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Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends
Aktualisiert: vor 1 Stunde 19 Minuten

Managers Can Support – Not Create – Social Learning Communities

November 20, 2017 - 10:57

Eigentlich steht schon alles im Titel des Beitrags. Aber da Communities auf vielen Wunschlisten stehen, sei es hier noch einmal festgehalten. Manager können Rahmenbedingungen schaffen, unterstützen, aber sie sollten Mitarbeitende nicht verpflichten, einer Community beizutreten. Denn Freiwilligkeit ist ein zentrales Element von Communities (denn sonst sprechen wir über Teams, Arbeitsgruppen oder Projekte). Doch was zeichnet eine Community eigentlich aus? Eine Idee, geteilte Werte, Vertrauen und die Bereitschaft der Mitglieder, ihre Erfahrungen zu teilen, werden erwähnt.

Das klingt alles wiederum sehr klar und einfach. Aber die häufige Suche nach wirklich „funktionierenden“ Communities – und „Funktionieren“ meint hier vor allem das, was zwischen zwei regelmäßigen Treffen passiert – zeigt, dass das Stichwort viel Diskussionsstoff bietet. Der Artikel spricht beispielsweise das Phänomen der „Lurker“, also der nur beobachtenden Teilnehmer, an.
Pamela Hogle, Learning Solutions Magazine, 16. November 2017

Mein Wochenausklang: Ein Werkzeugkasten für 2018

November 17, 2017 - 22:33

Jane Hart stellt ja einmal im Jahr diese schöne und inspirierende Liste der Top 100 Tools for Learning zusammen. Daraus entwickelt sie in den folgenden Monaten oft eine Reihe von Lesehilfen und Ableitungen wie jetzt zum Beispiel den „Modern Professional Learner’s Toolkit 2018“. Also ein Werkzeugkasten für die modernen Wissensarbeiter und Wissensarbeiterinnen. Ich habe jetzt mal die Vorlage genommen und meine eigenen Favoriten (und einige Lücken) festgehalten:

Browser & Search Engine: Ich nutze eigentlich nur und konsequent Firefox. Andere wechseln da häufiger  je nach Situation und Kontext zwischen verschiedenen Suchmaschinen …

Trusted Web Resources: An anderer Stelle habe ich mich ja schon einmal als News-Junkie geoutet. Die New York Times mit diversen Newslettern und Podcasts steht ganz oben auf meiner Liste. Dann die Süddeutsche, die ich gleich digital abonniert habe. Auf beide Quellen würde ich ungern verzichten. Dann der Rest.

News and Curation Tools: Auch wenn alle Welt Feedly nutzt, landen RSS Feeds bei mir in Outlook. Bookmarks werden in Diigo festgehalten und innerhalb von sieben Tagen gelesen oder gelöscht. Hinzu kommen noch unzählige Newsletter, die ich abonniert habe.

Web Course Platforms: Ich muss zugeben, dass ich zwar die Newsletter vieler Kurs-/ MOOC-Plattformen abonniert habe, von Coursera bis FutureLearn, mich auch immer wieder mal für Kurse anmelde, aber ihr wisst, wie der Satz weitergeht …

Social Networks: Twitter steht ganz oben. Dann verlinke ich Nachrichten und Blogbeiträge noch systematisch mit Facebook und Xing und unsystematisch mit LinkedIn. Unsere Corporate Learning Community nutzt Yammer, meine Familie WhatsApp. Projektweise kommt Telegram dazu. Auf Slack ist es gerade ruhiger geworden. Kurz: Die Welt ist und bleibt bunt.

Personal Information System: Eine schwierige Kategorie mit vielen Überlappungen. Hier gehört sicher mein Blog hin, auch Outlook, wo ich viele Notizen mit Kalendereinträgen, Aufgaben und Emails verbinde, und schließlich schätze ich die Notizbücher von Leuchtturm1917, die ich immer mit mir trage. Nachdem Versuche mit Evernote gescheitert sind, steht OneNote noch auf meiner ToDo-Liste.

Blogging or Website Tool: Okay, das ist und bleibt WordPress, das ich gerade auf den neuesten Stand gebracht habe.

Productivity Tools and Apps: Das ist sehr kontextbezogen. Von Google Maps, Dropbox, IrfanView bis … Tendenziell ist Outlook mein Hub, weil ich es seit Jahren, auch im Austausch mit Kunden und Unternehmen, gewöhnt bin. Und ich tendiere zu Desktop-Anwendungen und weniger zu Apps.

Preferred Office Suite: Ich nutze seit einigen Monaten Office 365 und bin eigentlich, bis auf einige Synchronisierungswege zwischen Desktop und Smartphone, ganz zufrieden damit.

Communication & Collaboration: Eine Mischung aus klassischen Werkzeugen wie Outlook (Email) und Skype; dann Google Docs, Dropbox, Etherpads, wenn es um die Zusammenarbeit und den Austausch in Teams und Projekten geht; und schließlich die sozialen Netzwerke, wenn es offen und informeller wird. Auf meiner Aufgabenliste stehen noch Web Conferencing-Tools, die ich bisher nur als Teilnehmer, aber selten als Veranstalter oder Gastgeber nutze. Zoom ist vielleicht mal einen Versuch wert.

Smart Device: Nichts Überraschendes, ein iPhone und ein älteres iPad der zweiten Generation.

Bildquelle: nick farnhill (Flickr, CC BY-SA 2.0)

Mobile Learning Day 2017

November 17, 2017 - 21:22

Am Donnerstag war ich auf dem Mobile Learning Day an der FernUni Hagen. Es war die mittlerweile 9. Auflage dieses Events. „Mobile“ ist dabei längst zur Formel dafür geworden, dass heute die Grenzen zwischen Lebens-, Arbeits- und Lernwelten durchlässig geworden sind und jeder Raum ein potentieller Lernraum ist. Und so reichte das Themenspektrum des #MLD2017 auch von der Künstlichen Intelligenz bis zum eAssessment. Einige Stichworte sowie Links mit Hintergrundinformationen habe ich untenstehend kuratiert.

 

[View the story „Mobile Learning Day 2017“ on Storify]

Holokratie als Organisationsmodell für agile Bildungsorganisationen? 3 Fallbeispiele

November 17, 2017 - 14:32

Warum beschäftigen sich Bildungsorganisationen mit neuen Strukturen und Formen der Zusammenarbeit? Zum einen, weil sie sich mit neuen Kundenbedürfnissen und -anforderungen konfrontiert sehen und auf diese besser und dynamischer („agiler“) reagieren wollen; zum anderen, weil sie sich als Change Agents verstehen, die sich aktiv mit neuen Organisationsmodellen auseinandersetzen, um ihre Erfahrungen anschließend mit anderen Unternehmensbereichen zu teilen.

Ganz konkret geht es um Holokratie (engl. Holacracy), ein Modell, das seit einigen Jahren als Alternative zu traditionellen Formen der Zusammenarbeit und Entscheidungsfindung hoch gehandelt wird. Prominentester „Anwendungsfall“ ist der Onlinehändler Zappos. Von anderen Unternehmen, die auf Holokratie setzen, hört man selten. Um so erstaunlicher, dass Christoph Meier gleich von drei schweizerischen Bildungsorganisationen berichten kann, die sich aktiv mit den eigenen Organisationsstrukturen auseinandergesetzt haben und bereit waren, darüber zu erzählen!

Warum nun Holokratie? Für die CYP, das sich als „führendes Kompetenzzentrum für modernes Lernen der Schweizer Banken“ versteht, war es der Wunsch, sich zu einer agileren Netzwerkorganisation zu wandeln; für ein Team des HR Bereichs der Versicherungsgesellschaft Mobiliar war es ein Experiment, mit dem man schnell an Grenzen gestoßen ist; und für die Swisscom passte es in eine Reihe agiler Arbeitsformen und -Methoden, mit denen man sich dort im Zeichen der digitalen Transformation schon länger beschäftigt.

Die Fallberichte sind lesenswert. Holokratie bildete mal die direkte Vorlage, mal den Anstoß, und immer geht es um Anpassungen, die „vor Ort“ vorgenommen wurden. Ein spannendes Thema, das sicher auch für andere Bildungseinrichtungen interessant ist.
Christoph Meier, scil-Blog, 16. November 2017

Entwicklung digitaler Kompetenzen – drei Lösungsansätze aus der Praxis

November 17, 2017 - 07:49

Ein neuer Werkstattbericht von Joël Krapf und der Schweizerischen Post. Zur Erinnerung: Dort hat man sich entschieden, zwischen digitalen Kompetenzen und Kompetenzen in einer digitalisierten Welt zu unterscheiden und diese Unterscheidung in einem entsprechenden Referenzrahmen abzubilden (siehe Schaubild). Wobei ich anmerken muss, dass es etwas verwirrend ist, wenn dann im Text auch die Kompetenzen in einer digitalisierten Welt als digitale Kompetenzen (manchmal mit Anführungszeichen) bezeichnet werden. Andere sprechen hier deshalb von „future skills“ oder „21st century skills“.

 

 

Aber das nur zur Einordnung. Im Beitrag skizziert Joël Krapf drei Maßnahmen – ein Curriculum für das (Senior) Management, eine externe Ausbildung im «Digital Management» für Führungskräfte, einen Schulungs-Workshop für Schlüsselpersonen aus allen Hierarchiestufen -, die auf das Thema „digitale Kompetenzen“ einzahlen. Wobei er, wenn ich es richtig lese, auf diese Maßnahmen im Ökosystem der Schweizerischen Post gestoßen ist. Sie wurden nicht mit Blick auf das Referenzmodell entwickelt.
Joël Krapf, Blog, 17. November 2017

Neue Studie: Blockchain in Education

November 16, 2017 - 15:59

Blockchain in der Bildung ist ein Thema, in das gerade sehr viel Fantasie gesteckt und das uns sicher noch einige Zeit beschäftigen wird. Die Publikationen zum Thema sind allerdings überschaubar. Umso erfreulicher, dass es jetzt diese umfassende Studie des Joint Research Centre (JRC), das ist der wissenschaftliche Dienst der Europäischen Kommission, gibt. Und noch schöner, dass sich das Hochschulforum Digitalisierung (den Namen des/ der Autor*in kann ich leider gerade nicht entdecken) aufgemacht hat, die 136 Seiten zu lesen und zusammenzufassen. So wissen wir jetzt:

  • Dier Einsatz von Blockchain in der Bildung steckt noch in den Kinderschuhen, doch das (genau!) „disruptive Potenzial“, so die JRC-Autoren, ist da.
  • Die vielversprechendsten Einsatzmöglichkeiten bestehen in der Ausstellung und Verifizierung von Leistungsnachweisen und Zertifikaten, der Verwaltung von geistigem Eigentum, im Datenmanagement und der Studienfinanzierung.
  • Wichtig ist in dieser Phase eine breite grenzüberschreitende Zusammenarbeit, „denn Blockchain entfaltet sein Potential vor allem in der transnationalen Nutzung“.

Ich möchte noch kurz die Träger der vier (!) „Use Case Studies for Blockchain Technology in Education“ ergänzen, die in der Studie kurz vorgestellt werden: Open University UK, University of Nicosia, MIT, Maltese Educational Institutions.
Hochschulforum Digitalisierung, 15. November 2017

Revisiting 70:20:10

November 15, 2017 - 20:29

Die 70:20:10-Formel, so mein Eindruck, ist „angekommen“. Weiterbildung und Lernen spielen sich nicht nur im Seminarraum ab, sondern auch am Arbeitsplatz und im Austausch mit anderen. So weit, so klar. Aber ab und zu treffen sich dann doch noch Experten, Interessierte und manchmal auch Zweifelnde, um sich über die Formel und darüber, was man mit ihr in der Praxis anstellen kann, zu verständigen. So gab es kürzlich einen Twitter-Chat zum Thema, und Clark Quinn versucht hier eine Zusammenfassung.

Zwei Punkte habe ich mir notiert: a) Wenn die Zahlen stören, dann bietet zum Beispiel die Aufteilung in „education – exposure – experience“ eine Alternative; b) Warum nicht die Formel als „design tool“ nutzen, um – ausgehend von den 70 Prozent – für ein Thema Aktivitäten und Angebote auf allen Ebenen zu entwickeln bzw. zu unterstützen?
Clark Quinn, Learnlets, 7. November 2017

Bildquelle: Ryan Tracey (Flickr, CC BY-NC-SA 2.0)

Lernen Bildungsferne lieber offline?

November 15, 2017 - 11:16

Ein Teufelskreis: Bildungsanbieter laden in Seminare und Workshops ein und lassen sich von zufriedenen Teilnehmern bestätigen, dass sie lieber vor Ort zusammenkommen als einen Online-Kurs bearbeiten. So wird das natürlich nichts mit der Digitalisierung in der Weiterbildung, meint Ulrich Schmid (MMB-Institut für Medien- und Kompetenzforschung), und stellt folgende Fragen:

  • Haben Bildungsanbieter wirklich systematisch geprüft, welche Programme sich fachlich und didaktisch besser offline als online durchführen lassen?  Oder hängt man oft nur an bewährten Geschäftsmodellen?
  • Können bestimmte Ziele wie die Entwicklung digitaler Kompetenzen überhaupt durch Offline-Schulungen erreicht werden?
  • Kann man in der heutigen Arbeitswelt überhaupt auf effiziente Online- und OnDemand-Dienste verzichten?

Vor diesem Hintergrund sollte jeder Bildungsanbieter, so Ulrich Schmid, sein bestehendes Portfolio auf den Prüfstand stellen. Bevor andere es tun. Didaktische wie geschäftliche Potenziale sind in jedem Fall da.
Ulrich Schmid, Digitalisierung der Bildung/ Bertelsmann Stiftung, 15. November 2017

3 ways technology can help build business agility

November 14, 2017 - 17:36

Die Autorin leitet ihren Weckruf wie folgt ein: „In this article I explore three ways that organisations can be using learning technologies to enhance the learning experience in ways that increase staff and business agility.“ Die Punkte stimmen: Make connections; Learn on the move; Prioritise learning transfer.

Schließlich: „Your workers are often at the forefront when it comes to adopting L&D technologies – even if they don’t call it learning, they are connecting with others and accessing the learning they need on the move. It’s time to catch up! Are you already using these learning technologies in your L&D strategy?“

Priya Dharni, Towards Maturity, 13. November 2017

Der Tag des Shopping-Wahnsinns

November 14, 2017 - 10:02

In Ökosystemen denken. Bildungsangebote als Experience, als Entertainment, eingebettet in bestehende, lustvolle Interaktionsformate. Nicht online oder offline, sondern dort, wo sich die Menschen aufhalten. Und unter neuem Namen, denn „Weiter-Bildung“ passt irgendwie nicht ins Bild.

Zu diesen Stichworten inspiriert hat Anja C. Wagner Online-Händler Alibaba und der „Singles‘ Day“ (11.11.), mit dem sie uns in ihrem aktuellen Newsletter bekannt macht.
FrolleinFlow / FLOWCAMPUS, The NeWoS, November 2017

Bildquelle: Olaf Kosinsky (Wikipedia, CC BY-SA 3.0 de)

Lern- und Lehrvideos: Gestaltung, Produktion, Einsatz

November 14, 2017 - 09:44

Für das „Handbuch E-Learning“ haben Martin Ebner und Sandra Schön diesen Beitrag geschrieben und als Entwurf veröffentlicht. „Lern- und Lehrvideos sind heute unerlässliche Bestandteile eines zeitgemäßen Unterrichts“, schreiben sie, und nachdem das geklärt ist, zählen sie verschiedene Einsatzmöglichkeiten von Lern- und Lehrvideos auf: von der Suche nach schnellen Antworten auf YouTube bis zu Massive Open Online Courses.

Es folgt ein Überblick über einige wichtige Formate wie Screencasts, Legetechnik-Videos, Tafel- und Whiteboardanschriften, Vorträge, Reportagen, Studioaufzeichnungen, Live-Vorträge, Animationen und Trickfilme, Interviews, Blockbuster (wenn es etwas mehr Budget gibt …) und, als ganz aktueller Trend, 360-Grad-Videos. Ein Lernvideo-Canvas gibt Interessierten schließlich noch eine praktische Starthilfe an die Hand. Für Einsteiger.
Martin Ebner und Sandra Schön, in: Hohenstein, Andreas/Wilbers, Karl (Hrsg.): Handbuch E-Learning, Deutscher Wirtschaftsdienst (Wolters Kluwer Deutschland), Köln, 71. Erg. Lfg., Oktober 2017 (via ResearchGate)

Mein Wochenausklang: Brauchen wir „Microlearning“?

November 10, 2017 - 22:12

In diesen Wochen erreicht mich wieder eine Fülle an Webinar-Angeboten. Ab und zu melde ich mich für eines an, und ab und zu raffe ich mich dann tatsächlich auf, auch einmal reinzuhören. Diese Woche ging es um „Micro-Learning and Gamification“. Ich bin dann doch zur Halbzeit aus dem Angebot ausgestiegen, weil es eher an Einsteiger adressiert war. Aber über den Begriff Microlearning habe ich noch eine Weile nachgedacht.

Ich weiß noch, dass es 2005 eine Microlearning-Konferenz in Innsbruck gab. Auf dieser (oder der nächsten, 2006?) bin ich gewesen. Damals führte der Begriff Microlearning noch beide Welten zusammen: die Internet-Avantgarde, die von Hypertext, RSS und „small pieces, loosely joined“ schwärmte; und die EdTech-Vertreter, die schon an neue Anwendungen für das mobile Lernen glaubten. Mit dem iPhone und YouTube haben dann die letzteren das Feld und den Begriff übernommen.

Was aber den Umgang mit Microlearning nicht leichter gemacht hat. Zwar ist man sich heute einig, dass mit Blick auf Nutzungsroutinen, Aufmerksamkeitsspannen und Vergessenskurven kein Weg an kurzen Lerneinheiten vorbeiführt. Aber hat man damit schon ein pädagogisches Konzept? Wenn ich den Begriff zum Beispiel in der „Mediendidaktik“ von Michael Kerres nachschlage, so werde ich zum Kapitel „Behaviorismus“ geführt. Dort wird Microlearning mit dem mobilen Lernen zusammengebracht, aber auch mit der Warnung, dass sich in kurzen Zeitfenstern nur begrenzte Lerninhalte, sprich: Faktenwissen, sinnvoll bearbeiten lassen. Es liest sich eher wie eine Verlegenheitslösung.

Im eingangs erwähnten Webinar gab es ein Schaubild mit einer Gegenüberstellung von Microlearning und Macrolearning (der Begriff war mir, das nur am Rande, neu). Microlearning, so heißt es da unter anderem, kommt ins Spiel, wenn ich sofort eine Antwort benötige („I need help now“), Macrolearning dagegen antwortet auf „I want to learn something new“. Das eine ist getrieben durch meine Fragen, beim anderen werde ich von Experten geführt. Aber auch diese Unterscheidung wirft Fragen auf, und ich bin nicht sicher, ob sie es in die Neuauflage der „Mediendidaktik“ schaffen wird.

Vielleicht, so mein heutiges Fazit, erweitert Microlearning vor allem den Blick: darauf, dass Lernen ein kontinuierlicher Prozess ist, in dem „große Lernblöcke“ durch kleine Impulse eingeleitet oder durch kurze Refresher fortgeführt werden können; darauf, dass Lernen formal und informell stattfindet und an vielen Stellen, oft hinter unserem Rücken, fest in unseren Alltag eingebettet ist. „Alte“ Newsletter-Dienste versuchen auch, solche Impulse zu setzen. Heute kommen sie als Messenger-Dienste via WhatsApp oder Telegram daher, wie die „tägliche Dosis Politik“ der Bundeszentrale für politische Bildung. Auch eine Form von Microlearning!?

Wächter des Weltwissens – wie Automaten Wikipedia beschützen

November 10, 2017 - 18:22

Die Bertelsmann Stiftung hat ein neues Projekt, „Ethik der Algorithmen“, gestartet, und im Projektblog findet sich dieser Artikel über den Einsatz von Bots in Wikipedia. Über 350 sind es, die heute die Funktionsfähigkeit der Online-Enzyklopädie gewährleisten. Denn während die Zahl der Artikel auf Wikipedia weiter steigt, hat die Zahl der aktiven Autoren von 50.000 auf 30.000 abgenommen. Um diese zu entlasten, werden Bots eingesetzt. Ich glaube, dass es zum Stichwort „Ethik der Algorithmen“ sicher Einsatzfelder gibt, auf denen der Einsatz von Bots strittiger oder überraschender ist. Trotzdem habe ich den folgenden Hinweis in mein persönliches Merkheft übertragen:

„Kernpunkt dabei ist, dass Wikipedia keine weitere soziale Plattform sein will. Das Projekt will  sich nicht darauf verlassen, dass die Leser selbst schon entscheiden, welchen Informationen sie trauen können. …“

Torsten Kleinz, Algorithmenethik/ Bertelsmann Stiftung, 8. November 2017

The Case(s) Against Personalized Learning

November 10, 2017 - 07:59

Die USA sind in der Regel einen Schritt weiter: in der Entwicklung von EdTech, in der Implementierung von EdTech in Schulen und Hochschulen und in der kritischen Auseinandersetzung mit der neuen Praxis und ihren Folgen. Das betrifft auch „personalized learning“, das ja gerne als zentrales Versprechen der Digitalisierung der Bildung gehandelt wird.

„Wissen digital zugänglich zu machen ist ein wichtiger Schritt der Bildungsrevolution. Der nächste heißt Personalisierung.“ (Jörg Dräger/ Ralph Müller-Eiselt: Die digitale Bildungsevolution, 2015, S. 61)

Trotzdem stehen wir noch am Anfang der Entwicklung. Das heißt, auch um Grundsätzliches wie Begriffe und Deutungen wird noch gestritten. Der vorliegende Artikel gibt drei Einwänden Raum:
Argument#1: The Hype Outweighs the Research („The evidence base is very weak at this point“, John F. Pane)
Argument #2: Personalized Learning is Bad for Teachers and Students („It’s behaviorism on a screen“, Alfie Koon)
Argument #3: Big Tech + Big Data= Big Problems („When Facebook promises personalization, it’s really about massive data collection“, Audrey Watters).

Der Artikel wird von weiteren Beiträgen zum Thema begleitet (Special Report: „Personalized Learning: Vision vs. Reality“). Und auch wenn Schulen hier im Mittelpunkt stehen, EdTech und „personalized learning“ sind eine Entwicklung, die keinen Bildungsbereich auslassen wird.
Benjamin Herold, Education Week, 7. November 2017

Online lernen mit MOOCs – ist das was für jedermann?

November 8, 2017 - 21:10

Ein Selbstversuch, den ich nicht so richtig einordnen kann: Ist es 2017 wirklich noch ein „Wagnis“, an einem Online-Kurs teilzunehmen und darüber auf einem Blog zu berichten? Macht es Sinn, mehrere Kurse „auszuprobieren“, um die eigene Lernmotivation und Disziplin zu beobachten? Und um dann Rückschlüsse auf die Abbrecherquoten der MOOC-Plattformen zu ziehen? Und will man als Pädagogin von einem „Erfolg“ sprechen, wenn man es irgendwie geschafft hat, einen Kurs komplett durchzuarbeiten und mit Auszeichnung abzuschließen?

Wenn man diese Fragen einmal beiseiteschiebt, bleiben nützliche Informationen über einige aktuelle Online-Kurse und -Plattformen, ihre Merkmale und mögliche Hürden für Lernende, sich aktiv einzumischen. Allerdings macht die Autorin um die Frage, welche Anbieter ihre Kurse heute noch „MOOCs“ nennen und welche Kurse das Attribut verdienen, einen Bogen. Dafür hat sie zum Abschluss noch einen wichtigen Hinweis, den auch Bildungsanbieter aktiv unterstützen können:

„Hilfreich könnte es sein, die Unverbindlichkeit und Anonymität dadurch abzuschwächen, dass man beispielsweise Freunde in den MOOC einlädt und sich mit diesen verabredet, gemeinsam zu bestimmten Zeiten zu lernen.“

Sabrina Thom, Digitalisierung der Bildung/ Bertelsmann Stiftung, 7. November 2017

Twitter erlaubt Nutzern doppelt so viele Zeichen

November 8, 2017 - 07:08

Schade, es war zu befürchten: Twitter hat die maximale Länge eines Tweets von 140 auf 280 Zeichen erhöht. Mehr Nutzer gewinnen, lautet das Ziel. 328 Millionen sind es jetzt. Daraus „zufriedene Nutzer“ zu machen, hätte auch ein Ziel sein können.
ZEIT Online, 7. November 2017

Bildquelle: freestocks.org (Unsplash)

The crisis of the college degree

November 7, 2017 - 15:46

Lange Zeit bildete der Hochschulabschluss die Eintrittskarte in das Berufsleben. Das, so heißt es in der Studie „The Future of the Degree: How Colleges Can Survive the New Credential Economy“, beginnt sich zu ändern. Im Zeiten des lebenslangen Lernens sind Abschlüsse gefragt, die nicht die an einer Hochschule verbrachten Jahre, sondern die Kompetenzen der Lernenden widerspiegeln. Die Rezension der Studie geht auf verschiedene Entwicklungen und Veränderungen ein, aber am interessantesten sind aus meiner Sicht die folgenden Trends, die zukünftige Qualifikationen prägen sollen:

1. Instead of paper records housed by universities, credentials will be electronic assets belonging to the learner and maintained in a virtual network using the same blockchain technology that makes cryptocurrencies like bitcoin safe and decentralized. MIT has already awarded its first diplomas through this method.

2. In addition to traditional certificates, universities will grant new types of micro-credentials like badges that recognize lifelong learning.

3. Rather than exist as a single document, credentials will need to be communicated through portfolios that demonstrate the knowledge and skills of the bearer.

4. The increasing use of data analytics in hiring decisions could reduce the importance of the certificate, but increase the relevance of specific learning experiences within university.

Esteban Fredin, Observatory of Educational Innovation | Tecnológico de Monterrey, 30. Oktober 2017

Bildquelle: Jonathan Daniels (Unsplash)

„Bloggen ist für mich ein guter Weg, Themen zu durchdenken“

November 7, 2017 - 13:48

Herwig Kummer ist der Leiter Personalentwicklung, Training und Recruiting beim ÖAMTC Österreich. Außerdem hat er den ÖAMTC beim Corporate Learning 2.0 MOOC vertreten. In diesem Interview gibt er Auskunft, warum er bloggt („PERSONALEUM“), wie seine ersten Schritte aussahen, wie er vom Bloggen profitiert und, schließlich, warum auch andere HR-Verantwortliche bloggen sollten:

„Meine These ist, dass das HR-Management gerade neu erfunden wird. In Zeiten agiler Vorgehensweisen passen alte Konzepte nicht mehr. Wenn mehr HR-Manager bloggen würden, wäre es viel transparenter und einsehbarer, wo sie sich gerade gedanklich befinden, was sie umtreibt und welche Lösungen sie für bestimmte Probleme haben. Das wäre der Nutzen für das gesamte HR-Management.“

Bettina Geuenich, Interview mit Herwig Kummer, HRM.de, 7. November 2017

Universität 4.0 – Gedanken im Vorfeld eines Streitgesprächs

November 6, 2017 - 14:33

Im Umfeld der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) mit dem überraschenden Titel „Universität 4.0“ haben jetzt einige Referenten und Referentinnen ihre Beiträge publik gemacht. Dazu gehört auch Gabi Reinmann. Sie hat sich, zur Vorbereitung auf ein Streitgespräch, mit verschiedenen Fragen rund um die Digitalisierung auseinandergesetzt und stellt uns ihre Antworten im Nachhinein zur Verfügung. Im Grunde sind sie alle ein Appell, sich auf die Aufgabe der Universität zu besinnen, „einen verantwortungsvollen Umgang mit der Digitalisierung zu finden“ – und nicht immerzu die gleichen Fragen nach dem Nutzen und Mehrwert digitaler Medien zu beantworten. Was sie als „digitale Grenzgängerin“ aber dennoch, den Vorgaben ihrer Mitstreiter folgend, tapfer tut.

„Es gilt, der Digitalisierung forschend und lehrend, offen und kritisch zugleich zu begegnen – mit einer Idee der Universität als Richtschnur. Es gilt, gerade in der Universität über den Tellerrand der Digitalisierung zu schauen.“

Gabi Reinmann, Hochschuldidaktik, 3. November 2017

Mein Wochenausklang: Über einige Herausforderungen mit OER

November 3, 2017 - 22:54

Am 27. November werden in Berlin die besten Open Educational Resources im deutschsprachigen Raum gekürt. Vergeben werden die OER-Awards 2017. Ich bin nun Mitglied der Jury und habe in den letzten Tagen viele Einreichungen gelesen und bewertet. Denn die Zahl der Einreichungen hat sich gegenüber 2016 noch einmal mehr als verdoppelt.

Das Thema OER erlebt hierzulande gerade einen Aufwind. Offene Lehr- und Lernmaterialien stehen auf der bildungspolitischen Agenda ganz oben. Das BMBF fördert, große Bildungsinstitutionen und Stiftungen engagieren sich, aber auch viele Graswurzelprojekte haben sich OER auf ihre Fahnen geschrieben. Hier möchte ich aber schon einmal kurz stoppen und festhalten: OER ist vor allem ein Thema der Bildungs-Community und Bildungspolitik. Es geht um das Urheberrecht und Lizenzmodelle. Lernende interessiert, ob sie auf einen Kurs oder Materialien im Netz frei zugreifen können oder ob sie etwas zahlen müssen. Mehr in der Regel nicht. Deshalb richten sich OER-Projekte vor allem an Bildungsexperten und Lehrende, die selbst Lernangebote entwickeln wollen.

Wenn ich jetzt die Projektbeschreibungen der letzten Tage Revue passieren lasse, fällt noch ein anderer Punkt auf. Im Mittelpunkt vieler OER-Projekte stehen nach wie vor „Resources“, also Inhalte, Medien, Texte, Lernhilfen, Programmcodes. Auch in den Einreichungsbedingungen zum OER-Award wird vor allem nach dem Lizenzmodell, nach den „5Rs“ von David Wiley und nach der Sicherstellung der didaktischen und technischen Qualität gefragt. Es gibt auch die Frage nach der Nutzung, aber hier tun sich viele Projekte schon schwerer, Auskunft zu geben. Es gibt Zahlen über die Abrufe der Seiten, Feedback auf einzelne Funktionen und Angebote sowie Ideen zur Weiterentwicklung der Projekte. Kurz: Das Herzstück von OER, nämlich das Übernehmen und Einbetten der Lernmaterialien, bleibt oft im Dunkeln. Erfahrungsberichte von Nutzern sind selten.

Warum, so frage ich mich, werden OER-Projekte heute nicht noch stärker als Community-Projekte gedacht? Drei Punkte sind mir durch den Kopf gegangen:

  1. OER-Projekte sollten nicht nur als Repositories, sondern auch als Netzwerke gedacht, konzipiert, umgesetzt und gelebt werden.
  2. Best Practices (Fallbeispiele, Use Cases, Einsatzszenarien, …), in denen OER-Nutzer schildern, wie sie mit den Lehr- und Lernmaterialien gearbeitet haben, sollten ein wichtiger Baustein jedes einzelnen OER-Projekts sein.
  3. Regelmäßige Kampagnen (Themenwochen, BarCamps, Blogparaden, …), in denen sich OER-Macher und -Nutzer austauschen, signalisieren, dass ein Projekt „lebt“, und stützen die gemeinsame Arbeit und Weiterentwicklung des jeweiligen Vorahabens.

Es gibt sicher noch weitere Punkte, um OER aus der Spezialisten- und Ressourcen-Ecke herauszuholen. Das OER-Festival und der OER-Award sind Gelegenheiten, um das zu diskutieren.

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