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Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends
Aktualisiert: vor 1 Stunde 35 Minuten

Mein Wochenausklang: Vom Netzwerk zur Community und zurück

September 29, 2017 - 22:20

Über das Corporate Learning Camp 2017, das Donnerstag und Freitag in Frankfurt stattgefunden hat, wird noch zu berichten sein. Doch ein Stichwort möchte ich gerne an dieser Stelle schon einmal aufgreifen. Denn irgendwie haben mich an beiden Tagen gerade die Sessions über Communities angezogen. Also jene Formen des Austauschs, die nicht so lose und offen sind wie unsere Netzwerke, aber auch nicht so formal und geschlossen wie die Abteilungen und Projektteams am Arbeitsplatz. Communities haben zwar ein „drinnen und draußen“, aber wir beteiligen uns freiwillig und selbstmotiviert. Communities of Practice sind deshalb das, was Organisationen gerne noch viel häufiger in ihren Reihen sehen möchten.

Doch zurück zum Corporate Learning Camp. Dort haben wir zum Beispiel in einer Session die Frage diskutiert, warum Communities im Privaten funktionieren, denken wir nur an Gesundheit, Sport oder Fernsehserien, aber im beruflichen Bereich so schwer auf die Beine zu stellen sind. Eine große Ausnahme ist hier schon fast traditionell der IT-Bereich. Dazu passte auch das Beispiel der E-Learning Heroes Community von Articulate, von dem Nicola Appel erzählte. Hier gab es tolle Hinweise zum Community Management, vom Blog, über Challenges bis Badges, aber wiederum keine Kurzformel, nach der man mal eben so eine Community startet.

Auch die letzte Session auf dem Camp drehte sich dann um die Frage, wie aus den über 200 Teilnehmenden eine Community werden könnte, die sich auch zwischen den Jahresevents austauscht. Schnell fielen die üblichen Fragen: Wer macht’s? (Denn eine/r muss es machen …) Wer trägt die Kosten, wenn es professionell gemanaged werden soll? (Doch wo bleibt dann der Geist der Selbstorganisation?) Wie global, wie lokal soll die Community sein? Welche Community-Plattform passt für alle?

Doch vielleicht ist das der falsche Ansatz. Vielleicht liegt die Stärke des Corporate Learning Camps gerade darin, dass es ein offenes, sich permanent veränderndes Netzwerk ist (Und uns einmal im Jahr zur „Community der Teilnehmenden“ werden lässt …)? Vielleicht ist es auch zu bequem, einfach einer Plattform beizutreten, und es braucht die Anstrengung, sich immer wieder selbst zu vernetzen und auf verschiedenen Spielfeldern aktiv zu sein?

Bildquelle: Sven Lakner

Blog zurück auf OER-Weltkongress

September 29, 2017 - 08:57

Jan Koschorreck war auf dem 2. OER-Weltkongress in Ljubljana und hat eine dreiteilige Zusammenfassung seiner Eindrücke geschrieben. Einige seiner Stichworte: Creative Commons als „Quasi-Standard“ der weltweiten OER-Bewegung; das Spannungsverhältnis zwischen Wirtschaft und Bildung; die Aufholjagd Deutschlands nach der Abwesenheit auf dem OER-Kongress 2012 in Paris; das Dauerproblem Urheberrecht; die Präsentation des „Ljubljana Action Plan“ als Abschlussdokument.

„Anschließend fand der Kongress im Plenum seinen würdigen Abschluss. Qian Tang, stellvertretender Direktor für Bildung der UNESCO, rief die Anwesenden auf, weitere Anstrengungen für das Voranbringen der OER-Bewegung zu unternehmen. Konkret nannte er den Aufbau von Repositorien, eine stärkere Zusammenarbeit der Mitgliedsstaaten und den Abbau von Hürden für die Öffnung von Bildungsressourcen. Er betonte außerdem die Notwendigkeit von Anpassungen in den nationalen Bildungssystemen hin zu mehr Offenheit und die Dringlichkeit von Forschungsaktivitäten in Bezug auf alle Aspekte von Offenen Bildungsressourcen.“

Jan Koschorreck, wb-web, 28. September 2017

Was man tun muss, damit Corporate MOOCs nicht scheitern!

September 28, 2017 - 21:05

Joachim Niemeier hat auf dem Know How! – Bildungskongress über den Corporate Learning 2025 MOOCathon (#cl2025) berichtet und ist erst einmal auf fragende Gesichter gestoßen. Zum Beispiel, weil man MOOCs mit den üblichen Lernangeboten gleichsetzt, die von anderen für einen organisiert werden und deshalb an den persönlichen Bedürfnissen und Interessen vorbeigehen; oder dass MOOCs als freiwillige Lernangebote ja nicht funktionieren können, weil das Tagesgeschäft immer das letzte Wort hat.

Doch gerade mit dem #cl2025 haben wir ja versucht, andere Schwerpunkte zu setzen: indem zum Beispiel dem selbstorganisierten Lernen (Joachim Niemeier spricht hier vom „agilen Lernen“) viel Platz eingeräumt wurde; oder indem immer wieder Anknüpfungspunkte für die Vernetzung der Teilnehmer*innen – auch über den MOOCathon hinaus – geschaffen wurden; und schließlich, indem wir am Ende im Hackathon gemeinsam ein „Ergebnis“ entwickelt haben.

Vor diesem Hintergrund sind die Lessons Learned zu lesen, die Joachim Niemeier festgehalten hat:

“ – Die konkreten Inhalte wurden nicht Top-down vom Kernteam vorgegeben, sondern von den einzelnen gastgebenden Unternehmen eingebracht. Die Inhalte des #cl2025 entstanden sozusagen aus der Mitte der Teilnehmenden.
– Der #cl2025 MOOC lebte stark von den Beiträgen aller Teilnehmenden. Die Teilnehmenden erarbeiten aktiv und gemeinsam Wissen. Dies erfordert eine Art „Community Manager”, welche die Teilnehmenden dazu anregt, Themen gemeinsam zu diskutieren und Probleme in Zusammenarbeit mit anderen zu lösen.
– Die Barrieren zum Mitmachen waren niedrig. Da es beispielsweise keine aufwendig produzierten Videos gab, musste auch niemand Scheu haben, ein selbst gedrehtes Smartphone-Video mit den anderen Teilnehmenden zu teilen.
– Der #cl2025 MOOC war immer offen für Exploratives und Unvorhergesehenes. Das ist etwas, was sich im Unternehmenskontext eine Herausforderung darstellt. Traut man sich das in den Unternehmen?“

Joachim Niemeier, Corporate Learning Community, 27. September 2017

Bildquelle: Startseite Corporate Learning Community

„Alle Spiele sind ernsthaft“

September 28, 2017 - 07:23

Was habe ich aus diesem Interview mit Linda Breitlauch, Professorin für Intermedia Design an der Hochschule Trier, mitgenommen? Folgender Punkt: Spielekonzepte sind ja in der Erwachsenen- und Weiterbildung nichts Neues. Nur beim Übergang in die Online-Welt (Serious Games, Gamification) gibt es einen Bruch. Nur wenige Pädagog*innen wissen, wie und was online gespielt wird, und so schaffen es auch nur wenige Spiele und Spielkonzepte aus der digitalen Welt in die Weiterbildung.

„Manchmal hilft es tatsächlich auch, fertige Produkte zu nehmen und sie einfach im Kontext der Weiterbildung einzusetzen. Ich nehme jetzt mal als Beispiel Minecraft. Minecraft ist ein Spiel, das wirklich ausschließlich als Unterhaltungsspiel konzipiert und entwickelt worden ist, weltweit unglaublich erfolgreich war und dann von Lehrern entdeckt wurde und in Schulen eingesetzt wird, zum Beispiel für Erdkunde-Unterricht. Solche Ansätze kann man auch mit anderen Spielen verfolgen, die es bereits gibt.

Man widmet sie quasi um, dafür muss man dann nichts Neues herstellen. Deswegen muss man sich einfach mal anschauen, was es an Spielen eigentlich gibt und in welchen Kontexten man sie einsetzen kann. Da muss man zugeben, dass es noch relativ wenig Fachexperten gibt, die sowas bewerten können, weil sie wissen müssen, welche didaktischen Modelle in der Weiterbildung funktionieren und auf der anderen Seite müssen sie auch alle Spiele kennen.“

Anonsten: Wie immer, wenn über Spiele geredet wird, werden viele interessante Beispiele genannt. Ob Serious Games allerdings noch als Trend durchgehen? Die Frage nach der Wirksamkeit und Nachhaltigkeit von Spielen ist dagegen eine, mit der man sich im Gespräch gegenseitig nur quälen kann. Und der abschließende Hinweis auf die überall integrierten Schrittzähler zeigt, wo uns Gamification heute schon überall ganz selbstverständlich begegnet.
Angelika Gundermann, Interview mit Linda Breitlauch, wb-web, 12. September 2017

Bildquelle: Andrew Robles (Unsplash)

Empowering Young Minds Everywhere: Five Teams Advance To Final Round Of $15M Global Learning XPRIZE

September 27, 2017 - 12:32

15 Millionen Dollar sind insgesamt ausgelobt. 1 Millionen hat jeder der fünf Finalisten bereits sicher. Die Hürde, die sie nehmen mussten: „… software solutions to enable children to teach themselves basic reading, writing and arithmetic.“ Jetzt sollen die Lösungen 15 Monate lang in Tansania getestet werden. Viele sind dabei: die UNESCO, das World Food Programme (WFP), das Government of Tanzania und Google, das 8.000 Pixel C-Tablets spendiert. Der Sieger („… whose solution enables the greatest proficiency gains in reading, writing and arithmetic“) erhält am Ende die verbleibenden 10 Millionen Dollar. Open Source/ Open Content sind Kriterien, die die Wettbewerber erfüllen müssen. Und was sich in Tansania bewährt … Das Projekt erinnert mich irgendwie an One Laptop per Child.

„- CCI (New York, United States) is developing structured and sequential instructional programs, in addition to a platform seeking to enable non-coders to develop engaging learning content in any language or subject area.
Chimple (Bangalore, India) is developing a learning platform aimed at enabling children to learn reading, writing and mathematics on a tablet through more than 60 explorative games and 70 different stories.
Kitkit School (Berkeley, United States) is developing a learning program with a game-based core and flexible learning architecture aimed at helping children independently learn, irrespective of their knowledge, skill, and environment.
onebillion (UK/Malawi/Tanzania) is merging numeracy content with new literacy material to offer directed learning and creative activities alongside continuous monitoring to respond to different children’s needs.
RoboTutor (Pittsburgh, United States) is leveraging Carnegie Mellon’s research in reading and math tutors, speech recognition and synthesis, machine learning, educational data mining, cognitive psychology, and human-computer interaction.“

Global Learning XPRIZE, Press Release, 18. September 2017

#tbar: Wie bei einem Telekom BarCamp Mitarbeiter zu Managern werden

September 27, 2017 - 11:02

BarCamps bei der Telekom gibt es schon lange. Länger als das Corporate Learning Camp, das morgen in Frankfurt mit der siebten Auflage startet. „Corporate Blogger“ Björn Burghard stellt hier das Format noch einmal vor. Seine Überschriften lauten: „Wie funktioniert ein Business BarCamp?“, „Kontrollierter Kontrollverlust: Die Inhalte kommen von den Teilnehmern, nicht von den Organisatoren“ und „Das Unternehmens- BarCamp als Lernort für die Arbeitswelt der Zukunft“. Hierzu schreibt er:

„Das Format BarCamp dient ganz automatisch auf verschiedenen Ebenen als Ort für Lernerfahrungen. Im Vordergrund steht natürlich die fachliche Auseinandersetzung mit den Inhalten der Sessions. Darüber hinaus können aber weitere Fähigkeiten eingeübt werden, die relevant für die Arbeitswelt der Zukunft sind. Wenn ich ein Unternehmen vor Augen habe, in dem Teams in flachen Hierarchien mit viel Eigenverantwortung agieren, fallen mir beispielsweise folgende hilfreiche Skills ein: …“

Und er zählt auf: „Ownership für das eigene Thema übernehmen“, „Entscheidungen fällen“, „Verantwortung tragen“. Am 26. September 2017 hat übrigens das 14. Telekom BarCamp stattgefunden. Eindrücke auf Twitter gibt es unter #tbar. Eine willkommene Einstimmung auf den #clc17!
Björn Burghard, Blog. Telekom, 22. September 2017

Bildquelle: Tweet von Philipp Schindera (@schindera)

Innovation in education: A glossary

September 26, 2017 - 15:17

Nützlich! Fast 50 Begriffe werden kurz und knapp vorgestellt, aufgeteilt in „trends in pedagogy“ und „trends in educational technology“ (mit fließenden Übergängen). Und ich habe kaum etwas vermisst von dem, was heute in Trendberichten behandelt wird. Die Autoren schreiben: „OER, VR, IoT, CBE… This glossary of educational innovation seeks to be a guide for teachers who want to keep up with emerging trends (and buzzwords) in pedagogy and educational technology.“ Hier eine Kostprobe:

„Badges and Microcredits
Badges are a mechanism for granting a certification to students for informal learning in the form of microcredits. Students can gather, organize and publish them to demonstrate their skills and achievements, in different websites, such as social networks, professional networks, and virtual communities, among others.“

Observatory of Educational Innovation/ Tecnológico de Monterrey, 26. September 2017

Bildquelle: Dan Taylor-Watt (Flickr, CC BY 2.0)

The Pedagogic Architecture of MOOC: A Research Project on Educational Courses in Spanish

September 26, 2017 - 13:01

Aus den Forschungslaboren: Die Autor*innen haben sich einmal systematisch die MOOCs angeschaut, die 2015/16 zu pädagogischen Themen auf Spanisch erschienen sind. 36 Kurse auf fünf Plattformen haben sie gefunden und ihr Konzept, ihren Aufbau sowie die eingesetzten Medien und Tools betrachtet. Natürlich haben auch sie viele vertraute Elemente wiedergefunden, die man heute gemeinhin mit dem Label „xMOOC“ verbindet, „… such as the widespread use of traditional methodology based on video lessons (the “talking head” model). Communication tools are clearly underused and evaluation based on the use of questionnaires is dominant“. Aber von Kurs zu Kurs berichten sie im Detail auch wieder von vielen Unterschieden und Varianten.

Abschließend lassen die Autor*innen keine Zweifel aufkommen, dass sie das Potenzial dieses Lernformats in konnektivistischen Ansätzen sehen. Dahin gehen auch ihre Empfehlungen, was zukünftige Studien und die Weiterentwicklung von MOOCs betreffen:

„Although in all of the courses traditional methodology predominates, it paves the way for more active methodologies, aimed at the creation of learning communities that strengthen learning feedback between the individual and the network. It is important to seek remixing and learning through the organisation of tasks that require more applied work and the organisation of authentic exchanges of ideas and experiences through the different communication tools available on the platforms that host the courses and also those available externally. As some studies have suggested, it is essential that beyond the possibility of connecting to a greater number of people we seek and design strategies aimed at promoting interaction between participants in these types of experiences.“

Elia Fernández-Díaz, Carlos Rodríguez-Hoyos und Adelina Calvo Salvador, The International Review of Research in Open and Distributed Learning (IRRODL), Vol 18, No 6 (2017)

Mathe büffeln am PC. Wie beeinflussen die Medien das Lernen?

September 25, 2017 - 18:35

Bitte einmal in diese Folge der Reihe „SWR2 Wissen: Aula“ reinhören. In ihr schildert Hans W. Giessen, Informationswissenschaftler an der Universität des Saarlandes, was wir heute über das mediengestützte Lernen wissen. Dabei arbeitet er sich an einer Aussage des US-amerikanischen Psychologen Richard Clark ab, der 1983 behauptet hatte, „dass das Medium, mit dessen Hilfe Lerninhalte vermittelt werden, vermutlich keinen Einfluss auf das Lernen selbst habe“. Eine Steilvorlage für den Autor, der in der Folge viele einzelne Studien zitiert und ein differenzierteres Bild entwirft: je nach Lernertyp, nach Mediencharakteristika, nach investierter Zeit und nach Thema kann das Pendel in die eine oder andere Richtung ausschlagen, werden Lernende unterstützt oder eben nicht.

Vorneweg: So richtig packen kann mich die Bildungsempirie auch hier nicht. Denn bei jeder Studie und bei jedem Befund, der angeführt wird, möchte ich wissen, was die Projektleiter eigentlich unter „Lernen“ verstehen, wie groß und ausgewählt ihre Zielgruppe war, was eigentlich untersucht wurde, usw. Hinzu kommt, dass schon die zentrale Fragestellung der Sendung impliziert, dass es heute immer noch ein Lernen mit und ein Lernen ohne Medien gibt. Dass aber unser Alltag, unser Lernalltag, in weiten Teilen bereits digitalisiert und medialisiert ist, bevor Pädagogen sich an ihre Konzepte setzen, geht in dieser Sendung etwas unter.

Aber das alles mal beiseite. Wenn man sich die 30 Minuten anhört, wird man nämlich schnell merken, dass hier Form und Inhalt nicht zusammenpassen. Studien zu zitieren, Namen von Autoren aufzuzählen und Ergebnisse wiederzugeben, bei denen auch die Nebensätze wichtig sind, schöpfen die Möglichkeiten des Mediums Radio (oder Podcast) nicht aus. Spannender wäre es vielleicht gewesen, dass Thema in einem Dialog aufzunehmen und vielleicht auch den einen oder anderen empirischen Befund kritisch zu hinterfragen.
Hans W. Giessen, SWR2 Wissen/ Aula, 24. September 2017

Mein Wochenausklang: Köln, Pepper & Tobi

September 22, 2017 - 21:44

Eine nervende Erkältung und zwei Reisen haben dazu geführt, dass es diese Woche weniger Beiträge und Kommentare als sonst gibt. Apropos Reisen: Eine hat mich am Mittwoch nach Köln auf die Zukunft Personal geführt. Dort hatte ich wieder versprochen, in der Blogger Lounge aufzutreten und etwas über den Corporate Learning 2025 MOOCathon zu erzählen. Geliefert habe ich, aber der Lärmpegel der Lounge inmitten der Messehalle war beachtlich und die Resonanz auch sehr überschaubar. Ich glaube nicht, dass ich mir das im nächsten Jahr noch einmal antun werde.

Ich habe natürlich vor Ort die Gelegenheit genutzt, um mich auch auf dem Trendforum Corporate Learning & Working umzuschauen. Als ich dort ankam, stieß ich gleich auf Jürgen Handke, der sich mit seinem Roboter „Pepper“ bereits warmlief. Überhaupt stand die ganze Sektion des Trendforums am Dienstag im Zeichen von Künstlicher Intelligenz und Robotern in der Bildung. Allerdings blieben auch hier die meisten Stühle leer. Ich vermute ja, dass Interessierte KI und Bots vorrangig in den Bereichen HR Services, HR Recruiting & Consulting und HR Software & Hardware gesucht haben. Wenn überhaupt. Wie es bei Jürgen Handke später aussah, habe ich leider nicht mehr mitbekommen, da sich unsere Auftritte überschnitten. Aber er hat mir noch zugerufen, dass er das Thema bereits in einen MOOC übersetzt hat, der am 15. Oktober beginnt („Humanoide Roboter in der Bildung“)!

Und dann habe ich noch mit einem Auge gesehen, dass in Köln auch ein EdTech-Unternehmen ausgezeichnet wurde. everskill aus München gewann nämlich den HR Innovation Award in der Kategorie „Training & Learning“. Was bietet everskill? Nun, in der FAZ („Apps, Bots und Algorithmen“) ist zu lesen: „So führte das Start-up „Everskill“ den Bot „Tobi“ vor, der Mitarbeiter sechs Wochen lang an die Inhalte ihrer letzten Schulung erinnern kann. Nach einem Training für besseres Arbeitsplatzmanagement sagt Tobi zum Beispiel täglich Bescheid, dass man sich vorgenommen hatte, die E-Mails besser zu sortieren. Er kann zu diesem Zweck eine kurze Erinnerung aufs Smartphone schicken oder den Mitarbeiter anrufen.“ Spontan hätte ich diese Funktion ja mit einer Lernplattform in Zusammenhang gebracht, aber vielleicht ist das schon ein Zeichen meiner Betriebsblindheit.

Nächste Woche wartet dann das Corporate Learning Camp in Frankfurt. Sicher eine gute Gelegenheit, um diese Themen weiter zu diskutieren.

Bildquelle: Thomas Wolf, www.foto-tw.de, CC BY-SA 3.0 de (Wikipedia)

Open Educational Resources: Global Report 2017

September 21, 2017 - 12:23

Der Herausgeber, „Commonwealth of Learning (COL)“, nennt den Report gleich einen „milestone in the history of the OER movement“. Der Deutsche Bildungsserver schreibt etwas nüchterner:

„Der „Open Educational Resources: Global Report 2017″ ist eine Publikation des Commonwealth of Learning (COL) und gibt einen Überblick über den derzeitigen Stand der Entwicklungen zu OER weltweit. Der Report wurde während des 2nd World OER Congress am 18.09.2017 veröffentlicht und ist das Ergebnis von zwei weltweiten Surveys und sechs regionalen Konsultationen, die durch den COL in Zusammenarbeit mit der UNESCO, der slowenischen Regierung und mit Unterstützung der Hewlett Foundation organisiert wurden. Der Report steht in englischer Sprache frei im Internet zur Verfügung. (PDF-Dokument, 92 Seiten, 2017)“

Neben den Untersuchungsergebnissen enthält der Report auch nützliche Hinweise zur Definition von OER sowie einzelnen Etappen der OER-Bewegung.
Commonwealth of Learning (COL), September 2017

Bildquelle: Ljubljana, Tagungsort des 2. World Open Educational Resources (OER) Congress;
Tiia Monto (Wikipedia, CC BY-SA 3.0)

How Generations X, Y, and Z May Change the Academic Workplace

September 20, 2017 - 11:31

Das Thema ist übertragbar: Wir haben die Silent Generation, Baby Boomers, Generation X, Millennials und Generation Z, die heute nebeneinander in Unternehmen und Organisationen arbeiten und sich in wesentlichen Routinen und Bedürfnissen voneinander unterscheiden, nicht zuletzt durch ihre unterschiedlichen Erfahrungen mit neuen Technologien. Die Autorin macht die Unterschiede zwischen den Generationen und mit Blick auf die Hochschulen an vier Punkten fest: „smartphone use“, „teaching styles“, „the value of college“ und „faculty culture“ und gibt etwas praktische Lebenshilfe. Übertragen auf Corporate Learning wären das: unterschiedliche Anforderungen an den Zugang zu Lernangeboten, an Lehr- und Lernformate und an die Unternehmens- und Lernkultur.
Sarah Brown, The Chronicle of Higher Education, 17. September 2017 (Registrierung erforderlich)

Hamburg gestaltet Zukunft der digitalen Hochschullehre

September 19, 2017 - 15:32

Ich habe immer noch keine Ahnung, wie man das Akronym HOOU ausspricht. Am besten gar nicht, sondern brav von „Hamburg Open Online University“ sprechen. Die ist nämlich heute, knapp drei Jahre nach der Grundsteinlegung, als „öffentlicher Prototyp“ gestartet. In der Pressemitteilung des Hamburger Senats heißt es einleitend:

„Das digitale Kooperationsprojekt Hamburg Open Online University (HOOU) aller staatlichen Hamburger Hochschulen und des UKE geht heute (19. September 2017) mit einer ersten prototypischen Version ans Netz. Die Kernidee der HOOU ist, dass die Hamburger Hochschulen auf einer gemeinsamen Plattform innovative digitale Lernformate entwickeln, die Studierenden und interessierter Öffentlichkeit gleichermaßen zur Verfügung stehen.“

Der Senat, heißt es, unterstützt die HOOU auch in ihrer weiteren Projektphase von 2017 bis Ende 2018 mit rund 8,86 Millionen Euro (nach 3,7 Millionen Euro für 2015/2016). Da sich das Angebot auch an „Interessierte außerhalb der Hochschulen“ richtet, werde ich in den nächsten Tagen mal schauen, ob das „Nicht-Hamburger“ einschließt.
Freie und Hansestadt Hamburg, Pressestelle, 19. September 2017

„Digitale Kompetenzen – Kompetenzentwicklung digital“ – Rückblick auf den 4. scil Trend- & Community Day 2017

September 19, 2017 - 14:43

Christoph Meier berichtet ausführlich vom 4. scil Trend- und Community Day, der letzte Woche im Würth Haus in Rorschach stattgefunden hat (ich hätte also meinen Radausflug nur ein paar Tage verlängern müssen …). Natürlich stand die digitale Transformation und ihre Bedeutung für L&D auch hier über allen Themen und Projekten. Die Hausaufgabe, die man diesem Protokoll ablesen kann: Technologisch auf dem Laufenden bleiben, aber Bildung als Management-Aufgabe nicht aus den Augen verlieren.

Hier eine Auswahl der Stichworte, die in diesem Bericht fallen: digitale Kompetenzen, Learning Apps, Content Curation, MOOCs, Adaptive Learning, Working Out Loud, KI und Teaching Bots. Und viele Links … Sabine Seufert (scil) hat ihren Vortrag, „Personal- und Persönlichkeitsentwicklung in einer digitalen Welt?“, in einem separaten Beitrag veröffentlicht.
Christoph Meier, scil-Blog, 19. September 2017

Who’s building the infrastructure for lifelong learning?

September 18, 2017 - 19:34

Wenn ich es richtig verstanden habe, steht „infrastructure“ hier für so etwas wie eine „konzertierte Aktion“, ein „society-wide commitment“. Das, so die Autorin, Professorin an der London Business School, ist dringend notwendig, um den komplexen Anforderungen eines dynamisch sich verändernden Arbeitsmarktes zu begegnen:

„Part of the challenge of building anticipation and enabling people to engage in lifelong learning is that this is not a single point of intervention. Of course, fundamentally it is the responsibility of each individual to act on the emerging reality that continuous learning is crucial to a productive life. But anticipating jobs and providing access to lifelong learning demands a complex system involving multiple stakeholders:

educators that extend the reach of their programs from being front-ended on teenagers and 20-somethings to delivering educational options to students of all ages; governments that commit to helping citizens understand future job markets and the skills they will require, and that realign tax and financial incentives; and corporations that create work environments that support education and enable employees to engage in extended periods of training.“

Es folgen kurze Hinweise auf erste Piloten: Bildungsanbieter (edX, Coursera, Khan Academy, LinkedIn Learning), Staaten (Frankreich, Dänemark, Singapur), Unternehmen (AT&T, Westpac). Dann der Hinweis auf das Buch der Autorin …
Lynda Gratton, MIT Sloan Management Review, 8. September 2017

Mein Wochenausklang: Die Netzwerke unserer Mitarbeiter*innen

September 15, 2017 - 21:26

„Was machen wir eigentlich mit den Wissensnetzwerken unserer Mitarbeiter*innen? Sind diese Netzwerke unter den Bildung 4.0-Bedingungen nicht auch unser Aufgabengebiet als Personaler*innen?“ Diese Frage stellte mir vor einigen Tagen eine Konferenzteilnehmerin. Und sie setzte damit Fantasie frei, bei mir und bei anderen Teilnehmer*innen, denn das Thema tauchte im Laufe des Tages immer wieder in kleinen Runden auf. Meine Assoziationen: Natürlich sind diese Netzwerke, in denen wir alle stecken, da, und sie werden auch in der Bildungs-Community diskutiert. So hat zum Beispiel Harold Jarche ein Lernmodell entwickelt, das unterschiedliche Arbeits-, Austausch- und Lernprozesse an „Work Teams“, „Communities of Practice“ und „Social Networks“ festmacht („implementing network learning“).

Aus der Perspektive des Mitarbeiters sind Netzwerke etwas, das er im Rahmen seines persönlichen Wissensmanagements pflegt und die auf seine „social reputation“ einzahlen (Wer zählt eigentlich noch Follower? Wer nutzt eigentlich noch „Klout“?). Moderne Lernplattformen und Enterprise Social Networks knüpfen hier an. Aus der Perspektive des Unternehmens könnte man sich an bestehenden Wissensbilanzen orientieren, nach dem Beziehungskapital fragen und möglicherweise bei den Netzwerken landen, in denen man durch seine Mitarbeiter*innen vertreten ist.

Die Frage nach den Netzwerken könnte also ein gezielter Schritt sein, um sich einen Überblick über die „Welt da draußen“ zu verschaffen und zu überlegen, wie man diese Aktivitäten unterstützen und fördern kann. Vielleicht macht es sogar Sinn, diese Netzwerke einmal zu dokumentieren und gezielt in zukünftige Arbeits- und Lernprozesse einzubinden? Die nächsten Stichworte liegen dann schon auf der Hand: Working Out Loud, Learning Out Loud.

Bildquelle: Slava Bowman (Unsplash)

Marketing für betriebliche Bildung? Was L&D Profis von Marketing-Profis lernen können

September 15, 2017 - 18:49

Bildung und Marketing sind zwei Dinge, die nicht automatisch zusammenfinden. Vor allem, wenn es um das innerbetriebliche Lernen geht. Doch wenn man Mitarbeiter motivieren will, sich für eine Sache zu begeistern, dann ist man schon mit einem Bein im Marketing: Wie weckt man ihre Aufmerksamkeit? Wie spricht man sie richtig an? Wie begleitet man sie?

Christoph Meier hat wieder an einem Online-Summit der eLearning Guild teilgenommen und einige Stichworte und Beispiele zum Thema zusammengefasst. Hier eine Auswahl seiner 12 Überschriften bzw. Absätze:
1) Lernaktivitäten als Kundenreise verstehen
2) Emotionen ansprechen
8) Die Zielgruppen gut kennen und verstehen
12) In Kampagnen denken
Christoph Meier, scil-Blog, 31. August 2017

Gute Lösungen finden und teilen mit Entwurfsmustern

September 15, 2017 - 15:13

In einem aktuellen Gastbeitrag auf dem Blog des Hochschulforums Digitalisierung darf Christian Kohls, inzwischen bei der TH Köln angekommen, für Entwurfsmuster bzw. Patterns werben. Man kann diesen Beitrag auf zweierlei Weise lesen und nutzen: Man kann sich in das Prinzip der Entwurfsmuster einführen lassen, ist damit aber schon mit mehr als einem Bein in allen Fragen, die mit Taxonomien, mit der sinnvollen Systematisierung, Klassifizierung und Dokumentation von Szenarien, Methoden und Konzepten zusammenhängen. Oder man schiebt den Überbau vorsichtig beiseite, kümmert sich nicht darum, wo ein Good Practice aufhört und ein Entwurfsmuster bzw. Pattern anfängt, und nutzt einfach die verlinkten Ressourcen: zum Beispiel die Sammlung von Entwurfsmustern (Lehrszenarien) auf e-teaching.org oder der Uni Hamburg. Ganz praktisch.
Christian Kohls, Hochschulforum Digitalisierung/ Blog, 14. September 2017

Bildquelle: Karly Santiago (Unsplash)

Strukturdaten Distance Learning/ Distance Education 2017

September 15, 2017 - 09:12

Nur eine protokollarische Notiz: Seit 1984 werden jährlich Daten zum Fernunterricht (jetzt: Distance Learning/ Distance Education) erhoben. Diese Anbieterstatistik stand und steht traditionell etwas „quer“ zu neuen, offenen Lernformen im Netz. Fernunterricht ist halt hierzulande im Fernunterrichtsgesetz von 1977 „zum Schutz der Teilnehmer“ geregelt. Jetzt hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) die methodischen Grundlagen dieser Statistik einer Revision unterzogen. Die Begründung liest sich wie folgt:

„Im Zuge der Digitalisierung verliert die frühere eindeutige Abgrenzung zwischen Bildungsan­geboten in Form von Präsenzseminaren einerseits und (dem per se medienbasierten) Fernunter­richt andererseits jedoch an Bedeutung: So ist die didaktische Konzeption von Bildungsangebo­ten in Form von „Blended Learning“, also in Form eines sequenzierten Lernarrangements mit Präsenz- und medienbasierten Selbstlernphasen, inzwischen weit verbreitet. Von „Fernunter­richt“ abgrenzen lassen sich diese Angebote häufig nur noch anhand der gesetzlichen Definition des Fernunterrichts, gemäß der die Vermittlung der Lerninhalte über Distanz entweder „aus­schließlich“ oder „überwiegend“ (d. h. zu mindestens 51 %) zu erfolgen hat.“

Wie bei Kategorien wie „Weiterbildung“ oder „E-Learning“ darf man auch hier nicht von der Bedeutung des Begriffs ausgehen und einen statistischen Überblick über das jeweilige Feld erwarten, sondern muss genau lesen, was solche Datensammlungen eigentlich erfassen und was nicht. Ein MOOC fällt zum Beispiel nicht zwangsläufig unter Distance Learning/ Education …
Angela Fogolin, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), September 2017 (pdf)

5 Rules for Successful Microlearning

September 14, 2017 - 15:59

Natürlich kann man unseren acht-wöchigen CL2025 MOOCathon auch mit der Microlearning-Brille betrachten. Bildeten nicht tägliche, kurze Fragen und Aufgaben das Herzstück dieses Lernprozesses? Aber es kam noch etwas dazu: Die täglichen Fragen und Aufgaben sollten keine Themen und Inhalte vermitteln, und sie richteten sich gleichzeitig an über 1.000 Lernende. Diskussion und Erfahrungsaustausch inbegriffen. Spätestens an diesem Punkt zeigt sich, warum Microlearning zwar die kontinuierliche Auseinandersetzung mit einem Thema unterstützen und, im günstigen Fall, neue Lernroutinen verankern kann. Gleichzeitig fußt Microlearning noch auf den traditionellen Vorstellungen vom Lehren und Lernen, von Rollen und Verantwortlichkeiten.

Auch die fünf Regeln, die Alex Khurgin präsentiert, weisen in die richtige Richtung und geben wichtige Hinweise zum Design von Microlearning, ohne jedoch das Potenzial des kollaborativen Lernens anzutasten:

„#1. Align Microlearning Around Moments of Need …
#2. Design for Micro-Behaviors …
#3. Start Microlearning Experiences With an Emotional Hook …
#4. End Microlearning Experiences With a Call-to-Action …
#5. Surround Live Events With Microlearning …“
Alex Khurgin, ATD/ Learning Technologies Blog, 13. September 2017

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