Weiterbildungsblog
Kommunizieren - Lehren - Lernen: Was machen Sie mit Web-Videos?
… fragt Andrea Back in der aktuellen, zwölften Ausgabe unseres WissensWert Blog Carnivals. Am Video, so scheint es, führt kein Weg vorbei - aber welche Rolle spielt das “neue”, web 2.0-basierte Video wirklich, wenn es um das Lernen oder Arbeiten in Unternehmen geht? Wer also bereits von Erfahrungen berichten kann, ist herzlich eingeladen, mit einem Beitrag die Diskussion voranzutreiben. Redaktionsschluss ist der 31. März.
“Fragen, die aktuell verbreitet gestellt werden, sind: Welche Unternehmen machen Web-Videos schon und wofür? Was bringen diese Videos den Nutzern in ihren Arbeits- und Lernprozessen, wie setzten sie diese genau ein? Sind Videoformate nicht Zeitverschwendung? Ist es nicht längst an der Zeit, dass Unternehmen die Sperrung von Video-Websites wie Youtube oder Vimeo am Arbeitsplatz aufheben? Was ist eigentlich genau der Web-2.0-Anteil dabei? Wirkt man mit “user-generated” Videos als seriöser Anbieter nicht unprofessionell?”
Andrea Back, WissensWert Blog Carnival, 3. März 2010
PS: Nicht abgesprochen, aber zeitgleich berichtet Elliott Masie in seinem aktuellen Newsletter von “video learning in so many modes” (und er zählt wirklich eine beeindruckende Zahl von Varianten auf!), um anschließend zu fragen: “I would be quite interested in hearing from Learning TRENDS readers about their experiments with video.”
Nine Information Alternatives to the Now Defunct Training Magazine
Das Training Magazine (UK) hat sein Erscheinen eingestellt. Nun, das wird hierzulande für die Wenigsten eine Nachricht sein. Aber zwei Nachwirkungen sind vielleicht erwähnenswert: Jay Cross nimmt die Meldung zum Anlass, um seine Begegnungen mit der Zeitschrift Revue passieren zu lassen. Das liest sich ganz unterhaltsam (hier). Und Karl Kapp spendet allen Verzweifelten Trost und listet einige Alternativen auf, die es nach wie vor gibt: TrainingIndustry, Chief Learning Officer, eLearnMagazine und …
Karl M. Kapp, Kapp Notes, 2. März 2010
E-Learning im Betrieb
“E-Learning ist Berufsbildung im Sinne des Betriebsverfassungsgesetzes und unterliegt damit der Mitbestimmung.” (S. 7) Deshalb gibt es in vielen Unternehmen Betriebsvereinbarungen, die den Einsatz von E-Learning regeln. 29 betriebliche Vereinbarungen aus acht Branchen, abgeschlossen zwischen 1997 und 2008, wurden von der Hans-Böckler-Stiftung ausgewertet, um “Trends aufzuzeigen, Hinweise und Anregungen für die Gestaltung eigener Vereinbarungen zu geben”. Mit diesem Ziel vor Augen gibt der Autor einen kurzen Überblick über den Gegenstand “E-Learning” und die wichtigsten Punkte, die in den Vereinbarungen abgedeckt werden: Ziele von Programmen und technischen Einrichtungen, Rahmenbedingungen, Qualitätsmerkmale von Lernprogrammen, Leistungs- und Ergebniskontrollen sowie Datenschutz und Beteiligung des Betriebsrates.
Als offene Probleme werden hervorgehoben:
- “An den Arbeitsplätzen mangele es an ungestörten Lernzeiten …”
- “Der Erfahrungsaustausch mit Kolleginnen und Kollegen, wie er bei Seminaren oder Workshops üblich ist, werde vermisst …”
Und ich möchte ein Problem hinzufügen: Die ersten Vereinbarungen stammen aus den Jahren 1997 bis 2001. Wenn es separate E-Learning-Vereinbarungen braucht, dann gehören diese mindestens alle zwei Jahre überarbeitet. (via Tim Schlotfeldt)
Winfried Heidemann, Hans Böckler Stiftung, 2009
But what’s the solution?
Kurz zum Ball, den die Überschrift aufnimmt: Vor einigen Tagen haben Don Tapscott und Anthony D. Williams einen Artikel mit, nüchtern formuliert, Thesen zur Hochschulentwicklung geschrieben (”Innovating the 21st-Century University: It’s Time!”). Alles kalter Kaffee, antwortete daraufhin Tony Bates. Die Analyse der Autoren, so der Kritiker Bates, geht an einem zentralen Punkt vorbei: “The basic problem is that you cannot use constructivist learning approaches with classes of 100 students or more. I know, I’ve tried.” Die Antwort von Tapscott und Williams kam postwendend: “Tony Bates is wrong on a number of points.” Dabei insistieren sie - noch einmal - auf den Möglichkeiten, die neue Technologien für das Lehren und Lernen bieten. Einig sind sich alle in einem Punkt, dass nämlich “lobbying and fighting for better student-teacher ratios is something we should all continue to do.”
Tony Bates, EDUCAUSE Review, Vol. 45, No. 1 (Januar/Februar 2010), S.16-29 [Kommentar]
How professionals learn
Clive Shepherd gibt hier die Essenz eines Artikels aus dem (kostenpflichtigen) Fachmagazin Training Journal (UK) wieder. Ein spannendes Thema, wenn auch die dauernde Verknüpfung von “Professionals” und “Training” die Lektüre aus meiner Sicht schwierig macht. Denn Professionals werden nicht mehr trainiert, sondern trainieren sich selbst, während sie ihre Aufgaben lösen. Natürlich ist das folgende Statement leicht nachzuvollziehen: “The majority of self-study e-learning is likely to be too slow, too long and too boring - they just want the key points.” Aber die Frage ist doch: Was können Bildungsverantwortliche überhaupt noch für Professionals leisten? Nicht Content, sondern Rahmenbedingungen schaffen.
Clive Shepherd, Clive on Learning, 23. Februar 2010
Kevin Kelly tells technology’s epic story
Ein bewährtes Format (TED Talks), ein bewährter Referent. Kevin Kelly, Editor bei Wired und Autor u.a. von “Better than free”, versucht, Technologie in unserem Leben einen Platz und einen Wert zu geben. Informative Slides, einige Zitate zum Aufbewahren (z.B. “Technology is anything invented after you were born.” - Alan Kay - und “Technology is anything that doesn’t work yet.” - Danny Hillis -) und die Botschaft, dass es keine schlechte, sondern nur bessere Technologien gibt. Unterhaltsam.
Kevin Kelly, TED Talks, Februar 2010
What’s WRONG with the edublogosphere?
Scott McLeod hat mit dieser Frage schon eine kleine Flut von Kommentaren losgetreten (42 bis jetzt). Einige der interessanten und unterhaltsamen Antworten:
“… people who “uncork” because they feel they are anonymous …”
- “Sometimes I think that all these edubloggers are just talking to each other …”
- “The edublogasphere is just too small. Too few people writing blogs, too few people leaving comments and too few even reading blogs.”
- “The problem as I see it, the edublogosphere is dominated by the those who are seen as the Mothers and Fathers of education, leaving little room for those regular folk with great ideas to gain any readership.”
- “The biggest problem is that those that are on the front lines (teachers, others working directly with students every day) are also the ones with the least amount of time to contribute to the discussion.”
- “Twitter seems to keep many bloggers from posting.”
Aber Scott McLeod ist selbst aktiver Blogger. Im nächsten Beitrag soll es deshalb um die Frage gehen: “what’s RIGHT with the edublogosphere”. (via Stephen Downes)
Scott McLeod, Dangerously Irrelevant, 25 Februar 2010
Managing tomorrow’s people
Die Studie ist schon ein paar Tage alt (2009). PwC stellt hier drei interessante Szenarien (”world or business models”) vor, die nach Meinung der Autoren 2020 nebeneinander stehen werden. Im Vordergrund steht die Frage, was diese Modelle für die Beziehung zwischen Unternehmen und Mitarbeitern bedeuten und worauf sich HR-Strategie und -Management einstellen müssen. Und hier schwimmt ja Corporate Learning automatisch mit. PwC unterscheidet in der Studie zwischen der Green World (”Sustainable business is good business”), der Blue World (”Corporate is still king”) und der Orange World (”Tribes thrive”) , die am Beispiel von drei fiktiven Unternehmen näher beschrieben werden.
Was bedeutet das für Mitarbeiter? Sie wählen das Unternehmen, das eine “klare Botschaft” sendet und mit dem sie sich am besten identifizieren können:
Green: “Your corporate values match mine - I belong here.”
Blue: “Only the best work here - I am the best.”
Orange: “I will work with you because it suits me right now.”
Weitere Informationen zum Thema und zur Studie finden sich auf den Seiten von PwC.
PriceWaterhouseCoopers (PwC), 2009 (pdf)
7 Jahre Horizon Report
Link zur Originalgrafik: hier.
Metareflexion EduCamp - stay hungry, stay foolish
Na, das passt ja hervorragend: Karsten D. Wolf hat sich einige Gedanken gemacht, zu offenen Bildungsinitiativen im Allgemeinen und zum Format der EduCamps im Besonderen. Begrüßenswert, dass er sich in diesem Blogbeitrag ganz auf einige Problembereiche konzentriert, die er beim Format EduCamp beobachtet hat. Und die wären aus seiner Sicht:
- “Non-digital”-Reformer sind bisher nicht in die Veranstaltung/ Community eingebunden.
- Es besteht die Gefahr einer “konsensualen Monokultur in Bezug auf Web 2.0 in der Bildung”.
- EduCamps könnten durchaus noch mehr Positionen gebrauchen (von “EduPunk” bis “EduHipHop”) - JR: aber hier packt KD Wolf wirklich alles rein, was man sich derzeit als Veranstaltungsformat denken könnte …
- Es sollte weiter über “passende Lernräume” sowie “Formatalternativen” nachgedacht werden - JR: absolut, was die räumlichen Beschränkungen betrifft, aber auch sehr anspruchsvoll, wo das eine Format noch gerade die Runde macht …
- Es sollte an besseren Formen der Dokumentation der Erfahrungen und Ergebnisse gearbeitet werden - JR: ein fast “klassischer” Anspruch, den man aus meiner Sicht gut an die Teilnehmer delegieren könnte …
Also: alles nachvollziehbar. Doch aus meiner Sicht zu viele Problembereiche auf einmal. Im Moment beginnen sich EduCamps gerade als “Anlaufstelle der Bildungshungrigen” zu etablieren. Das gleich wieder in einer Vielzahl neuer Formate und Varianten aufzulösen, wäre schade. Hinzu kommt, dass die EduCamps ja auch von ihrem “no/ low budget”-Charme und vom Engagement einiger Enthusiasten leben. Hier einen Masterplan zu entwickeln, der die erwähnten Punkte konsequent anpackt, würde wahrscheinlich den Rahmen sprengen. Aber, wie gesagt, die Punkte gehören auf den Radar!
Karsten D. Wolf, didactalab, 23. Februar 2010
Web 2.0 Strategy
Da sich die wenigsten von uns den ASTD State of the Industry Report for 2009 leisten werden, verlinke ich hier auf die untenstehende Grafik. Ist sie realistisch? Oder zu “amerikanisch”, weil man dort immer ein paar Jahre voraus ist? Na ja, die Vorhersage ist sehr weich formuliert … Janet Clarey leitet aus den Zahlen noch einige strategische Überlegungen ab. Und verlinkt am Ende auf ein kurzes “Learning 2.0″-Paper, das jeden Leser in der Fußzeile warnt: “Do not reproduce”! Klar.
Janet Clarey, A Brandon Hall Research blog, 9. Februar 2010
BarCamp-Kultur. Lernökologie mit Potentialen zur Netzwerk- und Communitybildung?
Und schon gibt es eine Diplomarbeit zum “Unkonferenzformat BarCamp”. Entstanden ist sie natürlich an der TU Ilmenau, wo auch 2008 das erste EduCamp im deutschsprachigen Raum stattfand. Marcel Bernatz hat sich dort die Frage gestellt, warum BarCamps so populär sind, ob sie als Lernorte funktionieren und ob sich dort Netzwerke oder gar Wissensgemeinschaften bilden. Das Rüstzeug für den empirischen Teil der Arbeit holt er sich bei Etienne Wenger (Communities of Practice) und George Siemens (Konnektivismus). Interessant ist auch das Kapitel zum Konferenzformat selbst, indem er die Spielregeln vorstellt, nach denen BarCamps “ticken” (und ich kann bestätigen, dass man sich auf dem letzten EduCamp in Hamburg ziemlich exakt daran gehalten hat!). Die Ergebnisse seiner Untersuchung bestätigen, dass BarCamps gut in diese Zeit passen. Marcel Bernatz fasst zusammen, “dass das Format die wesentlichen Charakteristiken einer Lernökologie erfüllt und sogar vorsichtig als optimale Lernumgebung bezeichnet werden kann” (S. 108). Wenn das kein Grund für einen Besuch ist …
Marcel Bernatz, 16. November 2009
Opel: Podcasts in der Vertriebschulung
Podcasting ist sicher eines der Themen, die sich in Corporate Learning nicht so durchgesetzt haben, wie es in ihrer Blütezeit - immerhin war “podcast” 2005 “word of the year” - prophezeit wurde. Um so schöner, wenn mal wieder eine Fallstudie das Licht der Öffentlichkeit erblickt. In der vorliegenden geht es um die Qualifizierung der Opel-Händler, um Anforderungen an Aktualität, Transfersicherung und Nachhaltigkeit und wie sich Podcasts hier als ideale Lösung durchgesetzt haben. Dabei gewähren die Autoren detaillierte Einblicke in den Projektablauf und den Workflow der Podcastentwicklung. Bleibt die Frage, ob das Projekt die Wirren der letzten Monate überstanden hat …
Aber ich möchte mit diesem Link auch gleich auf die Enterprise 2.0-Fallstudien-Plattform hinweisen, auf der dieser Artikel zu finden ist und wo die Organisatoren Andrea Back, Michael Koch, Stefan Smolnik und Klaus Tochtermann inzwischen eine kritische Masse an Cases erfasst und bewertet haben. Die Opel-Studie beispielsweise gehört zur höchsten Kategorie “gold” und ist somit “für den Einsatz als Fallstudie für die Lehre geeignet und für wissenschaftliche Artikel zitierbar, z.B. Buchkapitel”. Gut zu wissen.
Stephan Magnus und Michael Hatz, Enterprise 2.0 Fallstudien, 23. Februar 2010
Education 2.0? Designing the web for teaching and learning
Dieser Report oder “Commentary”, wie die Autoren ihn nennen, kommt aus London und ist eine Arbeit des Teaching and Learning Research Programmes. Er besteht aus zwei Teilen, die einen Überblick über das Thema “Web 2.0 und Bildung” geben. Im ersten Teil werden die Charakterstika des Web 2.0 beschrieben und zwei Spielfelder, Virtual Worlds und Social Networking, etwas näher beleuchtet. Im zweiten Teil wird der Blick nach vorne geworfen. Dabei unterscheiden die Autoren explizit zwischen Web 2.0-Technologien (die heute da sind) und Lerntechnologien, die es auf der Grundlage der Web 2.0-Prinzipien noch zu entwickeln gilt:
“Discussion of web 2.0 and learning needs to move beyond asking whether web 2.0 applications ‘work’ in education or enhance learning. Instead, educational technologists need to consider how web 2.0 can be shaped and designed along educational lines, and how education can be re-imagined in the light of new technologies. Educators should now be striving to work with technologists to shape the learning technologies of the near future.” (S. 26) (via mebner)
Technology Enhanced Learning phase of the Teaching and Learning Research Programme, Februar 2010
New Technology Supporting Informal Learning
Es gehört schon eine gehörige Portion Selbstbewußtsein dazu, die drei Kapitel eines Artikels mit “Context”, “Current” und “Future” zu überschreiben. Aber, okay, es ist Stephen Downes und er versucht hier, eloquent und assoziativ, die Zukunft des Online-Lernens zu skizzieren: “This paper describes experimentation in the development of distributed online courses and in software - particularly, the personal learning environment - that support the formation of connections between the far-flung pieces of such courses.”
Wem das noch zu allgemein ist, dem sei gesagt, dass Social Networking Technologies und Personal Learning Environments zentrale Stichworte des Artikels bilden. Wenn er von “experimentation in the development of distributed online courses” spricht, dann meint er den Connectivism-Kurs, den er zusammen mit George Siemens 2008 und 2009 durchgeführt hat. Ansonsten enthält der Artikel gerade im ersten Teil viele kluge Bemerkungen, mit denen der Autor immer wieder das Geschäftsmodell jeder Bildungsinstitution untergräbt: “First, and significantly, we often do not know what it is we want to teach the student …”
Stephen Downes, Journal of Emerging Technologies in Web Intelligence, Vol. 2, No. 1, Februar 2010
E-Learning Trends
Ich habe gestern im Rahmen eines Workshops bei der Akademie Deutscher Genossenschaften in Montabaur folgende Stichworte zur Diskussion gestellt: video-basiertes e-Learning, microlearning, mobile learning, learning on demand und social learning. Es war kein Problem, dass in dieser Liste “game-based learning” fehlte, denn nach mir kam Thorsten Unger (Zone 2 Connect), um die Lücke zu schließen. Torsten Maier (Wissen schafft Werte) stieg mit einem schönen Beispiel für Crowdsourcing und Mass Customization in seinen Vortrag ein: Brewtopia, jene australische Bier-Company, die die Kunden ihre eigenen Marken entwerfen lässt (hier der brandeins-Artikel). Dann folgte die sanfte Überleitung zur Frage, ob wir Bildungsexperten wirklich immer wissen, was und wie Mitarbeiter lernen wollen.
Jochen Robes, Slideshare, 19. Februar 2010
An Interview with Howard Rheingold
Wenn das eLearn Magazine den Internet-Veteranen und -Vordenker Howard Rheingold interviewt, dann sollte man kurz stehen bleiben und zuhören. Wenn man dann noch sein Foto sieht, wird man erst Recht neugierig. Das Interview dreht sich im Kern um die “21st Century Literacies” und Howard Rheingold erläutert, was für ihn dazu zählt: “attention, participation, collaboration, crap detection, and network awareness.”
Besonders gefallen hat mir seine Beschreibung von “crap detection”: “What anybody who’s going to be cut loose on the Internet anywhere in the world at any age needs to know are essentially two interconnected skills. One is “How do I find the answer to any question I would like to know?” … The other question, closely connected to that one, is “Once I use search to find the answer to anything I want to know, how do I determine that the answer is accurate?”
Laurie Rowell, eLearn Magazine, 9. Februar 2010
Are Blog Comments Worth It? Treasure the Conversations
Ich weiß nicht, ob hier eine unsichtbare Hand gerade die Fäden zusammenführt, aber Luis Suarez (jener IBM-Mitarbeiter, der vor einigen Monaten seinen Email-Kanal abschaltete) hat sich auch Gedanken über den Wert von Blog-Kommentaren gemacht. Nicht empirisch, sondern, indem er über Ziele und Motive von Bloggern laut nachdenkt. Wie auch immer, für Luis Suarez ist die Kommentar-Funktion elementar, unabhängig davon, ob und wie oft sie von Lesern genutzt wird. Agree, wenn ich auch überrascht bin, wie eng die Diskussion hier bei einer Funktion einer Social Media-Anwendung bleibt …
Luis Suarez, elsua.net, 8. Februar 2010
The Problem with the Data-Information-Knowledge-Wisdom Hierarchy
David Weinberger arbeitet sich in diesem kleinen Prosastück an dem bekannten Bild ab, nach dem aus der Filterung von Informationen Wissen entsteht. Das ist schön zu lesen, weil Weinberger auch kurze Referenzen an die Geschichte und Poesie einstreut. Es zeigt aber ein bekanntes Phänomen auf: Um komplexe Sachverhalte verständlich zu machen, vereinfachen wir. Die dabei gewonnenen Bilder, Modelle und Begriffe entwickeln ein Eigenleben. Und dann, nach einiger Zeit, kommt jemand und fragt, ob das Modell noch funktioniert. Kurz: Der Einwurf von David Weinberger ist nachvollziehbar, einen Ersatz hat er jedoch nicht.
“And humbug. The real problem with the DIKW pyramid is that it’s a pyramid. The image that knowledge (much less wisdom) results from applying finer-grained filters at each level, paints the wrong picture. That view is natural to the Information Age which has been all about filtering noise, reducing the flow to what is clean, clear and manageable. Knowledge is more creative, messier, harder won, and far more discontinuous.
But knowledge is not a result merely of filtering or algorithms. It results from a far more complex process that is social, goal-driven, contextual, and culturally-bound.”
David Gurteen hat hier weitere aktuelle Anmerkungen zum Thema gesammelt.
David Weinberger, Harvard Business Review Blogs, 2. Februar 2010
Rolf Schulmeister: Replik
Nur wenige Tage, nachdem sein Artikel über die “Kommentarkultur in Weblogs” die Runde machte, hat Rolf Schulmeister ausführlich Stellung genommen. Dabei bezieht er sich auf die offene Gemeinschaftsrezension auf Etherpad. “Zufrieden zurücklehnen? Neeee, nu wirds ernst: Ich möchte einige Behauptungen der Rezension nicht so stehen lassen und einige Missverständnisse aufklären”, schreibt er. Die Punkte, die er zurechtrückt, sind nachvollziehbar und für mich (auch) ein Grund, mich nicht an dieser Gemeinschaftsarbeit zu beteiligen.
Einen wichtigen Punkt, der an verschiedenen Stellen angemerkt wurde, spart er jedoch aus. Rolf Schulmeister schreibt in seiner Replik: “Es geht um die Prüfung der Hypothese, die Kommentare könnten einen Diskurs generieren.” Es ist für mich und andere nicht nachvollziehbar, warum sich dieser Diskurs - ob durch die Blog-Posts oder die Kommentare ausgelöst - in den Kommentaren widerspiegeln muss? Und um eine Rückfrage gleich vorwegzunehmen: Ich sehe nicht, dass sich durch “dieses Feature [Kommentare, J.R.] Weblogs von Websites” unterscheiden, sondern durch ihre Einbettung in einen durch Social Media geprägten Lebenszusammenhang. Konkret: Ich habe Zweifel am Sinn der Hypothese, nicht an ihrer empirisch-methodologischen Umsetzung.
Rolf Schulmeister, Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung, Universität Hamburg, Februar 2010 (pdf)
Mein Name ist Frank Vohle (Impressum s.u.). In meinem Blog halte ich einige Gedanken fest, die sich um die Themen Didaktik, Lernen, Bildung & digitale Medien drehen. Derzeit bin ich in folgenden Organisationen aktiv: