Personen aus fast allen Bereichen des Sports (Verein, Verband, Wissenschaft, Landessportbund etc.) hatten sich für unser Webinar „Lehrreferenten für Blended Learning begeistern!“ angemeldet. Für einen späten Freitagnachmittag nicht schlecht, oder? Wollen doch sonst alle ins ersehnte Wochenende. Unter Regie von Rebecca Gebler kommt mir bei dieser Webinar-Reihe der Ghostthinker die schöne Aufgabe zu, über Erfahrung rund um Blended Learning im Sport zu sprechen, entweder allein oder, wie dieses Mal, mit einem Gast.

In einem ca. 30 min. Input haben Michael Werner (Gast) vom Bayerischen Handball Verband und ich in einer Art „Dialog-Vortrag“ die Stationen diskutiert, die wir in den letzten 4 Monaten (u.a. auch mit Christoph Moeller) durchlebt haben: Vom Blended Learning zur Blended Conference. Darauf folgte eine Zusammenfassung der zentralen Fragen aus dem Chat (der während des Dialogs lief) durch Rebecca. Diese Fragen wurden entweder von Michael oder von mir beantwortet.

Persönlich hat mir der narrative und projektzentrierte Charakter des Ablaufs gut gefallen: Da berichten und reflektieren zwei über zentrale Erfahrungen bei einem kniffligen Problem und stellen eine Falllösung vor, die sich natürlich so nicht generalisieren lässt. Aber alle Falldarstellungen wollen ja vor allem eines: analoge Gedanken und Lösungsideen beim Zuhörer auslösen.  

Wir sind bei der Ausgestaltung der Webinar-Reihe noch am Anfang; Technologisch setzen wir aktuell auf GoToWebinar von Cetrix; das ist eine Erweiterung von GoToMeeting, welches wir seit Jahren für die Projektarbeit nutzen und wegen Schlankheit und Stabilität empfehlen. Den Aufbau von 30 min „Input“ und 15 min „Diskussion“ finde ich passend, denn als Web-Zuschauer will man was Neues mitnehmen und unter einer Stunde soll es auch bleiben – wir haben alle „keine Zeit“ mehr (das Problem lösen wir an anderer Stelle). Die erwähnte Kombination aus Narration und Bebilderung der Projektschritte können wir ebenfalls beibehalten – im Gespräch mit einem Gast (auch ein zentrales Element) kann man die Komplexität ausreichend entfalten und analoges Lernen ist gut möglich. Den Übergang in die Diskussion mit Zusammenfassung der Fragen aus dem Chat durch einen Moderator passt zeitlich und inhaltlich hervorragend. Fraglich ist, ob man weitere Interaktionsformen einsetzen muss: Braucht man wirklich Handzeichen oder Umfragen während des Inputs? Und, braucht man wirklich in der Diskussion die Audiostimmen der Teilnehmerinnen? Ich glaube, wir tun gut daran, wenn wir uns bei der Gestaltung von Bildungsräumen (ein zeitlich begrenztes Webinar ist ein Bildungsraum) auf wenige, klar abgrenzbare und gut harmonierende Elemente konzentrieren und uns nicht verleiten lassen, alles zu integrieren, was möglich ist. 

Apropos „Bildungsraum“: Narrative Darstellungen, Bebilderungen, Projektzentrierung, Beteiligung von Gästen, das sind alles Elemente für eine Situierung. Es wäre toll, wenn wir in Zukunft nicht nur aus unseren Büros heraus berichten – wie aktuell –, sondern von den Orten des Sports berichten und standortübergrefend unseren Gedanken verbinden. Live 360-Grad Video, müsste doch gehen! J. Man merkt schnell: Die Schraube „Situierung“ eröffnet neue Spielräume. 

Ein Award, aber kein Ambiente

Am Mittwoch und Donnerstag waren Becky, Johannes und ich auf der didacta in Hannover. Den ersten Tag hatten wir zum „Ausschwärmen“ eingeplant, um nach Bildungsinnovationen Ausschau zu halten. Aber wir hätten es natürlich wissen müssen: Bildungsinnovationen entdeckt man nicht am Messestand.

Was mir aber aufgefallen ist: Zeitungen wie die FAZ drängen mit Online-Portalen und Content in die Schule, große Marken wie Jugend Forscht sind auf Kleinststände geschrumpft und Riesen wie Samsung zeigen überdeutlich, dass LehrerInnen und SchülerInnen von Interesse sind. Mein Ruderlehrer sagte immer (nachdem jemand aus dem Boot ins Wasser gefallen war): Machen Sie sich Gedanken. 

Und wir? Am Donnerstag wurde uns vom eLearning-Journal der Award für Social Video Training überreicht, ein Preis, der unser langes Engangement mit dem Deutschen Tischtennis Bund zur Einführung von Blended Learning in alle Bundesländer allgemein und der Methodeninnovation Social Video Learning insbesondere würdigt. Wir freuen uns sehr! Zur Preisübergabe war neben Markus Söhngen und René Stork der Vizepräsident des DTTB, Arne Klindt, angereist. Toll, denn der Organisationswandel (vgl. auch unseren Artikel) ist ohne die Verbandsführung nicht zu machen.

Herr Ghostthinker, was machen Sie denn?

2015 waren wir Ghostthinker wieder dabei: auf der Learntec in Karlsruhe, als Austeller. Ich stehe also (mit Rebecca und Johannes ) vor unserem Stand mit neuem Roll-Up, Social Video-Learning-Plakat, aufgeklapptem Laptop und Broschüre mit Bergsteigermotiv (siehe Links im Bild) und werde angesprochen: „Was machen Sie denn?“, fragen mich neugierige Augen mit einen verschmitzten Lächeln. Ich antworte: „Wir stoppen Videos“ und versuche, ebenso verschmitzt zu lächeln. Stille.

Ein Lächeln im Gesicht des Gegenübers sagt mir, dass ich Kontakt habe, Kontakt jenseits der Worte. Und dann lege ich los und erkläre, dass wir Aus- und Weiterbildung erweitern, mit Video, aber anders, Schluss mit Kino, von der Einbahnstraße zum Dialograum, aktive Teilnehmer, sozialer Austausch, Einbettung in Blended Learning-Formate, Vernetzung der Lernphasen, reflexive Performanz, selber Videos drehen lassen, dort, wo die Probleme auftreten, Bedeutung wird von Teilnehmern definiert, nicht vom Mastermind usw.

„Ah ja, ist ja interessant“, höre ich. Und meine Rückfrage ist: „Und, darf ich fragen, was Sie machen? „Ich komme aus dem Sales Training einer großen Firma – ich komme aus dem Ausbildungszentrum der Bundeswehr – ich bin freie Trainerin für Social Media – ich will eine Akademie für Entwicklungshelfer gründen etc. „Und, setzen Sie schon Video ein?“ frage ich. „Ja schon, aber nur zum Angucken“.

Videos angucken, Videos selber drehen, Videos kommentieren, Austausch mit anderen im Video, um Probleme zu lösen. Dazwischen liegt das Meer. Und nochmal: „Was machen Sie denn?“ Das nächste Mal antworte ich: Reisende über das Meer begleiten. 

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