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Didaktisches Framing

Der immer noch aktuelle Claim von Ghostthinker lautet: „reframe learning“. Bei der Entwicklung des Claims hatten wir im Sinn, dass vor allem die didaktischen Vorerfahrungen, (epistemischen) Überzeugungen und Wahrnehmungsmuster (kurz: das Mindset) darüber bestimmen, was wir als didaktisch wertvoll oder weniger wertvoll einstufen, und dass eben dieses Mindset als Ausgangspunkt jeglicher Beratung (und Veränderungen) gelten muss. Entsprechend dreht sich ein wesentlicher Teil meiner Beratertätigkeit darum, mit Bildungsverantwortlichen aus Sportverbänden, aber auch außerhalb des Sports, darüber zu sprechen, welche verdeckten Vorstellungen von „guter Lehre“ existieren und wie man sie ggf. kritisch hinterfragen und verändern kann.

Um diese (impliziten) Vorstellungen sichtbar zu machen, nutze ich nicht selten eine Kinderzeichnung, auf der die „Nürnberger Trichter“ durch 180 Grad-Drehung zu kommunikativen „Sprachrohren“ umfunktioniert werden; reframing also auch hier innerhalb der Zeichnung.

In einem eher zufälligen Gespräch mit Dieter Euler letzte Woche in Hamburg bin ich auf diesen Punkt zurückgekommen: Er berichtete von seinen Erfahrungen in der Beratung ausländischer Hochschulen und den Herausforderungen, die gerade im didaktischen Framing liegen, denn: Nicht selten scheitern Implementationsversuche, z.B. weil erst im Prozess deutlich wird, dass die Akteure die didaktischen Überzeugungen nicht (in der Tiefe) teilen, oder weil die Akteure die pädagogisch aufgeladene Sprache nicht verstehen oder verstehen wollen. 

Was tun? Ich glaube, der Weg über die metaphorische (vs. analytische) Visualisierung ist eine Möglichkeit, um zu (impliziten) didaktischen Überzeugungen ins Gespräch zu kommen. Karin Moser, eine Schweizer Kognitions- und Metaphernforscherin,  hatte in den 1990er Jahren die Metaphernanalyse als Methode des Wissensmanagements gedeutet. Hier könnte man sicher nochmal ansetzen, um systematischer als bisher das Verstehen des (didaktischen) Verstehens in den Blick zu nehmen, was auch im Kontext eines „Double-Selfreflexive Scholarship of University Teaching“ (Reinmann/Schmohl) von Interesse sein könnte. 

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