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„crowd didactic“ … Didaktik der Vielen

Es gibt Menschen, die sagen, man brauche keine Didaktik mehr (hier). Wahrscheinlich haben sie schlechte Erfahrung mit Didaktikern gemacht, oder sie rücken die Didaktik in einen Bereich, von dem sie sich distanzieren und emanzipieren wollen. Aber solange ‚Didaktik‘ die Theorie und Praxis des Lehrens und Lernens (und damit des Unterrichts) ist und wir diese Theorie und Praxis als Design begreifen (vgl. Goodyear), solange taugt und trägt der Begriff auch oder gerade im digitalen Zeitalter!

Nun wurde zur Didaktik schon viel geschrieben: Normatives seit Comenius, Unterrichtstheoretisches seit Herbart, Psychologisches seit Aebli, bis zu (immer noch) modernen Überlegungen zur didaktischen Analyse seit Klafki. Mediendidaktiker weisen seit der Jahrtausendwende auf Multimedia und Hypermedia hin und mit dem ‚flüssigen‘ Internet auch auf Potentiale von Kooperation, Kollaboration und Netzwerkarbeit. Der Einzug der digitalen Medien und des Internets hat ohne Zweifel die didaktische Fantasie beflügelt, man schaue sich hierfür nur die Tagungs-Dokumentationen der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft seit den 2000er Jahren an.

Die moderne Didaktik hat sich vor diesem Hintergrund immer weiter ausdifferenziert und ist damit leistungsfähiger geworden. Kritisch muss man aber feststellen, dass sich die theoretischen Überlegungen sowie didaktischen Szenarien letztlich am Kernkonstrukt vom Unterricht im engeren Sinne orientieren und damit nicht über eine „Didaktik für Wenige“ hinauskommen; und da ist es egal, ob wir eine Klasse mit 25 Schülern oder eine (flipped) Vorlesung mit 250 Studenten in den Blick nehmen.

U.a. setzt das BMBF-Projekt SCoRe genau hier an: Mit SCoRe betreten wir, d.h. mehrere Unis/Hochschulen sowie Ghostthinker als EdTec-Unternehmen, Neuland, denn es geht darum, das „Forschende Lernen“ ganz bewusst unter den „Bedingungen der Vielen“ neu zu denken und das ist gerade für den Hochschulraum einzigartig (vgl. crowd research, Standford). Das wir das noch mit aktuellen Videotechnologien (u.a. 360-Grad-Video; Social Video Learning) tun wollen, die ein „forschendes Sehen“ unterstützen und an einem Gegenstand, bei dem es um Nachhaltigkeit geht (vgl. Virtuelle Akademie der Nachhaltigkeit), macht das Ganze speziell.

Wie das didaktisch und medientechnisch genau gehen soll, wissen wir ehrlich gesagt noch nicht ganz genau, … wir formen gerade mit einem DBR-Ansatz eine erste Gestalt! Aber genau deshalb ist SCoRe ja auch ein echtes entwicklungsorientiertes Forschungsprojekt, über das ich mich ungemein freue, zumal im Team wirklich sehr gute Wissenschaftler aus den Bereichen Designforschung, forschendes Lernen, Nachhaltigkeitsforschung und Videotechnologie am Start sind, die zusammen mit den „guten Geistern“ von Ghostthinker die Lücke des Nichtwissens kreativ füllen werden. Ich werde berichten …

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