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Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends
Aktualisiert: vor 1 Stunde 32 Minuten

MOOCs in der Erwachsenenbildung: So gelingen sie

November 3, 2017 - 15:51

Die Macher*innen des EBmoocs haben diesen nützlichen Leitfaden (70 Seiten) erstellt. Der EBmooc fand im Frühjahr 2017 statt, war der „erste offene Onlinekurs für Erwachsenenbildner/innen in Österreich“ und beschäftigte sich mit digitalen Tools und Fertigkeiten für die Erwachsenenbildung. Er erreichte damit die stattliche Zahl von rund 3.000 Teilnehmer*innen!

Der Leitfaden behandelt die Themen Ressourcen, Öffentlichkeitsarbeit, Kooperationen, Didaktik, Lernmaterialien, Lizenzierung, Durchführung, Begleitangebote und Zertifizierungsformen. Der EBmooc wird dabei als Fallbeispiel immer wieder „eingeblendet“. Da dieser Kurs als xMOOC konzipiert war, nimmt auch der Leitfaden diese Perspektive auf. Wäre es ein Leitfaden für cMOOCs, würde man wahrscheinlich das Community Management sowie die Vernetzung, den Austausch unter den Teilnehmenden sowie ihre Motivation und Aktivierung stärker gewichten. Aber die Autor*innen wissen um die Unterschiede und sprechen sie eingangs selbst an.

„Drei Gestaltungselemente, die in beiden MOOC-Typen einen guten Platz brauchen, sind
– eine gewisse Vorstrukturierung des Geschehens (z. B. ein Ablaufplan und/oder andere klare Orientierungs- und Strukturierungs-Elemente);
– Möglichkeiten zur Zusammenarbeit und Vernetzung (z. B. Social Media, Interessensgruppen, und dergleichen);
– eine mit unterschiedlichen Medien angereicherte Lernumgebung, die abwechslungsreich ist und verschiedenen Lerntypen entgegenkommt.“

CONEDU Birgit Aschemann mit Philipp Wurm, David Röthler, Martin Ebner, Wilfried Frei, Lucia Paar und Martina Süssmayer, www.erwachsenenbildung.at, Oktober 2017

Can you predict your students’ final grade at the start of the course? Yes, you can with Artificial Intelligence

November 3, 2017 - 13:43

Obwohl der Titel gleich Frage und Antwort liefert, hier noch einige Details: 106 Studierende (Engineering and Business at Tecnológico de Monterrey) wurden vier Jahre begleitet und datenmäßig erfasst. Am Ende hatte man 70 Variablen, die nicht nur das Studium, sondern auch den Alltag der Teilnehmer abdeckten, und man hatte Korrelationen zwischen den Variablen und dem Abschluss der Teilnehmer und damit also ein Modell, um den Studienerfolg vorherzusagen. Das hat man dann gleich auf eine neue Gruppe von Studierenden angewandt. Mit beachtlichem Erfolg: zu 96 bis 98 Prozent stimmten die Prognosen.

Ob das Modell künftig standardmäßig eingesetzt wird, wie Institutionen,  Lehrende oder Studierende mit ihm bzw. mit den Informationen umgehen, lässt der Artikel offen.

Aber vielleicht beginnt das erste Beratungsgespräch dann so: „Wir haben leider schlechte Nachrichten für Sie: Wenn alles normal verläuft, werden Sie den Abschluss wohl nicht packen! Wollen Sie es trotzdem versuchen? Vielleicht mit einem Personal Tutor?“
Omar Olmos López und Miguel Ángel Hernández, Observatory of Educational Innovation/ Tecnológico de Monterrey, 30. Oktober 2017

Ende Oktober hat die Subscribe 9, die

November 2, 2017 - 17:25

Ende Oktober hat die Subscribe 9, die halbjährliche Podcasting-Konferenz, beim Bayerischen Rundfunk in München stattgefunden. Simon Dückert war dort, hat seine Eindrücke zusammengefasst und gleich mit den entsprechenden Vorträgen verlinkt. Seine Stichworte reichen von der dritten Podcasting-Welle, in der wir uns offensichtlich derzeit befinden (meint übrigens auch Wired), bis zur Rolle, die das Podcasting in der Weiterbildung spielen könnte.

„Ich denke in den kommenden Jahren werden wir in Unternehmen ähnliche Tendenzen der Nutzung von Podcasts zur Verbreitung von Wissen sehen. Zwei wichtige Handlungsfelder sind in meinen Augen die Unternehmenskommunikation (z.B. Kampagnen, Podcasts zu erklärungsbedürftigen Strategie-Themen wie Digitalisierung) und die Weiterbildung (Flipped-Classroom-Ansätze, Mitarbeiter-schulen-Mitarbeiter, Lessons-Learned-Podcasts).“

Simon Dückert, Cogneon, 30. Oktober 2017

Bildquelle: Matt Botsford (Unsplash)

German OER Practices and Policy — from Bottom-up to Top-down Initiatives

November 2, 2017 - 12:18

“But where is Germany?“ hieß es noch auf dem ersten World Open Educational Resources (OER)-Kongress 2012 in Paris. Seitdem ist einiges passiert. Was genau, das beschreiben die Autoren in diesem Länderreport, der im Auftrag des UNESCO Institute for Information Technologies in Education erstellt wurde. Nach einer kurzen, einleitenden Chronik gehen sie zuerst auf die Merkmale und Besonderheiten des deutschen Bildungssystems ein. Statistisches ziehen sie aus den 491 Einträgen mit Deutschland-Bezug, die die OER World Map verzeichnet. Schließlich folgt die Darstellung einzelner OER-Projekte, sowohl der Leuchttürme wie die Hamburg Open Online University (HOOU) und OERinfo als auch einer Auswahl von bottom up-Aktivitäten wie OERcamps und -MOOCs. Auch Leerstellen werden ausgewiesen („Apart from the several projects in the course of the OERinfo funding programme (see Section 6.6) the authors are not aware of any governmental activity related to vocational training.“)

Der Report schließt mit drei Szenarien, in denen spekuliert wird, wie sich das Thema nach den September-Wahlen entwickeln wird. Die Autoren sind dabei verhalten optimistisch:

„Despite of all the activity mentioned in this report, OER has not reached the educational mainstream in Germany yet. But it seems to be moving in the right direction.“ (S. 76)

Dominic Orr, Jan Neumann und Joeran Muuss-Merholz, UNESCO Institute for Information Technologies in Education, Moskau 2017 (pdf)

Reviving the MOOC

November 1, 2017 - 12:24

Stephen Downes, einer der Gründerväter der MOOC-Bewegung, nimmt den Ball auf, den Dhawal Shah kürzlich gespielt hatte („A Proposal to Put the ‚M‘ Back in MOOC“). Dafür stellt er noch einmal das ursprüngliche Modell der cMOOCs den folgenden xMOOCs gegenüber. Im zweiten Teil beschreibt er zwei Geschäftsmodelle: das der heutigen Elite-Universitäten und das von Hochschulen, die den MOOC-Idealen folgen. Das Letztere gerät jedoch etwas schemenhaft.

Doch die Eckpfeiler des ursprünglichen Modells – Studierende, die selbstorganisiert ihre Lernprozesse steuern; keine Vorlesungen, sondern Lernimpulse; der wechselseitige Austausch in Communities – können nach wie vor auch für Corporate Learning als Blaupause dienen.
Stephen Downes, Half an Hour, 25. Oktober 2017

My part in the battle for Open (universities)

Oktober 30, 2017 - 06:35

Wenn ich die Zeilen von Martin Weller über Open Education und seine Arbeit an der Open University lese, kommen mir zwei Gedanken: zum einen frage ich mich, warum ich das deutsche Pendant, die FernUni Hagen, in dieser Diskussion so viel weniger und leiser wahrnehme; und dann überlege ich, ob es nicht vielleicht Zeit für ein Rebranding ist, ob nicht die Vorsilbe „Fern“ etwas aus der Zeit fällt und ob nicht „open“ ein zeitgemäßeres, bildungspolitisches Statement wäre.

Wie auch immer: Martin Weller sieht jedenfalls auch in Zeiten von Massive Open Online Courses noch genügend Gründe für die Existenz einer Open University. Stichworte seines Beitrages sind unter anderem „reclaiming the open history“ und „open educational practice“.
Martin Weller, The Ed Techie, 25. Oktober 2017

Bildquelle: The Open University (Flickr, CC BY-NC-ND 2.0)

Es gibt keinen Raum namens „Anywhere“ – woran e-learning scheitert.

Oktober 27, 2017 - 20:03

Das funktioniert so nicht, meint Jöran Muuß-Merholz, wenn er an die Freiheit denkt, die das Lernen mit digitalen Medien bietet, die Freiheit von Zeit und Raum, das berühmte „Learning Anywhere Anytime!“ Er plädiert deswegen dafür, zuweilen auch über eine „Verknappung von Zeit“ nachzudenken:

„Ich habe die Erfahrung gemacht: Beim Arrangieren von Lehr-Lern-Settings mit (eigentlich) großer zeitlicher Flexibilität sorgt eine künstliche Verknappung der Zeit für mehr Beteiligung.“

Und er wirbt für eine „Verknappung von Raum“: Denn auch im Zeitalter der Digitalisierung „suchen sich Menschen Orte, die sie für sich zu Lernräumen umdeuten“. Zum Beispiel die Bibliothek, das Cafe, die Bahnfahrt. Was dafür spricht, dem Thema „LernRaum“ (wieder) mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Allerdings: Jöran Muuß-Merholz weist selbst darauf hin, warum das Lernen, auch das Online-Lernen, im Alltag häufig scheitert. Dann nämlich, wenn die Dinge „zwar #wichtig, aber nicht #dringend“ sind. Es geht also gar nicht um eine Beliebigkeit, die unmittelbar mit dem Online-Lernen verbunden ist!
Jöran Muuß-Merholz, Jöran & Konsorten, 26. Oktober 2017

Bildquelle: Laëtitia Buscaylet (Unsplash)

How can Gamification Improve MOOC Student Engagement?

Oktober 27, 2017 - 17:02

Es ist schon oft gesagt und beklagt worden: Man wünscht sich in Online-Kursen gerne mehr aktive Teilnehmer und mehr Teilnehmer, die auch bis zum Ende eines Kurses durchhalten. Das betrifft vor allem MOOCs, die als offene Angebote häufig eine große Zahl an Lernern anziehen, aber auch hohe Abbruchquoten verzeichnen. Könnte Gamification hier eine Lösung sein?

Die Autoren dieser Studie sind davon ausgegangen, dass „student engagement“ ein erfolgskritischer Faktor für den Lernprozess der Teilnehmenden ist. Gamification, so das Konzept, könnte diesen Faktor positiv beeinflussen. Um diese These zu überprüfen, haben die Autoren die Lernerdaten eines Kurses untersucht, der 2014, 2015 und 2016 stattfand („Gratis Online Lernen“ auf der österreichischen MOOC-Plattform iMooX) und dessen letzte Durchführung um ein entsprechendes Gamification-Element erweitert wurde: Wenn die Lernenden sich im Kurs einloggten, wenn sie ein Quiz bearbeiteten oder wenn sie im Diskussionsform aktiv waren, wurde ihnen jede Woche ihr Status angezeigt – in Form einer Batterie und ihres Ladezustands.

Das Ergebnis: Vergleicht man die Quiz-Aktivitäten und die Zahl der Kursabschlüsse (in Relation zu den registrierten Teilnehmern) der letzten drei Jahre, so schneidet der „gamifizierte“ Kurs besser ab. Der Ausblick der Autoren:

„Finally, gamification may carry tremendous potential behind. That is, it ties strongly with student motivation and therefore increases the general completion rate. The big MOOC players like edX, Khan Academy, and Coursera have become aware of the importance of gamification designs and the future will carry new techniques that will verify their impact on the success of MOOCs.“

Mohammad Khalil, Martin Ebner und Wilfried Admiraal, Conference Paper, European Conference on Game Based Learning, Oktober 2017 (via ResearchGate)

5 Methoden, die Wissensarbeiter*innen kennen sollten!

Oktober 27, 2017 - 07:18


Simon Dückert schrieb:

„Ich bin aktuell in einem Working Out Loud Circle und meine Hausaufgabe aus Woche 9 ist, ein Blogbeitrag im Format Listicle zu verfassen und darin einige wertvolle Ressourcen zu listen. Da mein WOL-Ziel mit dem Aufbau eines Methodenpools in einem internen Wiki zu tun hat, stelle ich im folgenden kurz meine Top-5-Methoden für Wissensarbeiter*innen vor und verlinke meine wichtigsten Quellen dazu: …“

Er wirft Getting Things Done (GTD), Memex, Community of Practice, Wissenslandkarte und natürlich Working Out Loud in die Runde. In den Kommentaren gibt es weitere Zurufe. Natürlich gehen dabei Methoden und Tools kreuz und quer. Was mich daran erinnert, wie wenig bis heute über das Thema „Persönliches Wissensmanagement“ geschrieben worden ist. Harold Jarche, das schöne Handbuch von Gabi Reinmann und Martin J. Eppler („Wissenswege“), das aber auch schon 10 Jahre alt ist …
Simon Dückert, Cogneon, 26. Oktober 2017

A Proposal to Put the ‘M’ Back in MOOCs

Oktober 26, 2017 - 20:13

Immer mehr Massive Open Online Courses (MOOCs) werden on demand zur Verfügung gestellt. Der Lerner kann sie jederzeit starten. Die Folge: Immer weniger Lerner nehmen zeitgleich an einem Kurs teil. Die Aktivitäten in den Foren nehmen ab. Dhawal Shah: „… Massive Open Online Courses are no longer as massive.“ Seine Vorschläge, um das Problem zu lösen:

„If providers of these online courses want to make MOOCs massive again, they will need to go back to the characteristics that made them popular in the first place: semi-synchronous, instructor led and sufficiently hyped.“

Klare Starttermine, aktive Lehrende und mehr Aufmerksamkeit, z.B. durch kostenlose Zertifikate. Dadurch, so der Autor, würde sich das gemeinsame Lernen in MOOCs wieder mehr anfühlen wie das gemeinsame Lernen im Klassenzimmer. Aber wer will das denn?
Dhawal Shah, EdSurge, 24. Oktober 2017

Bildquelle: Mace Ojala (Flickr, CC BY-SA 2.0)

What I learned from the ICDE World Conference on Online Learning

Oktober 25, 2017 - 19:15

Tony Bates war in Toronto auf der World Conference on Online Learning und fasst seine Eindrücke zusammen. Er schreibt zum einen „The future is scary“, denn:

„It is clear that post-secondary education will eventually be targeted on a significant scale by global, highly commercial, digital Internet companies, such as Amazon, Alibaba, and Facebook, and by technologies such as big data, massive online courses, and artificial intelligence.“

Diese Entwicklung wird möglicherweise Bildung kostengünstiger und damit für neue Zielgruppen erreichbarer machen, aber die Bildungsvielfalt reduzieren. „….but there is hope, too“, wenn Bildungsinstitutionen die digitale Transformation selbst aktiv gestalten und staatliche Stellen die Entwicklungen des Bildungsmarktes kritisch begleiten.

Und dann noch: „Printed books are still popular“, zumindest, wenn sie von Tony Bates geschrieben und signiert sind.
Tony Bates, e-learning and distant education resources, 23. Oktober 2017

Digital Diploma debuts at MIT

Oktober 24, 2017 - 20:17

111 Studierende haben jetzt am MIT die Möglichkeit, auch eine digitale Version ihres Diploms zu erhalten. Alles, was sie benötigen, ist eine App.

„The app is called Blockcerts Wallet, and it enables students to quickly and easily get a verifiable, tamper-proof version of their diploma that they can share with employers, schools, family, and friends. To ensure the security of the diploma, the pilot utilizes the same blockchain technology that powers the digital currency Bitcoin. It also integrates with MIT’s identity provider, Touchstone. And while digital credentials aren’t new — some schools and businesses are already touting their use of them — the MIT pilot is groundbreaking because it gives students autonomy over their own records.“

Damit besitzen die Studierenden eine verifizierte digitale Fassung ihres Diploms, die sie interessierten Arbeitgebern vorlegen können. Und diese können mit einem Klick die Echtheit dieses Diploms überprüfen, ohne dass das MIT ins Spiel kommt. Wenn ich es richtig verstanden habe. Aber im Artikel ist alles genau und ausführlich beschrieben. Die Beteiligten sind ganz begeistert von den Möglichkeiten.
Elizabeth Durant und Alison Trachy, MIT News, 17. Oktober 2017

Bekannt aber auch verkannt – Trainer-geführtes Lehren und Lernen im virtuellen Klassenraum

Oktober 23, 2017 - 09:44

Unser Bild von Live-Online-Sessions ist durch die täglichen Einladungen, an Themen- oder Produktpräsentationen teilzunehmen, geprägt. Aber auch hier gibt es Varianten. Man darf zudem nicht vergessen, dass einzelne Bildungsanbieter das Instrument nicht nur 45 Minuten, sondern einen ganzen Tag lang einsetzen, um Teilnehmende zu unterrichten. Hinzukommen Konferenzen, die komplett online stattfinden.

Vor diesem Hintergrund hat Christoph Meier seine Erfahrungen mit „Trainer-geführtem Online-Lernen“, wie er es nennt, einmal zusammengetragen. In seinem anschaulichen Beitrag geht er auf verschiedene Interaktionsformen und Möglichkeiten der (parallelen) Gruppenarbeit ein, auf die Bearbeitung von Aufgaben, auf die Anforderungen an Trainer und Moderatoren sowie die Möglichkeiten einzelner Virtual Classroom-Umgebungen wie z.B. Adobe Connect.

„Sowohl bei den leitenden Verantwortlichen als auch bei Trägern bzw. Aufsichtsgremien von Bildungsinstitutionen wie etwa Hochschulen wird häufig davon ausgegangen, dass Trainer-geführtes Lernen in direkter Interaktion die effektivste und wirksamste Form des Lehrens darstellt. Dies schlägt sich beispielsweise darin nieder, dass die Anzahl der Kontaktstunden ein zentrales Prüfkriterium bei der Zulassung von Programmen der Aus- und Weiterbildung ist. Hier stellt sich die Frage, ob die Potenziale von Trainer-geführtem online-Lernen – insbesondere bei anspruchsvolleren methodisch-didaktischen Umsetzungen – ausreichend bekannt sind und berücksichtigt werden.“

Christoph Meier, scil-Blog, 21. Oktober 2017

Mein Wochenausklang: Qualität und Lernerfolg

Oktober 20, 2017 - 22:36

„Wie muss gutes Online-Lernen heute eigentlich aussehen? Also, ein Kurs, der nicht einmal Audio hat, der geht doch gar nicht, oder?“ Diese Frage nach gutem, richtigem, erfolgversprechendem Online-Lernen stand letzte Woche auf einem Seminar im Raum, nicht zum ersten Mal. Um sie geht es auch, wenn man gebeten wird, sich mal kurz einen neuen Kurs anzuschauen und Feedback zu geben. Dabei geht es meist um die Qualität eines Lernangebots, aber natürlich auch um den Lernerfolg, den man sich dadurch verspricht.

Beginnen wir mit der Qualität. Hier sind wir eigentlich ganz gut. Wir haben Prozesse, Standards, Spezifikationen und Styleguides, flankiert von einem bewährten Projektmanagement. Ich sage nur DIN PAS 1032-1/2 …  Wir haben auch Zertifikate, Labels und Awards, obwohl hier die Begeisterung beim Thema Online-Lernen in den letzten Jahren spürbar nachgelassen hat.

Aber schneiden Lernende jetzt bei einem Online-Kurs mit Audio besser ab als bei einem Kurs ohne Audio? Vielleicht, so könnte man meinen, finden sie den Kurs mit Audio attraktiver und sind motivierter? Was dann natürlich gleich auch für Bewegtbilder, also Video, sprechen würde. Wobei mir da die Begegnung mit dem Projektleiter einer Unternehmensberatung einfällt, mit dem ich, es ist einige Jahre her, einmal über Drehbuch und Design eines Kurses diskutiert habe. Irgendwann kürzte mein Gegenüber die Unterhaltung mit dem Hinweis ab: „Wissen Sie, wenn unsere Mitarbeiter von der Hochschule kommen und bei uns anfangen, die sind so motiviert, den könnten wir auch ein PDF geben und bekämen Bestnoten.“ Motivation ist also sicher ein gutes Stichwort, wenn es um erfolgreiche Lernprozesse geht.

Natürlich gibt es auch Studien, die die Didaktik unterschiedlicher Kurse empirisch untersuchen und vergleichen. Gerade die Frage, ob das Lernen mit E-Learning genauso funktioniert wie das Lernen im Seminar, hat ja viele Jahre die Expertenrunden wachgehalten (Stichwort: „The No Significant Difference Phenomenon“). Wobei ich mich da immer frage, was eigentlich gemessen wird. Ist Lernen das korrekte Wiedergeben einiger Vokabeln am nächsten Morgen? Denn spätere Resultate fallen ja in der Regel aus dem Untersuchungsdesign, weil es für sie auch ganz andere Ursachen geben könnte.

Vielleicht kommt da das aktuelle Themenspecial von e-teaching.org zum richtigen Zeitpunkt. Die Überschrift lautet „Was macht Lernen mit digitalen Medien erfolgreich?“

Bildquelle: SurfGuard (Flickr, CC BY-NC-SA 2.0)

Digitalisierung und Kompetenzorientierung in der Weiterbildung

Oktober 20, 2017 - 19:28

Frank Frick spannt in dieser Präsentation das bewährte Band zwischen Digitalisierung und Kompetenzentwicklung, wie wir es von den Autoren und Autorinnen der Bertelsmann Stiftung kennen. Die Botschaft: Die Digitalisierung treibt, aber die Digitalisierung macht es auch möglich, dass zukünftig Kompetenzen genauer analysiert werden, dass Kompetenzen automatisch mit Stellenangeboten abgeglichen werden können und dass Bildungsangebote noch modularer, noch passgenauer und damit individueller werden. Die Digitalisierung als „Treiber und Lösung zugleich“.

Die Slides, präsentiert auf einer Veranstaltung der Volkshochschulen in Thüringen, bringen viele aktuelle Entwicklungen klar auf den Punkt und verbinden sie mit Trends, Zahlen und Beispielen. Alles allerdings in der Sprache der Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik.
Frank Frick, Bertelsmann Stiftung/ Blog „Aus- und Weiterbildung“, 17. Oktober 2017

Selbstgesteuertes Lernen erfordert anderes L&D Geschäftsmodell

Oktober 20, 2017 - 17:46

Learning & Development tut sich schwer mit dem selbstgesteuerten Lernen in Netzwerken, weil es, so Karlheinz Pape, mit liebgewonnenen Routinen bricht, auch was die Budgetierung und die Verrechnung von Zeiten und Leistungen betrifft. Denn hier werden ja die Teilnehmer bzw. Kunden selbst aktiv. Und Bildungsexperten und Trainer moderieren, über einen längeren Zeitraum, auf neuem Terrain und häufig situationsbezogen.

Karlheinz Pape denkt dann noch laut über mögliche Lösungen nach, über zentrale Budgets, über Flatrates und über GEZ-ähnliche Gebühren. Ich glaube, diese Überlegungen setzen zu spät an. Wenn Unternehmen sich über eine Vision vom Lernen und eine Lernstrategie verständigen, die dem selbstgesteuerten Lernen in Netzwerken einen zentralen Platz zuweist, wird sich auch eine Finanzierung bzw. ein Geschäftsmodell finden lassen. Umgekehrt, wenn man immer wieder neu über die Kosten und Verrechnung einzelner Community-Projekte nachdenkt, wird es schwer, tragfähige Antworten zu finden.
Karlheinz Pape, Corporate Learning Community, 19. Oktober 2017

Bildquelle: Hyunwoo Sun (Flickr, CC BY-NC-ND 2.0)

Roboter im Hörsaal. „Er sagt Dinge, die wir Menschen uns nicht erlauben könnten“

Oktober 20, 2017 - 16:54

Ich glaube, mehr mediale Aufmerksamkeit geht nicht. Erst Hessenschau und jetzt Spiegel Online.  Es geht natürlich um die Uni Marburg, um Anglistik-Professor Jürgen Handke und um seinen Roboter „Pepper“. Die Nachricht: „Zum ersten Mal hat ein Roboter an einer deutschen Uni eine Lehrveranstaltung eröffnet.“ Ein kurzes Interview, einige Eindrücke, vielmehr gibt es noch nicht zu berichten. Aber das Projekt H.E.A.R.T. (Humanoid Emotional Assistant Robots in Teaching) hat auch erst im Mai begonnen. „Wir sind noch dabei auszuprobieren und zu evaluieren, was humanoide Roboter für die Lehre bringen können“, sagt Jürgen Handke. Ich bin gespannt.
Heike Klovert, Interview mit Jürgen Handke, Spiegel Online, 19. Oktober 2017

Edu Trends | MENTORING

Oktober 19, 2017 - 12:45

Gibt es eigentlich Informationen darüber, wie es hierzulande dem Thema bzw. dem Konzept Mentoring geht? Gerade im Zusammenhang mit dem Stichwort Medienkompetenz oder Netzkompetenzen höre ich ja immer wieder mal von Unternehmen, die auf Reverse Mentoring setzen und „Alt“ von „Jung“ lernen lassen. Das klassische Mentoring ist dann oft Führungskräfte-Trainings vorbehalten, wo Nachwuchskräften ein erfahrenes Leitungsmitglied an die Seite gestellt wird.

Die Experten des Observatory of Educational Innovation aus Monterrey (Mexiko) sprechen jedenfalls von einem „Boom“, der sie veranlasst hat, diese lesenswerte und ansprechend gestaltete Einführung und Übersicht vorzulegen.

„This edition offers an overview of mentoring as an educational trend, particularly in the field of higher education and entrepreneurship, including the following content:
– A tour of the evolution of mentoring in 10 key moments of history, from classical antiquity to the Digital Era.
– A proposal for the definition of mentoring in contrast to other terms with which it is oen easily confused in academic settings: tutoring, coaching, advising and counselling.
– A range of procedures to evaluate the quality of a mentoring process.
– And more…“

Observatory of Educational Innovation/ Tecnológico de Monterrey, Oktober 2017

Bildquelle: Umschlagbild „Edu Trends | MENTORING“ (pdf)

100+ Ideas And Prompts For Student Blogging

Oktober 19, 2017 - 11:55

Blogs sind vielfältig einsetzbar. Vom persönlichen Tagebuch bis zum Tool, das Lehrende in ihr didaktisches Konzept einbauen. Gerade die ersten drei Kapitel („Types Of Blog Posts“, „Common Formats Of Blog Posts“, „How To Apply Blogging Prompts To The Classroom“) sind eigentlich für jeden interessant, der sich einmal näher mit Blogs als Lerninstrument beschäftigen will. Hinzu kommt, auch wenn es etwas die Idee dieser Einführung und Linksammlung untergräbt: Viele der hier aufgeführten Hinweise müssen nicht zwangsläufig mit Blogs umgesetzt werden. Auch soziale Netzwerke, Communities, Wikis oder Messaging-Dienste bieten ähnliche Spielflächen, wenn es um das öffentliche und gemeinsame Mitteilen, Teilen und Austauschen geht.
Ronnie Burt, Sue Waters und Kathleen Morris, The Edublogger, 9. Oktober 2017

CPT+10: A Bright Future for Open Education

Oktober 18, 2017 - 06:56

„CPT“ steht für die Cape Town Open Education Declaration, die vor zehn Jahren unterzeichnet wurde. Daran erinnern Mark Surman (Mozilla Foundation) und Philipp Schmidt (MIT Media Lab), die dabei waren. Pünktlich zum Jubiläum und zur UNESCO Open Educational Resources Conference in Ljubljana gibt es jetzt CPT+10, „an effort to look back at the work of the last ten years, and point forward, by mapping out ten “action points” that the movement considers important for the next decade of our work“.

Die Autoren heben drei Punkte besonders hervor: „Empowering the Next Generation“, „Thinking Outside the Institution (Box)“ und „Copyright Reform for Education“. Und sie weisen auch darauf hin, dass das Thema OER kein Selbstläufer ist: „There is a lot to be proud of. But we have not made anything near to the progress that we’d dreamed of. Not even close.“
Mark Surman und Philipp Schmidt, MIT Media Lab, 20. September 2017

Bildquelle: opensource.com (Flickr)

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