Einfach Knopf drücken

Der Kern unserer Arbeit bei Ghostthinker besteht darin, Menschen in Bildungsorganisationen (insbesondere Sport) für „Social Video Learning“ zu begeistern und ihnen bei der tatsächlichen Umsetzung zu helfen, kurz: dass sie Videos drehen (auch Videos, auf denen sie selber zu sehen sind), dass sie Videos kommentieren (kommentieren heißt interpretieren) und dass sie Videokommentare von anderen kommentieren (re-kommentieren heißt aushandeln). Wenn man will, dann kann man in dieser „Videoarbeit“ bedeutsame Lernmöglichkeiten entdecken, angefangen von der Beobachtung zweiter Ordnung, über die Explikation von implizitem Wissen und das identitätsstiftende Aushandeln von Meinungen bis zur Schaffung von organisationaler Kohärenz. Das steckt also alles da drin, in diesem Social Video Learning – potenziell!

Zwischen dem Potenzial und der Realität gibt es freilich eine Kluft. Die ist in Sportkontexten klein, weil die Videokamera ein „Freund“ aller TrainerInnen ist, die bei der Beobachtung hilft. In universitären Kontexten ist die Kluft mittelgroß, weil das Thema Lernen „an sich“ dazu gehört und man sich mit guten Gründen nicht verweigern kann. In Ärztekontexten ist die Kluft z.B. groß, weil Ärzte berufsbedingt an eine Nullfehler-Kultur glauben (müssen), was aber den selbstreflexiven Umgang mit Fehlern und Videokamera erschwert.

In der Forschungswerkstatt von Peter Baumgarten haben wir über dieses Thema gesprochen, über den Umgang mit Videos, über die Bereitschaft (oder auch Verweigerung), Videos auch in informellen Situationen zu drehen. In Verlängerung hätten wir auch über die Bereitschaft sprechen können, warum man Videokommentare macht oder eben nicht. Das ist ein psychologisch interessanter Punkt, denn rein technisch ist es ja kein Ding, den Knopf zu drücken.

Nun ist die „Unlust zur Kommentierung“ nichts Neues. Man schaue sich nur die Weblogs an (selbst die wissenschaftlichen): Man erkennt, dass es nur Vereinzelte tun, im Übrigen Wiederholungstäter. Es sind diejenigen, die bereits im Netz unterwegs sind. Wer schweigt, der schweigt auch hier, wohlbegründet, interessenlos oder aus Angst.

Ich glaube, einer der wesentlichen Punkte beim Thema Kommentierung ist Vertrauen. Deshalb vermute ich in offenen Lernumgebungen weniger Kommentare als in geschlossenen. Ein anderer wesentlicher Punkt ist der Grad an Selbstzentrierung: Ganz schwer sind Bewerbungsvideos, in denen sich z.B. Schüler selber sehen und gegenüber einer sozialen Norm rechtfertigen müssen. Gut gehen Videos von Sportlern im Trainerkontext, in denen z.B. der Umgang mit einem Ball oder einem Schläger im Zentrum steht. Zwar sind die Akteure abgebildet, aber die Persönlichkeit steht nicht auf dem Spiel, sie ist dezentriert. Entsprechend leicht von der Hand gehen Videos, in denen z.B. nur Finger oder gar die Power-Point-Folien zu sehen sind.

Und was ist mit der Bereitschaft, Videokommentare zu erstellen? Ich dachte erst, dass die Bereitschaft zur Kommentierung in einem inversen Verhältnis zur Selbstzentrierung steht. Aber das ist Quatsch. Erklärvideos werden kommentiert und auch eigene Vortragsvideos werden kommentiert, nur: Man muss gut darauf achten, dass die Inhalte etwas mit den Personen zu tun haben, die kommentieren sollen. „Zu tun haben“, die Schweizer sagen „es törnt mich an“. Dieses Antörnen ist aber hier anders gemeint als z.B. bei einem Werbevideo, indem alle Antworten bereits gegeben sind. „Antörnen“ im Kontext der Videokommentierung ruft nach Video-Situationen, die zu mir sprechen, mich fordern, die Klappe auf zu machen, mit Fragen, Antworten, Widerspruch, Zustimmung. Mich mit den Videosituationen „in ein (reflexives) Sprachverhältnis“ zu setzen, alleine oder mit anderen, darum geht es und deshalb hat Social Video Learning auch viel mit Bildung zu tun. Zumindest potenziell.

Worlddidac 2014: Bewerbungsphasen sind Trainingsphasen

Am Dienstag habe ich 12 Stunden im Auto gesessen – tour und retour. Mein Ziel war Bern, Technologiepark, Präsentationsraum B, Bewerbung zum Worlddidak Award 2014. Dort konnte ich vor einer neunköpfigen Jury unter Leitung von Prof. Gloor unser Bildungsprodukt „edubreak®“ vorstellen. Wir sprechen „english“, klar.

Alle Ghostthinker sind sehr gespannt was dabei herauskommt. Aber wie immer kann man solche Awards auch dazu nutzen, die Sichtweise auf das eigene Produkt (bei uns ist es ja Dienstleistung) zu überdenken, Nutzenargumente und Kommunikationsmittel auf den neuesten Stand zu bringen.

So schreiben wir: „edubreak®CAMPUS is an online learning environment with an emphasis on social video learning for supporting reflection-intensive blended learning scenarios. The key didactic innovation is enabling rich video annotation by participants during the online phases using our pinpoint video comment system. Learning takes place communally within the scope of active exchanges in a safe online environment. As a result, the learners themselves create a lot of valuable content in the form of video commentary and blog entries and reflect on it using video-based e-portfolios. edubreak®CAMPUS is used successfully for training athletic coaches and teachers as well as service workers and managers. It is particularly ideal for continuing education on the “train the trainer” model in which speech is the main medium of exchange."  

Es ist unglaublich, wie lange man an sowas sitzt, versucht die Sache auf den Punkt zu bringen. Dabei haben natürlich unterschiedliche Nutzergruppen unterschiedliche Ohren und deshalb ist es immer ein Optimierungs- und Anpassungsprozess; Sport ist nicht Bank und Service ist nicht Leadership.

Eine für mich wichtige Akzentsetzung in der aktuellen Beschreibung ist die Betonung der Sprache bzw. die Förderung der Vermittlungs- oder Erklärkompetenz, auch wenn es im Text nur kurz angesprochen wird. Das hatten wir in früheren Versionen nicht so bedacht, scheint mir aber wesentlich, denn: Alle Berufsgruppen, bei denen die Sprache zum Kern der eigenen Professionalität gehört, also TrainerInnen, LehrerInnen, Coaches, aber z.B. auch VerkäuferInnen oder Servicekräfte, werden beim Einsatz von edubreak mittels Videokommentierung gefordert, eigene Gedanken durch Verschriftlichung zur explizieren und im Videodialog miteinander auszuhandeln. Das ist ein starkes Moment, das nicht unter den Tisch fallen darf, meine ich. 

Kurzum: Bern war klasse, auch wenn ich nur 2 h dort war. Nun heisst es: Daumen drücken!

SALTO und das Futur II.

Das dritte SALTO-Hauptmeeting liegt hinter mir. In der Projektlaufzeit haben wir die 66 %- Marke erreicht, d.h. wir haben noch 1 Jahr um, … ja was, um? Um einen „Ruck“ in den deutschen Sport zu bekommen, jener Ruck, den Altbundespräsident Herzog beschworen hat.

Es geht um „e-Learning“, es geht um „innovative Lehre“, es geht darum, wie die  Verantwortlichen für die Aus- und Weiterbildung digitale Medien in die Bildungsprozesse des deutschen Sports einbinden: 60 Sportarten, 98 Mitgliederverbände, 2000 Bildungsverantwortliche und 580.000 TrainerInnen. Das Feld ist groß. Aber das Feld ist auch vermint, an vielen Stellen wollen die Verantwortlichen kein „e“, weil sie damit die Präsenz in Gefahr sehen, weil der PC oder das „Mobile“ doch nicht den Sport ersetzen könne, weil das „e“ so unberechenbar aufwändig scheint, auch noch kostet, irgendwie so fern von Spaß, Schwitzen und Bewegung.

Doch nach dem Ideologiekampf kommen die Realisten. „Blended“ heißt es da, alles wird gemischt, das  Beste aus zwei Welten. Ohne „e“ wird der deutsche Sport an Qualität verlieren, so einer der Projektleiter. Aufspringen auf den fahrenden Zug, Entzug wird schwer.

Doch wir wollen keine Angst machen, sondern Mut, Zuversicht, Vertrauen … und Stolz. Stolz? Ja, auf die eigene Lehre, auf wertige Vermittlung, starke Gedanken, besseres Handeln, darauf, dass man jungen Menschen etwas „beibringt“ kann. Geht das nur mit „e“? Natürlich nicht, aber das „e“ macht Bildungsprozesse zeitlich flexibler und intensiver.

Flexibel und intensiv, Wunschprogramm oder Realität? Die Präsentationen auf dem 3. Hauptmeeting haben es gezeigt: Wir reden nicht über kleine Piloten, sondern über eine neue Praxis der Trainerausbildung, die sich bundesweit Bahn bricht. Selbstbeobachtung, Fehler zulassen, Rat annehmen. Das hat weniger mit dem „e“ zu tun als mit Kulturwandel.

Der Kulturwandel ist auch erklärtes Ziel im SALTO-Bildungsnetz, jener werdenden „Online-Plattform“ des Deutschen Olympischen Sportbunds, die Bildungsverantwortlichen Orientierung im e-Dschungel bieten und kollegialen Austausch ermöglichen soll. „Soll“, so möchten wir das alle. Doch, wie geht das Anfangen? In dem man an eine Zukunft glaubt, die es noch nicht gibt, aber so tut, als ob sie schon da ist. „SALTO wird erfolgreich gewesen sein“. Und wir waren dabei. Ja, so könnte es etwas werden.

Social Video Learning … von der Software zur Kulturtechnik

Die 10. Forschungswerkstatt (FWS) von Peter Baumgartner liegt hinter mir. Erstmals war ich dort als „special guest“ für das Thema Social Video Learning eingeladen. Was ist hängen geblieben, wo liegen bei mir die Wow‘s und Ahh‘s?

Klasse fand ich, dass es so unkompliziert möglich war, die Forschungswerkstatt in einem Blended-Format auszurichten, also durch eine vorbereitende und nachbereitende Online-Phase zu rahmen. Methoden erklärt / erfährt man ja am besten durch Methoden. Peter sagte in der Präsenzphase, dass ihm das Potenzial erst so richtig durch eigenes TUN aufgegangen sei. Ja, wir müssen vielmehr zwischen Tun und Reflektion hin und herpendeln, wenn wir Neues in die Welt bringen wollen.

Die Bereitschaft zu experimentieren – selbst im Rahmen einer Bildungsexpedition wie die FWS – ist noch ausbaufähig. Das merkt man z.B. an der Zurückhaltung, eigne Videos von sich in der ersten Online-Phase zur Verfügung zu stellen oder auch in der Präsenz Videos selber zu machen. Aber eines gilt als sicher: Ohne Videos kein Social VIDEO Learning. Und ohne Bereitschaft zur (Re)Kommentierung, ganz bestimmt auch kein SOCIAL Video Learning. Hier geht der Blick weg von der Software hin zu Kulturtechnik. Und hinter der noch werdenden Kulturtechnik steckt die Herausforderung der (teilöffentlichen) Selbstbeobachtung oder ganz generell, der reflexiven Beobachtung (mit Video). Um hier weiter zu kommen, experimentiere ich gern mit so etwas wie „Situationen einfrieren“, also live im Workshop, das wirft alle Beteiligten „aus der Zeit“, lässt uns für einen Moment „neben uns stehen“, es ermöglicht und legitimiert (!) eine Beobachtung der Dinge und Prozesse, die im Raum "passieren". Interessanter Weise geht das im Sport leichter, da werden Videos zur Bewegungsanalyse gedreht bis der Arzt kommt, Kommentierung und Rekommentierung fallen leicht und sind gängige Praxis. Vielleicht weil der (funktionalisierte) Körper im Zentrum steht, nicht die ganze Person, die Persönlichkeit? Kann sein. Ggf. ist so eine De-Zentrierung von der eigenen Person eine wichtige Voraussetzung dafür, mit Videos als Instrument der Selbstreflexion und damit Selbstzentrierung zu arbeiten. Paradox, aber fruchtbar. Aber es geht auch einfacher: Wenn ich z.B. als Ingenieur oder technische Servicekraft ein technisches System videografiere, ich selber als Person nicht vor die Linse komme, dann ist das mit dem Video kein Problem und ich denke auch mit der Kommentierung nicht. Fangen wir also besser bei den Ingenieuren an ;-).

Sehr interessant in der Forschungswerkstatt waren die Perspektiven der Teilnehmer und Teilnehmerinnen: Kunstpädagogin, Veternärmediziner, Schulpädagoge, IT-Unternehmer, Lerndesignerin / Cutterin, Sozialinnovatorinnen, … alle schauen auf „Video“ und die didaktischen Möglichkeiten, nicht nur als Repräsentationsmedium, sondern als Mittel für Konstruktions- und soziale Aushandlungsprozesse. Letzteres war neu und in der Werkstatt wurden nicht selten von Seiten der Kunstpädagogik (Perspekivität, Macht, Konstruktion) interessante Querverbindungen aufgezeigt, die gerade für die Didaktik fruchtbare Impulse liefern.

Fazit: Das Thema Social Video Learning ist für mich ein „schlafender Zwergriese“: Schlafend, weil wir die Potenziale für individuelles Lernen und organisationale Zusammenarbeit erst langsam verstehen. Zwergenhaft, weil man das Potenzial ganz simple darin sehen kann, mehr „Interaktion in das Thema Video“ zu bringen. Riesenhaft deshalb, weil die koordinierende und kohärenzschaffende Funktion von Videokommentaren vom Individuum über Gruppen bis ganzen Organisationen praktisch am Anfang steht und theoretisch Neuland ist (vgl. Lissack). An dieser Stelle möchte ich jedenfalls weiterdenken, gern auch in Kombination mit Pattern, so wie es Peter angekündigt hat.

Von „Schwererziehbaren“ lernen – eine Buchbesprechung

Ich kenne Nobert Büning seit der diesjährigen didacta in Stuttgart. Wir sind uns nur kurz begegnet, haben ein paar Worte gewechselt und vielleicht auch etwas in die Zukunft geblinzelt. Nebenbei haben wir über sein neues Buch gesprochen „Lernen im Unternehmen“. Ich war interessiert. Ein Tag später liegt das Buch in meinem Postkasten, mit einem lieben Gruß. Über Ostern ist dann eine kleine Buchbesprechung entstanden, gacker, gacker. 

Emotions in Learning ... Sprünge, keine Hüpfer

Am Dienstag war ich in Zürich, um an der eLearning Konferenz SeLC teilzunehmen. Die Organisatoren (u.a. Tagesmoderation Prof. König und Dr. Stoller-Schai) hatten sich viel Mühe gegeben, um einen guten Mix aus fachlichem Input, diskussionsorientiertem world café und humoriger Reflexion rund um "Emotions in Learning" zusammenzubringen. Bei dieser Aufzählung fällt der Humor gleich ins Auge, der auf vielen Konferenzen einfach zu kurz kommt. Durch die Integration eines Spontantheaters wurde nicht nur gelacht, sondern auch nachgedacht – wer wollte.

Ich selber war als Referent in einer der world cafés aktiv. Meinen 10 min Impuls „Social Video Learning – ein Medium bekommt Flügel“ war geeignet (u.a. durch beipielhafte Einbettung in einen Servicekräftetrainings-Fall der swisscom, Danke an Herr Früh!), um Fragen gerade zur Didaktik anzustiften. Teilnehmern/innen primär aus der Wirtschaft, aber auch aus dem Gesundheit- und Hochschulbereich fanden die Möglichkeiten des Videodialogs interessant: Weg von der rezeptiven Einbahnstraße hin zum sozialen Austausch, wer will das nicht?

Aber genau an dieser Stelle wurde an den Tischen etwas ganz anderes sichtbar, nämlich, ob die eigene Organisation solche Dinge wirklich, wirklich (!) gut findet: Videos aus dem echten Leben, unternehmensweiter Austausch, Offenheit und Kritikoption durch Kommentierung oder ganz generell: „Hier spricht der/die Mitarbeiter/in!“. Und so kommt man von der technischen Möglichkeit, über didaktische Notwendigkeiten zu Fragen der Lern- und Organisationskultur.

Um das gleich wieder einzufangen, sollte man didaktische Entscheidungen einfordern: Wer darf Videos machen? Auch die Mitarbeiter/innen? Einfach so, ohne Kontrolle? Welche Art von Videos? Wer macht Videokommentare? Haben die Videos genügend Relevanz, dass man sie kommentiert? Haben die Mitarbeiter/innen überhaupt den Mut, Kommentare zu machen? Ist Mut hier der richtige Begriff? Wer sieht Videokommentare, welche, wann? Was bringt das alles? Welche Währungen stecken in diesem „Bringen“? Wer regelt das, social guidelines? Wer handelt die aus? Wie handelt man aus?

Man merkt, der Weg beginnt mit Fragen, die so neu nicht sind. Neu ist, dass die Mitarbeiter/innen ihr Lernen (und die Bedingungen) vielleicht stärker als bisher selbst zum Thema machen. Und das ist gut so, denn das hat viel mit Emotionen zu tun und lässt auf Sprünge hoffen, keine Hüpfer.

Wieder in Wien – 10. Forschungswerkstatt

In den letzten Jahren habe ich immer wieder versucht an der Forschungswerkstatt von Peter Baumgartner teilzunehmen. Zweimal ist mir das gelungen (Emergenz und soziale Innovation) und jedes Mal bin ich mit Gewinn nach Hause gefahren.

Auf Einladung von Peter stehe ich nun selber "vorne", als Referent, um mit vielseitig interessierten Teilnehmern/innen eine didaktische Expedition zum „Social Video Learning“ zu wagen. Expedition, das klingt nach Neuland, ja, das ist es wohl auch. Die didaktischen Potenziale einer punktgenauen Videokommentierung und der soziale Austausch mit diesen Videoartefakten ist eine noch junge Innovation. Wir Ghostthinker betreiben diesen „Sport“ zwar schon im siebten Jahr, haben also Erfahrung, aber es gibt immer noch so viel zu lernen, das merken wir jeden Tag bei Kunden oder auch in der wissenschaftlichen Distanz.

Umso mehr freut es mich, dass Anfang Mai ganze zwei Tage für die wissenschaftliche Durchdringung eingeplant sind. Vielleicht klappt es, dass wir die Forschungswerkstatt gleich im Blended-Format umsetzen, denn dann können die Teilnehmer/innen Social Video Learning erleben. Wir wollen ja nicht von einem Geist sprechen.

Wer also Lust und Zeit hat, sich mit einer wissenschaftlichen Fragehaltung dem Thema zu nähern, der/die ist herzlich eingeladen. Den Anmeldelink findet ihr hier.

Das schafft nur die didacta

Nach gefühlten sieben Jahren war ich mal wieder auf der didacta, der größten Bildungsmesse in Deutschland. Wir Ghostthinker hatten uns im Vorfeld einen Platz auf dem Gemeinschaftsstand des eLearning SUMMIT@didacta 2014 ergattert und so hatten wir eine ca. zwei Quadratmeter große „Homebase“ mit angehängtem eLearning Forum, Gästetischen, Getränken und belegte Brötchen inklusive. Sehr toll, was das Team um Frank Siepmann da angeboten hat und mit Sicherheit ein didaktisches Format mit Innovationscharakter im ansonsten eher uniformen Messeeinerlei.

Was mir an der didacta nun wirklich gefallen hat? Es fühlte sich ein wenig an wie ein Fest, mit vielen bunten Teilnehmern/innen aus den unterschiedlichsten Bereichen: sehr viele Lehrer/innen mit Rücksäcken und vollgestopften Taschen, wohlrasierte junge Männer (auch Frauen in knappen Röhrenröcken) an übergroßen touchscreens oder whiteboards turnend, große und kleine Stände mit Hochglanzmedien von Buch bis Video. In all diesem Trubel und Würstchengeruch dann der Höhepunkt in einem der 100 Flure: ein Schülerchor, ein Musiklehrer mit Zopf … und alle sangen aus voller Brust: „Die Gedanken sind frei“, herrlich, so viel Widersprüchliches von business-like bis beschaulich unter einem Bildungsdach. Das schafft nur die didacta!

Und die Geschäfte? Wir hatten „interessante Gespräche“, so sagt man ja. Aber im Ernst: Ich habe z.B. zum ersten Mal Karlheinz Pape getroffen (mr barcamp), dem unser Social Video Learning-Ansatz gefiel (Frank Siepmann sprach gar vom „next big thing“) und der ein Video vom euphorischen und sportvernarrten Frank gemacht hat (hier zum Anschauen). Oder Norbert Buning, der das eLearning Forum moderierte und uns in den Pausen gekonnt informell den ein oder anderen Interessenten zuspielte – cool, so macht das Spaß und so und nur so finden man die Geistesbrüder und Geistesschwestern. Schließlich hatten wir eine Reihe von Gesprächen, die in Richtung Videoinstruktion gingen. Ja, das ist jetzt Trend, diese Sache mit „dem Video“. Deshalb gilt auch bis auf weiteres unser Motto: We STOP Videos, … dann kommt was in Bewegung ;-).

Interview zum „Blended Learning“

Vor Kurzen wurde ich von Sandra Werner von der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sportbund e.V. zum Thema „Blended Learning im Sport“ interviewt (hier geht es zum Interview). Im April diesen Jahres startet an der Führungs-Akademie eine einjährige Ausbildung zum „DOSB-Verbandsmanage/in“, klar im Blended Learning-Format und erstmals auch mit edubreak® im Rahmen der Managementausbildung!

Ich habe das Gefühl, dass dieses Jahr so einiges in Bewegung kommt (u.a. Dank SALTO): die Anzahl der Fachverbände aber auch Landessportbünde steigt an, die sich mit Blended Learning beschäftigen wollen und sicherlich auch müssen. 2014 ist Blended Learning kein Thema mehr für Exoten, Pioniere oder Außenseiter, sondern geforderter Alltag von Leitungspersonal im Bereich Aus- und Weiterbildung. Meine feste These: An dem „Besten aus zwei Welten“ (Präsenz & Online) kommt niemand mehr über kurz oder lang in der Methodenevolution vorbei.

Für die E-Learning-Fach-Community ist das was ich sage nicht neu. Aber darum ging es im Interview auch nicht. Ziel war es vielmehr auf die typischen Fragen zu antworten, die bei Novizen zu diesem Thema gestellt werden. Es geht um Grundverständnis, Befürchtungen bzw. Ängste und Potenziale.

In diesem Zusammenhang wird für mich die Frage einer „klugen“ Implementation (jenseits von analytischen Modellen) von Bildungsangeboten immer interessanter: Wie (!) führt man in Blended Learning ein? Welches Wissen brauchen Novizen, beim Start und im Prozess? Wie beteilige ich Lehrreferenten, wie Geschäftsführer? Wie organisiert man das ZusammenSPIEL auf der Mikro-, Meso- und Makroebene (vgl. Euler) und zwar in den verschiedenen Zeitphasen.

Nachdem wir nun schon viele Jahre dabei helfen, Blended Learning in Sportorganisationen „ans Laufen zu kriegen“, ist die Zeit reif, intensiver über diesen „dynamischen Prozess der Implementation“ nachzudenken und Elemente für ein (pragmatisches) Modell zusammenzutragen.

Am Montag war ich in Dubai

LEADING TRANSFORMATION TO SUSTAINABLE EXCELLENCE - Featuring three refereed international scientific conferences on Quality, e-Learning Excellence and Healthcare & Environment” so der vollständige Titel der größten Fachkonferenz im arabischen Raum. Ich habe es mir nicht nehmen lassen, die weite Reise nach Dubai anzutreten, um im sportbegeisterten Dubai für das didaktische Konzept rund um den edubreak®CAMPUS und das Einsatzfeld „Sport“ zu werben. Grundlage für die Reise war ein wissenschaftlicher Artikel, den ich zusammen mit Gabi Reinmann geschrieben habe. In diesem Artikel nehmen wir erstmals die multiplen Interventionsstrategien im “Flaggschiff-Projekt” mit dem Deutschen Tischtennis Bund e.V. (SALTO-Teilprojekt: Blended Learning) unter die Lupe. Diese Entwicklungen seit 2007 lassen sich als „sozialer Wandel“ deuten, also genau das, was auch als Leitidee hinter SALTO steht.

"In the end it will be the “orchestration” of didactical, technical, cultural, organizational and financial aspects at different levels (micro-, meso- and macro-level) to tip the scales in favour of triggering and consolidating a social change. This social change will alter two things: the concrete training practice of coaches and moderators, and the structures that stabilize and “protect” such new practices. The DTTB is well on its way to implementing a “system change”, which turns it into the flagship of German (and international) sports as far as the implementation of digital media in coach training is concerned. (Aus: Vohle & Reinmann, in print: Social video learning and social change in German sports trainer education)."

Obwohl keine Sportfachleute beim mündlichen Vortrag vor Ort waren, konnten ich doch eine Reihe positiver Rückmeldungen einfangen. Der Schwerpunkt der nachgelagerten Diskussion vor allem mit Kolleginnen aus den USA lag interessanterweise auf dem Thema „learning to teach“, also dort, wo edubreak® immer schon seine Stärken ausspielen konnte, nämlich bei der Ausbildung von Sporttrainern/innen, aber eben auch Schullehrern/innen, Hochschuldozenten/innen, freien Coaches, beruflichen Ausbildern/innen, kurz: im reflexions- und sprachintensiven train-the-trainer-Model.

Ich fahre mit vielfältigen Erfahrungen zurück nach Deutschland. Zum Ersten weiß ich: Alles wird „smart“, zumindest in Dubai. Gemeint ist der mobil-Trend. Ganz manifest wird das durch die aktuelle Umwidmung der Hamdam bin Mohammed smart University, früher „e“ University. So macht man das in Dubai. Zum Zweiten spielen im arabischen Raum bisher noch (große) Techniknamen eine Rolle: Man setzt auf Smartboard, Mac, iPad etc. Das genaue didaktische Szenario oder eine didaktisch inspirierte Technologie wird noch weitgehend ausgeblendet bzw. wurde wenig diskutiert. Wie so oft auf Konferenzen vermisse ich die dichte Beschreibung von Beispielen. Zum Dritten hat mich die Breite der Teilnehmer/innen fasziniert: pechschwarz gekleidete Frauen aus dem Oman nur mit Augenschlitz auf der einen Seite und freche Amerikanerinnen in Freizeitkleidung auf der anderen Seite; dazwischen allerhand weiße Gewänder mit Turban und klassische Schlipsträger europäischer Prägung. Ich hatte den Eindruck, dass der wissenschaftliche Rahmen – ganz analog zum olympischen Frieden – DIESE Unterschiede für den Moment in den Hintergrund treten ließ.

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