Sportbund Baden wagt eine „Blended“-Zukunft!

Der organisierte Sport in Deutschland ist vielschichtig. Jeder kennt die sog. Fachverbände, z.B. im Tischtennis oder im Fußball. Es gibt sie in jedem Bundesland, also 16 pro Sportart. Oben drauf sitzt der Spitzenverband und wacht u.a. darüber, ob da alles richtig läuft, in den Ländern. Dann gibt es noch die Landesportbünde, das sind Sportorganisationen der Länder, die alle Sportarten beherbergen, nicht nur eine. In einer solchen Sportorganisation war ich gestern, nämlich beim Badischen Sportbund in Baden-Baden. Das ist einer von drei Sportbünden im Land Baden-Württemberg. Ich sage ja, der organisierte Sport ist vielschichtig.

Also, was war los in Baden-Baden? Eingeladen hatte der Badische Sportbund zu einem Kick Off-Workshop. Anwesend waren 10 VertreterInnen, die alle eines im Sinn hatten: Blended Learning! Interessant ist nun, dass es hier im Sportbund nicht nur um eine Sportart geht, sondern es stehen gleich drei Piloten an: zum VereinsmanagerIn, zum Fitness & Gesundheits-Assistenten sowie zur sportartübergreifenden Trainer-C-Ausbildung. Bunt ist der Sportbund.

Und so haben wir uns heute mit unterschiedlichen Dingen beschäftigt: Mit Bildern (Metaphern), die man im Kopf hat, wenn man an e-Learning denkt (Taschenrechner, Bibliotheken, Uhren und Fischschwärmen). Wir haben erste Eckwerte zu den anstehenden Piloten explizit gemacht und die Erläuterungen am Flip Chart mit Video aufgenommen – klar, da waren alle begeistert. Wir haben uns angeschaut, welche Phasen es warum im Blended Learning gibt und was Lernwerkzeuge bewirken (können).

Da wir Blended Learning durch Blended Learning „vermitteln“ (die gute alte Selbstähnlichkeit) ging es im letzten Viertel um konkrete Aufgaben, die alle TeilnehmerInnen im Anschluss an den gestrigen Kick Off bearbeiten. So wird das die nächsten Wochen also gehen, alle erstellen „Lernartefakte“, z.B. Blogbeiträge, C-Maps, selbstgemachte Videos (von Inklusion bis Fehleranalyse) und Videokommentare.

Die TeilneherInnen sind also in der aktuellen Phase in der Rolle der Lernenden. Das ist wichtig, denn ohne diese Erfahrung sollte man nicht als Lehrender (Moderator) arbeiten. Einer der Hauptfehler beim Blended Learning ist, dass die Moderatoren den „workload“ der Aufgaben nicht genau abschätzen und die Tn überfordern – das ist demotivierend und solche Probleme löst man nicht so leicht. In ein paar Wochen wechseln wir die Rollen, dann arbeiten die Tn als Entwickler und Moderatoren ihrer eigenen Kurse.

 Was wir aber auf jeden Fall umsetzen ist, dass alle Tn des heutigen Kick-Off als Lerngruppe zusammen durch das Jahr 2015 gehen und hier Erfahrungen, Ideen und NoGoes im Zusammenhang mit der Umsetzung ihrer speziellen Blended Learning-Angebote sammeln und austauschen. Hier wird kollegiales Coaching greifbar und ich darf diese kleine Community mit Tipps und Feedback befeuern. Unser Ziel? Ende 2015 werden gute Gründe auf dem Tisch liegen, warum die Zukunft blended ist. 

Mit kollegialer Beratung in eine moderne Lernwelt

Es ist schon komisch: Seit acht Jahren treiben wir Ghostthinker mit Unternehmenssitz in Bayern das Thema „Blended Learning im Sport“ voran, aber noch nie ist es uns gelungen, neben dem Bayerischen Tischtennis Verband (vgl. DTTB und SALTO) einen weiteren bayerischen (!) Sportverband vom edubreak-Konzept zu überzeugen – bis jetzt! Seit Anfang November haben wir die Arbeit mit dem Bayerischen Handball Verband (BHV) aufgenommen. Zusammen mit dem Institut für Spielanalyse als Partner in sportartspezifischen und trainingswissenschaftlichen Fragen werden wir den BHV „in die moderne Lernwelt“ führen, so wie es der Vize-Präsident (Bildmitte) gefordert hatte.

Durch Workshops und Online-Phasen, also im Rahmen von Blended Learning, werden aktuell ausgewählte Referenten (C-Ausbildung, Schiedsrichter-Ausbildung, Torwartschulung) auf den Einsatz von Blended Learning im Handball vorbereitet, durch eigenes Tun und Reflektion dieses Tuns. Die Teilnehmer laden hierzu Videos aus ihrer Praxis im Verein in den edubreakCAMPUS und diskutieren bestimmte Szenen, schreiben Blogbeiträge zu Erfahrungen und erstellen C-Maps zu Theoriethemen. Im Februar wird es dann zum „Show down“ kommen: Die Referenten, die eben noch Novizen waren, werden auf einer Referententagung mit allen 30 Kollegen und Kolleginnen die Chancen von „Blended Learning im BHV“ vorstellen – gut informiert und mit Leidenschaft für die neuen Möglichkeiten. So soll es sein: kollegiale Beratung, als Strategie, um den Verband nicht zu überreden, sondern auf der Basis von eigenen Erfahrungen zu überzeugen.

Frucht aus Dubai

Schon fast sechs Monate ist es her, als ich mit Ghostthinker-Hut in Dubai auf den dortigen Kongress "Sustainable Excellenc" vertreten war. Nun ist der Artikel online veröffentlicht worden, den ich zusammen mit Gabi eingereicht habe (Social video learning and social change in German sports trainer education. International Journal of Excellence in Education Volume 6 issue 2.)

Brückenbauer

Ich habe Günther Szogs auf dem CLC in Frankfurt kennen gelernt, auf dem Flur, zwischen den Sessions. Wir kamen schnell ins Gespräch. Ich erzählte ihm unsere Geschichte: Trainerausbildung im Sport mit Medien, mit Video, Veränderung sozialer Praxis im Sinne einer Erneuerung. Das stieß auf Resonanz. Günther hat einen (siebten) Sinn für diese Geschichten, nicht zuletzt deshalb arbeitet er wohl als Generalsekretär für den European Corporate Learning Award. Er ist ein Anstifter und Beziehungsmacher.

Wahrscheinlich bin ich wegen unserer Vorgespräche am Montag als Tabel Host in der Leonardo Agora 2014 „gelandet“. Fenster öffnen und schließen sich. Mein Tisch war mit dem Titel gekennzeichnet: „Reflexive Performance vs. Knowledge Transfer. 'enployability' in sport“. Am Vormittag konnte ich also unseren Social Video Learning-Ansatz aus dem Sport mit Fachleuten diskutieren und mögliche Effekte auf das Thema Employability herausstellen. Am Tisch saß der Präsident der Wissensmanagement Gesellschaft e.V., Herr Schnauffer, ein Journalist von Spiegel Online und Prof. Wim Vees aus Holland. Interessanter Weise konnten die Teilnehmer mit dem Sportkontext weniger anfangen als ich dachte, die Bedeutung des Sports als Bildungsraum wurde nicht so deutlich gesehen. Eines ist klar: Ich befinde mich im Corporate-Fahrwasser. Unsere Social Video Learning-Lösung im engeren Sinne hingegen wurde gelobt, hier sieht man großes Transferpotential in den Corporate Bereich. Wichtig für mich: Wir müssen die Möglichkeiten beim Thema Bildung und Employability noch besser herausarbeiten, denn ich sehe gerade durch den Sport und in der Trainerausbildung sehr große Chancen für junge Menschen, etwas für ihre Beschäftigungsfähigkeit zu tun - europaweit! 

Man kann das Engagement von Günther und Team gar nicht groß genug einstufen. Sie schaffen es mit wenigen Bordmitteln, so einen Award aus dem Boden zu stampfen und die vielfältigen Bedürfnisse rund um diesen Aufmerksamkeitsmagneten zu befriedigen. Denkt man das Agora-Konzept dennoch weiter, würde ich mir für die Zukunft mehr Beispiele zu einer guten Lern- und Bildungspraxis wünschen. Denkbar wären exotische Beispiele mit dichter Beschreibung: Wissensteilung bei Hebammen in Afrika, Wissensgenerierung im Gartenbau etc. Der analoge Transfer in den Corporate-Bereich wäre nicht nur eine Weiterbildungsmaßnahme für alle „Wissens- und Lernmanager“, sondern auch eine Fundgrube für innovative Lösungen, die meist mit wenigen Ressourcen komplexe Probleme kreativ lösen. So oder so ähnlich habe ich mit Simon Dückert vor der Award-Verleihung auf dem Sofa rumgesponnen.

Schön war natürlich auch die Award-Verleihung selber: „This year the European education award goes to Prof. Dr. h.c. Hasso Plattner in the category of "Thought Leadership", to Calvin Grieder, Managing Director and Chairman of the Board of Directors of Bühler Management AG, in the category of "Company Transformation" and to Caroline Jenner, CEO of JA-YE Europe, in the category of "Crossing Borders". Inspiriert hat mich die Rede von Caroline Jenner, die in ihrer Arbeit einen breiten entrepreneurship education-Ansatz verfolgt, sehr klasse was sie und ihr Team machen!

Am Abend der Award-Verleihung saß ich neben EU-Mann Bror Salmelin, einem großen Finnen, zuständig für Innovationstechnologie. Wir haben über Anwendungsszenarien von Social Video Learning gesprochen: Medizintechnik, kollaborative Interpretation von visualisierten Daten. Das war kurzweilig. Und während wir sprachen, baute Herr Samelin eine Brücke zusammen (vgl. Bild), aus einfachen Holzstäben, mit Kerben (das war eine informelle Aufgabe an jedem Tisch). So muss man den Award und die Teilnahme wohl verstehen: Hier treffen sich Brückenbauer und das ist notwendig, für ganz Europa.

Mama und Papa schauen zu

Durch einen Schuppser von Karlheinz Pape bin ich letzte Woche bei Simon Dückert von Cogneon gelandet und durfte dort einen Vortrag halten. Mir hat der Ausflug nach Nürnberg große Freude gemacht, nicht nur wegen des Vortrags mit erstmals kurzer Nennung unserer Arbeiten bei der Beko Basketball Bundesliga und der DOSB-Führungsakademie, sondern insbesondere, weil ich die Gruppe „um Cogneon“ kennen lernen durfte – offen, interessiert und einfach nett (z.B. Sven Wink). Eine Premiere war für mich der Livestream ins WWW (mit Übertragung ins Intranet von Audi und adidas) in Kombination mit den Teilnehmern vor Ort, Twitterwand-Feedback und Mama und Papa als potenzielle Zuschauer im heimischen Langscheid. Etwas nervös war ich schon, zumal ich wegen der Kamerafixierung nicht so richtig im Raum rumspringen durfte wie sonst. Im Nachgang wurden noch interessante Fragen aufgeworfen, wie etwa die des besonderen Bildungsgehalts der Videokommentierung (in Abgrenzung etwa zum Marketing) oder wie man Social Video Learning sinnvoll im Rahmen von SCRUM einsetzen kann. Ich bleibe hoffentlich mit den Nürnberger Kollegen im Gespräch; da geht noch mehr, meine ich, zumal dort ein Wissensmanagement-Rahmen mitgedacht wird, der mir auch nicht ganz fremd ist. 

Vom Projekt zum Produkt

Im BMBF-Projekt SALTO „Digitale Medien für die Qualifizierungsarbeit im Sport“ wird die letzte Runde eingeläutet. Damit ist nicht die Abgabe der Berichte gemeint, sondern etwas viel wichtigeres: Ca. 30 Monate haben die Projektverantwortlichen Projekte zum Blended Learning, Contententwicklung, Implementation, Community und Gesamtportal aufgesetzt, umgesetzt und in ihren Sportorganisationen ausgeweitet. Nun gilt es, vom eher expansiven Projektmodus in den komprimierenden Produktmodus zu kommen, also zu fragen, wie ein interessierter Dritte die Erfahrungen, Konzepte und Technologien nutzen könnte. Das ist aus meiner Sicht eine deutliche Zäsur in der Blickrichtung!

Um diese Shift von Projekt zum Produkt zu organisieren, hat das SALTO-Leitungsteam Herrn Dr. Jegli um Hilfe gebeten. Er hat heute zusammen mit Dr. Markus Stross, Wiebke Fabinski und Gedrun Schwind-Gick den Workshop organisiert. Zur Anwendung kam ein spezielles Feedbackverfahren, das geholfen hat, den jeweiligen Projektstand ungeschminkt vorzustellen, Stärken wie Schwächen zu identifizieren und den jeweiligen Verantwortlichen Hausaufgaben mit auf den Weg zu geben. Das Ganze lief ungemein strukturiert und klimatisch angenehm ab, was in dieser heissen Phasen einfach gut tut und alle Beteiligten noch mal motiviert, alles zu geben, so wie sich das für den Sport gehört! Im Bild die zufriedenen Preisträger des eLearning Awards 2015 ;-) 

Brauchen wir mehr BarCamps? Ja & Nein

Am Freitag und Samstag war ich auf dem CorporateLearningCamp 2014 in Frankfurt. Mehr als 100 Teilnehmer aus allen Bildungsbereichen von NPO und Hochschule über (Bau)Verwaltung bis Wirtschaft waren anwesend und haben über Bildungsfragen diskutiert. Circa eine Stunde nach Startschuss konnte Karlheinz Pape dann auch erfreut feststellen: „Wir haben uns alle vorgestellt und die Tagesagenda mit über 20 Sessions steht, wo gibt es das sonst?“

Ja, es ist schon erstaunlich was passiert wenn man die ansonsten konsumierenden Konferenzteilnehmer zu Produzenten und Mitverantwortlichen des Tages macht, wenn man sieht, was Experten so drauf haben, was sie gern und gekonnt anbieten – hier wird ernsthaft „2,0“ gelebt und man erkennt: Koproduktion funktioniert! Und so findet der Bildungsengagierte an sich alles, was interessant ist: Ganz Praktisches, manchmal Technisches und hin und wieder auch ein Theoriebeitrag, der gar nicht so theoretisch sein will, um die Teilnehmer nicht zu verschrecken.

Ich selber habe zwei Sessions angeboten: Eine zum Thema Videokommentierung (Schluss mit Kino), in der ich das Konzept Social Video Learning im Rahmen des Blended Learning-Szenarios der Sporttrainer diskutiert habe (vgl. Skizze, Danke an gezeitenraum!!!), und eine Folge-Session, in der wir der Frage nachgingen, wo im Kontext der Wirtschaft die „Videos herkommen“, denn ganz so mutig und frei wie im Sportkontext ist man hier nicht, kann man hier nicht sein, aus rechtlichen und kulturellen Gründen.

Ehrlich gesagt, habe ich außerhalb der Sessions, auf den Gängen und Fluren, am meisten gelernt. Das wird Karlheinz nicht wehtun, denn genau um das geht es ihm ja: Ermöglichungsräume schaffen. Z.B. ist mir die Unterhaltung mit Sandra Schleimer, in der es um einen möglichen Einsatz von edubreak in der Entwicklungszusammenarbeit ging, oder das Gespräch mit Heinz Erretkamps, in dem wir einen Spaziergang am Starnberger See ins Auge gefasst haben, um über die weltbeste Akademie für SCRUM-Trainer (nicht IT!) nachzudenken, oder das Gespräch mit Günther M. Szogs (da habe ich die Karte ;-)), der mir die Grundphilosophie des Leonardo-Awards beibrachte und der ein Interesse an unseren Entwicklungsarbeiten aus dem Sport hatte, vom Videostoppen bis zur sozialen Innovation.

All das hat mir gefallen! Nun fragt man sich bei der Überschrift (vgl. auch hier), wo denn hier der Haken ist. Ich sehe eine Chance und eben ein Defizit. Die Chance bei einem BarCamp besteht darin, dass sich hier Bildungsengagierte auf Augenhöhe treffen und befreit von Rollenzwängen austauschen können. Das lockt an, vor allem die, die ihre mitgebrachten Corporate-Probleme und Fragen mit Gleichgesinnten sichten und erörtern wollen. Das schafft ein Gefühl von Gemeinschaft, Einsichten und Lösungen und motiviert zur Vernetzung. All das ist klasse, und es ist ein Verdienst von KH Pape und „seinen“ Mitstreiter, im Portfoliodschungel der „Bildungsräume“ einen schönen und einladenden hinzugefügt zu haben, was nicht immer leicht ist. Wir erinnern uns: Es ist schwerer, aus dem Nichts einen Punkt zu machen, als aus einem Punkt einen bunten Ballon! Ich wünsche KH, dass sein Ballon sehr hoch steigt!

Was das Defizit betrifft, möchte ich auf einen Punkt hinweisen, der aus dem Gespräch mit Günther M. Szogs entstanden ist: Auch BarCamps bedienen die Bedürfnisse der Teilnehmer, sind in diesem Sinne selbstreferenziell und laufen damit Gefahr, dass sie das nicht beobachten, was außerhalb der Horizonte der Teilnehme liegt oder eben hier und jetzt nicht interessiert: So sind Fragen um die Voraussetzung von Bildungsproduktion (Struktur, Macht, Autonomie, Finanzierung, Zweck, politische Abhängigkeit) oder zu alternativen Modellen der Bildung gerade im Kontext der Wirtschaft zwar in Flurgesprächen präsent, in angebotenen Sessions bleiben die Sitze aber leer! Resonanz und Relevanz kommen nicht immer zur Deckung. Auf anderen Wegen ist es aber auch nicht leicht: Unser 2004 gegründetes „Netzwerk Ökonomie und Bildung“ hatte genau eine solche Zielstellung des Fragens. 2014 haben wir den Laden geschlossen wegen Ressonanzmangels im Innen- und Außenverhältnis.

Mein Fazit: Bildung ist ein „dickes Brett“ und ein BarCamp ist eine gute Säge!

Vgl. auch Weiterbildungsblog 

Mein erstes BarCamp

Ich beschäftige mich schon länger mit dem Thema „Lernen“, aber noch nie war ich auf einem BarCamp. Für alle, die es noch nicht wissen: Da macht kein Mastermind die Agenda, sondern die Themen werden ad hoc von den Teilnehmern vorgeschlagen, geordnet, meist zusammen umgesetzt. Laut Karlheinz Pape – dem Anstifter des CorporateLearningCamps 2014 – ist das eine Befreiung von didaktischen Fesseln :), eben eine nach Bedürfnissen sich selbst organisierende Tagung. Ich habe da ein anderes Didaktik-Verständnis, denn einerseits ist das Eintreten für mehr Freiheit eine didaktische Entscheidung (wenn das Lehren und Lernen zum Zweck erhoben wird) und andererseits muss auch diese Freiheit wieder organisiert werden (Aufstellen und Pflege von neuen sozialen Regeln), um sie vom Chaos abzugrenzen. Aber Didaktik hin oder her, ich freue mich jedenfalls sehr, am 26./27. September in Frankfurt dabei zu sein, als Teilnehmer und, wenn es klappt, auch Session-Geber. Mit von der Partie sind Johannes Metscher sowie die erste festangestellte GhosttinkerIN, Rebecca Gebler, unsere neue Marketingleitung.

Durch die Setzung des Themas „Video Learning“ bzw. „Social Video Learning“ (SVL) habe ich mich besonders angesprochen gefühlt, da wir nun mal seit sieben Jahren eine Vielzahl von Forschungsprojekten zum SVL begleiten (EU, BMBF, etc.) und unser Geschäftsschwerpunkt sich um Train-The-Trainer mit SVL im Sport dreht. Wir können also Erfahrungen beisteuern: Zum einen tun wir das, indem wir den Camp-Teilnehmern unseren edubreakCAMPUS zur Verfügung stellen – zum Ausprobieren von SVL.  Zum anderen wollen wir uns mit besagter Session – gern auch im Plural – beteiligen. Wie das genau aussehen wird, ist noch offen – BarCamp you know ;-), aber falls ich zum Zug komme, möchte ich die „Situation einfrieren“, we stop videos!

In den letzten Tagen vor dem Camp gilt es noch einmal, den flipped-Gedanken auszuleben, also schon VOR der Präsenz Materialien online für alle Teilnehmer zur Verfügung zu stellen: zur Information, Orientierung, Motivierung. Sinn und Zweck dieser Voraktivierung ist, dass in den Sessions selbst viel Raum für Frage-Antwort vorhanden ist. So die Idee. Ich würde mich sehr gerne auch zu diesem Thema austauschen, denn die Voraussetzungen für „flipped“ sind hoch und ich bin mir gar nicht sicher, ob die strikte Phasentrennung mit Informationsaufnahme hier, Diskussion dort funktional ist. Ich bin eher für: Info & Diskussion hier UND da mit einem aktiven Wiederaufgreifen und Vertiefung der online-Argumente in der Präsenz. Es geht um Anschluss-kommunikation!  

Wir wollen 2020 Europas beste Liga sein

„Wir wollen 2020 Europas beste Liga sein“, so beschreibt der Leiter Sport der BEKO-Basketball-Bundesliga Jens Staudenmayer kurz und knapp die Motivation zum Auf- und Ausbau der neuen Trainerausbildung. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass die Liga hier etwas ganz besonderes auf die Beine gestellt hat. Beim letzten Präsenz-workshop in Berlin am 11.08.2014 war dann auch ein Besucher aus der Fußball-Liga anwesend, um zu hören, was an der neuen Ausbildung so außergewöhnlich ist.

Ich selber war wie schon beim ersten Jahrgang 2013 als Referent für das Thema Wissensmanagement geladen. Meine Aufgabe besteht darin, in den mediendidaktischen Teil der Ausbildung einzuführen, die Rolle und Bedeutung des edubreakCAMPUS & Community zu erläutern und diese eher praktischen Dinge mit zentralen Konzepten aus dem Lern- und Wissensmanagement in Verbindung zu bringen. Ziel der Übung ist, dass die neuen Trainerstudenten mit dem Campus klar kommen und eine motivierende Idee vom Lernzyklus (individuell und organisational) erhalten. Ich hoffe, dass in den Köpfen und Herzen etwas „angekommen“ ist.

Ich bin nicht nur froh darüber, dass wir Ghostthinker Teil dieser neuen Ausbildung sind, sondern auch stolz, dass uns vom Leiter Sport und den unmittelbar für die Ausbildung verantwortlichen (Florian Gut und Dr. Karsten Goersdorf) großes Vertrauen entgegengebracht wird. Das habe ich spüren dürfen, als Florian Gut mich gegenüber den oben genannten Gast der Fußball-Liga vorstellte und Ghostthinker nicht nur als einen externer Dienstleister, sondern als engen Partner bei der Umsetzung der engagierten Ausbildungsziele (vgl. Ausbildungsfonds) bezeichnete. Danke lieber Florian, das hören wir gerne, nicht (nur), das wir gut sind, sondern das wir helfen können, wenn es darum geht, die beste Trainerausbildung in Europa mit auf den Weg zu bringen. 

Der Wertbeitrag von e-Learning

Beim letzten großen SALTO-Meeting des DTTB habe ich erstmals explizit über das Thema „Organisations- und Qualitätsentwicklung mit digitalen Medien“ gesprochen. Was ist das,so meine rhetorische Frage gleich zu Beginn des kleinen Impulsreferats. Hintergrund für diesen Auftakt war die Bitte von Markus Söhngen, ein paar einführende Worte zum neuen Thema DTTB-Community voranzustellen. „Community“, da geht es also um Gemeinschaft, um das Teilen von Wissen, um einen „paradiesischen“ Zustand also.

Den DTTB betreuen und beraten wir Ghostthinker seit gut sieben Jahren, immer auf wissenschaftlicher Grundlage (freies Material hier) sowie lösungsorientierter Pragmatik in der Umsetzung. In dieser Zeit ist vieles passiert: Die Pilotierung eines ersten C-Lizenz-Lehrgangs nach dem „neuen“ Blended Learning-Verfahren (2007/8), der Start des ersten A-Lizenzkurses mit begleitenden Fallcoaching und videobasierter e-Portfolioarbeit anstelle einer klassischen Hausarbeit (2009), erster B-Lizenzkurs und Aufbau von Weiterbildungsformaten (2010), konsequente Umsetzung eines prozessbegleitenden Prüfens und Kompetenzorientierung in allen Lizenzstufen (vgl. Rahmenrichtlinien des DOSB) (2011), Start einer kollegialen Hilfe, bundesweit u.a. mit Hilfe von SALTO (2012/13), Erfindung gänzlich neuer Prüfungsformate wie z.B. einer „Videoprüfung im Heimatverein“, ganz ohne Prüfungsangst (2014), vgl. Dokumentation

Was ist das alles? Was ist es wert? Lehrende mit einer erweiterten Lehrkompetenz, mediendidaktische Konzepte für mehr Flexibilität und Qualität, ein organisatorisches Leitbild, hinter dem alle stehen, entfachte Kreativität für innovative Prüfungsformate, ein Bekenntnis zum Coaching statt dumpfer Selektion, passende, akzeptierte und genutzte Lerntechnologien, bundesweite Transparenz und Teilung von Lernressourcen.

All dies sind Werte, die die Zukunftsfähigkeit moderner Bildungsorganisationen im Sport maßgeblich bestimmen: Weil die neue Struktur attraktiv für Nachwuchstrainer ist, in der ehrenamtlichen Breite bis zur professionellen Spitze, weil der Wissens- und Ressourcenaustausch zwischen den Ländern Ressourcen spart und Qualität sichert, weil die Transparenz auf allen Ebenen Fehler beobachtbar macht und ein permanentes Lernen keine Bedrohung, sondern Chance ist, kurz: weil der DTTB auf dem besten Weg ist, eine lernende Organisation im Sinne von Peter Senge zu werden. Da sind Titelgewinne in allen Kategorien wahrscheinlich(er).

All das steht 2014 noch in keiner betriebswirtschaftlichen Bilanz von Sportorganisationen. Deshalb tun sich die Geschäftsführer schwer mit der Bewertung - noch. Im Zuge der Diskussion zu sog. „Wissensorganisationen“ (Bildungsorganisationen des Sports sind zweifelsohne als solche einzustufen) haben sich bereits neue Bewertungsverfahren (z.B. Wissensbilanz, Balanced Score Card) entwickelt, die man sich intensiver anschauen sollte. Und wenn man schon vom Ende her denkt, dann ist man gut beraten, bei der Einführung von e-Learning in die Sportorganisation einen Blick für das Wissensmanagement übrig zu haben. Denn hier werden individuelle und organisationale Lernzyklen zusammengedacht, was Nachhaltigkeit wahrscheinlich macht. Also, e-Learning in der Organisation geht alle etwas an, vom Lehrreferenten bis zum Präsidenten, da reicht es nicht zu sagen: „Machen Sie sich da mal mit der Technik schlau“ oder gar „Das machen sie dann nebenher“!

Es kann nicht schaden, einen Workshop zum Wissensmanagement (freies Material hier) zum Ausgangspunkt des Change-Projekts „e-Learning“ zu machen, mit allen Stakeholdern, niederschwellig und narrativ. Vielleicht schützt ein solcher 360 Grad-Blick auch davor, nicht allzu schnell die Plattformfrage zu stellen. Denn am Ende geht es nicht um PLATTformen, sondern um individuelle und organisationale HOCHform, dessen sollte man sich gerade im Sport bewusst sein! 

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