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Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends
Aktualisiert: vor 2 Stunden 10 Minuten

Digital Literacy in Higher Education, Part II

vor 17 Stunden 27 Minuten

2016 hat das New Media Consortium (NMC), das auch den jährlichen Horizon Report herausbringt, mit der Unterstützung von Adobe erste Grundlagen zum Thema „Digital Literacy“ aufgelegt. Zum Beispiel mit der Beschreibung von „three models of digital literacy“: „universal literacy“, „creative literacy“, „literacy across disciplines“. Der vorliegende Part II setzt die angefangene Arbeit fort.

So werden 11 verschiedene Digital Literacy-Modelle vorgestellt (und auch grafisch sehr schön zusammengefasst!). Die unterschiedlichen Schwerpunkte einzelner Konzepte werden beleuchtet. Dann blicken die Autoren in einzelne Bereiche wie „Humanities“, „Business“ und „Computer Science“, verlinken Materialien aus diesen Bereichen und stellen einzelne Digital Learning-Initiativen vor. Statements verschiedener Experten runden die Studie ab.

Abschließend: Die Autoren haben einen klaren Ausgangspunkt, „… the idea that digital literacy is about learners as creative producers“ (S.11) Sie weisen aber abschließend darauf hin, dass die Diskussion um Digital Literacy nie abgeschlossen sein wird. Denn wer weiß heute, ob nicht Augmented und Virtual Reality, Blockchain und Artificial Intelligence, aber auch die politischen Diskussionen um „fake news“, ganz neue Fragen und Antworten aufwerfen.
Alexander, B., Adams Becker, S., Cummins, M., and Hall Giesinger, C., Part II: An NMC Horizon Project Strategic Brief. Volume 3.4, August 2017 (pdf)

Workforce of the future: The competing forces shaping 2030

August 17, 2017 - 10:54

Auch die PwC-Berater haben sich Gedanken gemacht, wie Automatisierung und Künstliche Intelligenz die Arbeitswelt verändern. Ihre aktuelle Studie liefert jedoch keine neuen Zahlen oder Einsichten darüber, welche Jobs und Aufgaben in Zukunft verschwinden werden. Die Autoren wählen vielmehr einen szenario-basierten Ansatz und stellen uns, kurz und prägnant, „Four Worlds of Work in 2030“ vor.

Dabei gehen sie von fünf Megatrends aus: „Technological breakthroughs“, „Demographic shifts“, „Rapid urbanisation“, „Shifts in global economic power“ und „Resource scarcity and climate change“. Jetzt gibt es, so die Annahmen der Autoren, vier Optionen, wie sich diese Megatrends auf unser Zusammenleben auswirken können: „Collectivism vs. individualism“ und „integration vs. fragmentation“.

 

Diese Szenarien werden kurz beschrieben und auf ihre Konsequenzen für Unternehmen und HR abgeklopft. Der Blick in die Glaskugel führt dabei auch zu interessanten Anmerkungen wie „cognitive-enhancing drugs“ (Blue World) und Ideen wie „Guild Universitys“ (Yellow World). Fantasielose Geister könnten allerdings daherkommen und Green & Yellow nur als Ausprägungen von Red & Blue lesen.
PwC, 25. Juli 2017 (pdf)

 

Chatbots as Teaching Assistants: Introducing a Model for Learning Facilitation by AI Bots

August 17, 2017 - 06:34

Natürlich werden wir Chatbots zukünftig auch in Lehr- und Lernprozessen begegnen. Vor allem, wenn eine neue Generation von AI-gestützten Assistenten nicht nur mit vorgegebenen Antworten zur Seite steht, sondern selbständig neue Antworten generiert. Vor diesem Hintergrund haben die Bildungsexperten von SAP unter der Überschrift „Levels of Learning Facilitation by AI“ das folgende interessante Stufenmodell entwickelt:

„Level 1: Welcome learners
The AI teaching assistant welcomes new learners with personalized messages.

Level 2: Recommend content and peers
The AI teaching assistant recommends learning content, next steps, peers, and experts for collaborative learning

Level 3: Answer questions
The AI teaching assistant answers typical questions posted by learners

Level 4: Set goals and monitor learning progress
The AI teaching assistant sets learning goals for learners, communicates them, and monitors the learning progress

Level 5: Provide feedback
The AI teaching assistant provides personalized feedback

Level 6: Individual learner coaching
The AI teaching assistant proactively coaches learners by analyzing individual learning needs, making individual recommendations and providing individualized feedback.“

Ihre Einschätzung: Im Moment spielt sich vieles noch auf den Ebenen 1-3 ab. Spannend („real learning assistance“) wird es ab Ebene 4. Aber dafür braucht es noch mehr AI und noch mehr Daten (via Christoph Meier).
Lars Satow, SAP Blogs, 12. Juli 2017

Working Out Loud als mentales Onboarding für die Digitale Transformation

August 16, 2017 - 11:20

„Richtig angewendet“, schreibt Sebastian Hollmann (Continental), „wird WOL daher zum netzwerkbasierten Lern- und Arbeitsansatz für die Digitale Transformation.“ Working Out Loud (WOL), das ja derzeit in aller Munde ist, kann aus seiner Sicht auf zwei Wegen „gelebt“ werden: Man kann, mit dem richtigen „Mindset“ im Rucksack, damit beginnen, seine Erfahrungen mit anderen auszutauschen und zu teilen. Twitter, Facebook, Podcasts, der eigene Blog sowie die Treffen vor Ort sind zum Beispiel die Kanäle, die Sebastian Hollmann nutzt. Oder man folgt dem strukturierten Ansatz, den John Stepper ausführlich beschrieben hat: ein Ziel definieren, sich 12 Wochen lang mit Gleichgesinnten in WOL-Circles treffen, usw. Beide Wege und wichtige Leitplanken werden hier ausführlich vorgestellt und mit persönlichen Erfahrungen und Begegnungen verbunden. Und wer gerne etwas O-Ton hören möchte, kann den Autor übrigens auf der Zukunft Personal („Meet the Blogger“) treffen. Da habe ich übrigens auch unterschrieben …
Sebastian Hollmann, Zukunft Personal | HRM Expo BLOG, 14. August 2017

10 books every L&D leader needs to read

August 15, 2017 - 11:34

Eine Zusammenstellung unter diesem Titel ist natürlich kaum zu kommentieren oder zu bewerten, deshalb will ich sie hier gerne durchreichen. Sie findet sich, inklusive kurzer Erläuterungen, auf den Seiten von Towards Maturity, einem britischen Weiterbildungs-ThinkTank und will die Vorlage des vergangenen #BookLoversDay aufnehmen.

  1. Nudge: Improving Decisions About Health, Wealth and Happiness (Cass R. Sunstein, Richard H. Thaler)
  2. Freakonomics: A Rogue Economist Explores the Hidden Side of Everything (Steven D. Levitt & Stephen J. Dubner)
  3. Learning Technologies in the Workplace: How to Successfully Implement Learning Technologies in Organizations (Donald H. Taylor)
  4. The Learning Challenge: Dealing with Technology, Innovation and Change in Learning and Development (Nigel Paine)
  5. First, Break All the Rules: What the World’s Greatest Managers Do Differently (Marcus Buckingham, Curt Coffman)
  6. Electronic Performance Support Systems (Gloria J. Gery)
  7. Revolutionize Learning & Development: Performance and Innovation Strategy for the Information Age (Clark Quinn)
  8. Black Box Thinking: The Surprising Truth About Success (Matthew Syed)
  9. Drive: The Surprising Truth About What Motivates Us (Dan Pink)
  10. Steve Jobs: The Exclusive Biography (Walter Isaacson)

Levi Phillips, Towards Maturity, 15. August 2017

Bildquelle: Annie Spratt (unsplash)

Bildung und Umgebung (I). Wege aus der pädagogischen Provinz

August 14, 2017 - 14:26

Der Autor arbeitet sich am Stand der Bildung ab, und wie bei vielen „schönen“ Texten kann man sich auch hier nie ganz sicher zu sein, alle Botschaften verstanden zu haben. Bildung, das nehme ich mit, hatte mit dem Lesen von Büchern zu tun und war in nationalen Traditionen (Provinz!) verwurzelt. Dann kam Bologna und bescherte zwar eine „Europa-Beamten-Bürokratie“, aber nicht die erhoffte, grenzüberschreitende Mobilität der Studierenden. Nicht bestellt, aber einflussreicher sind dagegen die sozialen Netzwerke, die von Silicon Valley aus den europäischen Kommunikations- und Bildungsraum prägen. In diesem ersten Teil drückt Heiko Christians vor allem sein Unbehagen an einigen aktuellen Veränderungen aus. Die Stichworte „Medienkometenz“ und „Bildungsroman“ fallen. Aber die Auflösung erfolgt wahrscheinlich erst in der Fortsetzung dieses Artikels. Mal sehen, ob sie der Verlag wieder offen ins Netz stellt…

„Dass sich gleichzeitig – nach Bologna, Pisa oder Lissabon (also nach dem »Übereinkommen über die Anerkennung von Qualifikationen im Hochschulbereich in der europäischen Region« vom 11. April 1997) – weder die internationale Mobilität der Studierenden verbessert hat, die wahrscheinlich sogar im Mittelalter höher war als heute, noch die sogenannte Regelstudienzeit durchschnittlich besser eingehalten wird, ist als deprimierende Zwischenbilanz der Reform schon akzeptiert. Obwohl sie mit genau diesen Verheißungen eingeleitet worden war, zeigt sich jetzt, dass es womöglich doch weniger um studienorganisatorische als vielmehr um (macht)- politische Ziele gegangen sein dürfte.“

Heiko Christians, Merkur, Jahrgang 71, Heft 819, August 2017

Bildquelle: Goldmund100 (Luca Volpi, Wikimedia)

 

Sammelrezension zum Thema informelles Lernen

August 14, 2017 - 05:43

2016 sind zwei Handbücher zum „Informellen Lernen“ erschienen – mit insgesamt über 1.500 Seiten. Herausgeber sind zum einen Marius Harring, Matthias D. Witte und Timo Burger, zum anderen Matthias Rohs. Man kann darüber spekulieren, was der doppelte Versuch einer systematischen Darstellung des Themas über den Stand der Diskussion sagt. Vicki Täubig hat sich jedenfalls durch beide Werke gearbeitet, hält sich aber in ihrer Rezension mit eigenen Einschätzungen zur Sache zurück. Sie entdeckt viele Parallelen, Unterschiede (hier mehr Jugend-, da mehr Erwachsenenzentrierung) und Schwerpunkte (digitale Medien im Handbuch von Matthias Rohs, internationale Perspektiven bei Marius Harring, Matthias D. Witte und Timo Burger). Am Ende wirbt sie wirklich für ein „mäanderndes Lesen“, das sich jeweils aus beiden Handbüchern bedient. Eine charmante Idee, aber vielleicht doch eine Zeitfrage …
Vicki Täubig, in: Erziehungswissenschaftliche Revue (EWR),16 (2017), Nr. 4, 2. August 2017

Wissensmanagement kompakt

August 11, 2017 - 21:11

Das Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) in Düsseldorf hat die Broschüre „Wissensmanagement kompakt“ herausgegeben. Es ist eine praxisorientierte Handreichung für Unternehmen, die das Wissen erfahrener Mitarbeiter*innen sichern und den Wissenstransfer in ihrer Organisation unterstützen wollen. Den roten Faden bilden die Bausteine des Wissensmanagements nach Probst/ Raub/ Romhardt. Dabei widmet sich die Broschüre vor allem der Wissensidentifikation und dem Wissenstransfer, die mit zahlreichen Methoden und Einsatzbeispielen unterlegt werden. Die Rede ist unter anderem von der Qualifikationsmatrix, Wissenslandkarten, Kompetenzprofilen (Wissensidentifikation), von altersgemischten Teams, Mentoring und Wissensstaffeln (Wissenstransfer). In diesen konkreten Beispielen (mit Ansprechpartnern!) liegen Charme und Nutzen der Broschüre. Allerdings fehlen Projekte, in denen versucht wird, diese Wissensprozesse – auch mit Hilfe neuer Netztechnologien – im Arbeitsalltag und der informellen Kultur des Unternehmens zu verankern. Aber dafür hätte man wahrscheinlich den Blick von Industrie und Produktion weg auf andere Branchen werfen müssen.
Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa), 31. Juli 2017 (pdf)

Why Adopt Microlearning – 15 Questions Answered

August 11, 2017 - 15:50

Eine nützliche Übersicht über das Konzept „Microlearning“. Aus meiner Sicht wird dem Stichwort schon fast etwas zuviel zugemutet, aber dafür werden alle denkbaren Perspektiven aufgenommen und beleuchtet: Was Microlearning ist („an action-oriented approach of offering bite-sized learning that gets learners to learn, act, and practice“), die Vorteile von Microlearning, die verschiedenen Einsatzfelder und Designs und sogar einige Anmerkungen zum ROI. Als Auszug anbei die im Artikel aufgeführten Formate:

„Interactive parallax based scrolling, mobile apps, short videos, interactive videos, whiteboard animations, kinetic text based animations, complex branching scenario based simulations, infographics, eBooks and flipbooks, iPDFs (interactive PDFs)“

Asha Pandey, EI Design, 10. August 2017

Meinungsbeiträge: New Educonomy

August 10, 2017 - 15:43

Zum Stichwort „New Educonomy“ hat die Redaktion der Bundeszentrale für politische Bildung jetzt noch zwei Positionen ergänzt: Martina Schmerr (GEW) und Tobias Kollmann (Universität Duisburg-Essen) nehmen jeweils Stellung zum Verhältnis von Bildungsbereich und Digitalisierung, ohne sich aber richtig ins Gehege zu kommen. Während Martina Schmerr für Grenzen und Transparenz plädiert, unterstreicht Tobias Kollmann die Bedeutung digitaler Kompetenzen und den Nachholbedarf in Deutschland. Beides kann man gut nacheinander lesen.
Bundeszentrale für politische Bildung/ werkstatt.bpb.de, 27. Juli 2017

Seven Reasons to Use a WordPress eLearning Platform

August 10, 2017 - 08:53

Wer in L&D eines Großunternehmens arbeitet, sollte vielleicht diesen Artikel überspringen oder erst nach Feierabend lesen. Natürlich kann WordPress kein LMS ersetzen. Aber: WordPress ist wahrscheinlich das weltweit am häufigsten genutzte Content Management System und damit längst seinem Ursprung als Blogging-Plattform entwachsen. Man kann WordPress selbst hosten oder externe Dienste in Anspruch nehmen. Es ist fast beliebig anpassbar. Fast jede denkbar Funktion kann ergänzt werden, um Kurse, Inhalte und Medien interaktiv zu gestalten. Und fast jede Verknüpfung mit sozialen Netzwerken und Tools ist möglich. Denn hinter WordPress steht eine weltweite Community, die auf (fast) jede Frage eine Antwort hat.

Zur Erinnerung: Auch unser Corporate Learning 2025 MOOCathon läuft auf einer WordPress-Installation.
Pamela Hogle, Learning Solutions Magazine, 9. August 2017

Bildquelle: Dave Clements (Wikimedia)

Lernen und Bildung Erwachsener

August 9, 2017 - 09:56

Neben „schöner Literatur“ habe ich mir im Urlaub auch ein Fachbuch gegönnt und „Lernen und Bildung Erwachsener“ von Horst Siebert eingepackt. Horst Siebert, das vorneweg, ist eine feste Größe in der Erwachsenenbildung, hat das Fach mitentwickelt, in Hannover gelehrt und ist inzwischen emeritiert. Das Buch ist 2011 zum ersten Mal erschienen und wurde für die 3. Auflage (2017) von Matthias Rohs um ein Kapitel „Erwachsenenbildung in der digitalisierten Gesellschaft“ erweitert. Auch ein Kaufgrund für mich.

Das Buch richtet sich vor allem an Studierende der Erwachsenenbildung und will ihnen Überblick und Orientierung geben. Es enthält fünf Kapitel, die keiner strengen Logik folgen, sondern eher verschiedene Perspektiven auf den Gegenstand „Erwachsenenbildung“ werfen. Ihre Überschriften lauten: 1. Lernforschung im Überblick, 2. Biografisches Lernen, 3. Lehr-Lernsituation, 4. Bildung in der Gesellschaft der Postmoderne, 5. Theorien der Erwachsenenbildung. Hinzu kommt das abschließende Kapitel von Matthias Rohs.

Da meine Lektüre größtenteils bei tropischen Temperaturen in Südfrankreich erfolgte und sich in den familiengesteuerten Tagesablauf einbetten musste, will ich an dieser Stelle in lockerer Reihung aufzählen, was ich „mitgenommen“ habe.

  • Horst Siebert ist ein Vertreter einer konstruktivistischen Erkenntnis- und Lerntheorie. Das ist heute zwar kaum noch eine Nachricht wert, aber man erfährt als Leser dieses Grundlagenwerks sehr schön, was der Konstruktivismus als Dach alles zusammenführt: Das beginnt (natürlich) mit einer klaren Vorstellung vom Lernen und von Lernprozessen: Sie sind „situiert“, „biografisch eingebettet“, „selbstgesteuert“, „lebensweltbezogen“. Wie ein roter Faden wird immer wieder darauf hingewiesen, dass das Lernen Erwachsener geprägt von persönlichen Erfahrungen ist, verankert in unterschiedlichen soziokulturellen Milieus, geprägt von beruflichen Anforderungen und familiären Situationen.
  • Aus den weiteren Bezügen, die sich aus der konstruktivistischen Erkenntnis- und Lerntheorie ergeben, will ich nur zwei Punkte herausgreifen: zum einen die Verbindung zu den Erkenntnissen der Neurowissenschaften bzw. Gehirnforschung, auf die Horst Siebert natürlich ausführlich hinweist. Er führt an, dass unser Gehirn (als „wichtigstes Lernorgan“, S.74) autopoietisch, operational geschlossen, strukturdeterminiert und selbstorganisiert funktioniert und dass es als geschlossenes System vorwiegend mit sich selbst kommuniziert, Lernen also überwiegend als „innerer Monolog“ stattfindet. Aber Horst Siebert stellt auch fest, dass, so faszinierend die Erkenntnisse der Gehirnforschung auch scheinen, ihre didaktisch-methodischen Konsequenzen „begrenzt“ sind (S. 68).
  • Zum anderen spannt Horst Siebert eine Verbindung zwischen postmoderner Gesellschafts- und konstruktivistischer Erkenntnistheorie, wenn er Pluralität (als „Vielfalt der Wirklichkeiten, der Wahrheiten, der ‚Vernünfte‘“) als Schlüsselbegriff hervorhebt. „Lernen in der Postmoderne ist eine unabgeschlossene Suchbewegung.“ (S. 145)
  • Der letzte Punkt weist auch darauf hin, dass „Lernen und Bildung Erwachsener“ mehr Disziplingeschichte als ein (systematisches) Handbuch zur Didaktik und Methodik des Erwachsenenlernens ist. Aber natürlich fällt das Stichwort „Ermöglichungsdidaktik“, und natürlich ergeben sich aus den Ausführungen von Horst Siebert unmittelbare Konsequenzen für die praktische Gestaltung und Umsetzung von Lehr-/ Lernsituationen. Zwei Zitate, die das unterstreichen:

„Erwachsene sind lernfähig, aber unbelehrbar. Das schließt jedoch nicht aus, dass sie mit und von anderen lernen.“ (S. 95)

„Dies ist ein wesentlicher Unterschied zwischen Schulpädagogik und Erwachsenenbildung: In der Schule sind die Themen von dem Fächerkanon vorgegeben. In der Erwachsenenbildung werden die Themen durch die Teilnehmer vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen und Verwendungssituationen konstruiert.“ (S. 80)

  • Horst Siebert zeichnet auch nach, wie sich in den letzten Jahrzehnten die Schwerpunkte der Erwachsenenbildung verändert haben. „Qualifikation – Kompetenz – Bildung“ lautet die Überschrift eines Kapitels. Hier spricht er sogar von der „Renaissance und Reinterpretation des Bildungsbegriffs“: „Bildung ist ohne Wissen, Qualifikationen, Kompetenzen nicht denkbar. Aber Bildung enthält darüber hinaus eine ethische und politische Dimension. Bildung basiert auf einem humanistisch-demokratischen Menschenbild.“ (S. 50) Das ist vermutlich schon 2011 geschrieben, aber auch heute jederzeit anschlussfähig.
  • Zum Stichwort „Disziplingeschichte“ hier eine interessante Zusammenfassung von Horst Siebert:

„Überblickt man die Erwachsenenbildungsforschung der vergangenen 50 Jahre, lassen sich folgende Trends und Akzentverschiebungen feststellen:
– von Pädagogik zum Bildungsmanagement (Organisationsentwicklung, Personalentwicklung, Change Management)
– von der Lern- und Entwicklungspsychologie zur Biografieforschung
– von der Bildungssoziologie zur Milieuforschung
– von der fachspezifischen Forschung zur interdisziplinären Forschung
– von der nationalen Perspektive zur komparativen, internationalen Perspektive
– von der Institutionenforschung zur Netzwerkforschung
– von formalen Lernprozessen zur Verbindung formalen und informellen Lernensvon der Lehrforschung zur Qualitätssicherung.“ (S. 41)

  • Zum Abschluss noch zwei Beobachtungen: Wenn Horst Siebert von Erwachsenenbildung spricht, dann sind ihm die Volkshochschulen als Lernorte näher als die Arbeitsplätze in Unternehmen und Organisationen. Betriebliche Weiterbildung kommt nur am Rande vor. Das kann auf Leerstellen der Lehr-/ Lernforschung oder den persönlichen Erfahrungshintergrund des Autors hinweisen. Oder auf beides.
    Der andere Punkt: Es ist sicher nur eine Notlösung, wenn die Digitalisierung und ihr Einfluss auf das Lernen und die Bildung Erwachsener in einem separaten Kapitel nachgeschoben wird. Sie gehört in jedes Kapitel (ohne dass selbstverständlich das Stichwort in jedem Kapitel fallen muss).

Mein Fazit: Ich habe das Buch mit großen Gewinn gelesen, weil es von der ersten bis zur letzten Seite unterstreicht, dass Lernen ein selbstgesteuerter Prozess ist, lebenswelt- und situationsbezogen. Der Begriff „Biografisches Lernen“ bringt es auf den Punkt und zeigt die Grenzen der Informationsvermittlung im Sinne einer „Belehrungsdidaktik“ auf.
Horst Siebert: Lernen und Bildung Erwachsener. Bielefeld (W. Bertelsmann Verlag) 2017, 3., überarb. Auflage, 243 S.

What does the 6th annual Learning in the Workplace Survey say about the state – as well as the future – of L&D?

August 8, 2017 - 13:14

Bevor ich mich in den nächsten Tagen immer wieder mal an die Links und Artikel setzen werde, die in den letzten Sommerwochen erschienen sind, zuerst etwas Aktuelles: Jane Hart hat wieder die Besucher ihrer Seite gefragt, wie sie verschiedene Lernangebote und -wege im Arbeitskontext einschätzen. 12 Möglichkeiten standen zur Auswahl – von Classroom Training bis Web Search. Und 93 Prozent der Teilnehmer setzten wieder „daily work experiences“, also die täglichen Arbeitserfahrungen, auf den ersten Platz. Dazu Jane Hart:

„The most interesting thing to note about these results is that the 4 most valued ways of learning – Daily work experiences, Knowledge sharing with teamsWeb search and the use of Web resources – are all self-organised and self-managed “non-designed” forms of learning, whilst “designed” and “organised” forms of learning like Classroom training and E-Learning – both of which L&D traditionally has focused on – are the least valued ways of learning in the workplace.“

Das hat natürlich Konsequenzen für L&D. Es kann, so Jane Hart, nicht einfach darum gehen, Präsenzveranstaltungen und E-Learning attraktiver zu gestalten. In den Vordergrund rückt vielmehr die Unterstützung der Mitarbeitenden und Führungskräfte bei den vielen selbstorganisierten, informellen Lernprozessen, die sie täglich am Arbeitsplatz „leben“. Das ist jetzt keine neue Botschaft, aber die Umfrage liefert einen weiteren Beleg.
Jane Hart, Modern Workplace Learning Magazine, 8. August 2017

E-Learning-Tools

August 7, 2017 - 16:45

Die aktuelle Ausgabe des FNMA Magazins (Forum Neue Medien in der Lehre Austria) stellt verschiedene Tools vor, die in der Lehre und Zusammenarbeit an österreichischen Hochschulen zum Einsatz kommen. Eine Mischung aus kurzen Steckbriefen, Manuals und Erfahrungsberichten. Behandelt werden Kahoot, Twitter, OneNote, Planner, Yammer, Classmill, KnowledgeFox, dazu einige Computerspiele, die beim Sprachenlernen eingesetzt werden. An der einen oder anderen Stelle wird auch der Kontext gestreift, in den der Einsatz eingebettet ist (Flipped Classroom, Microlearning). Und auch kritische Töne finden Platz, wenn z. B. Philippe Wampfler auf die „Gefahr der Quizifizierung der digitalen Bildung“ hinweisen darf.
FNMA Magazin, 02/2017 (pdf)

Sommerpause

Juli 21, 2017 - 12:00

Der/ das Weiterbildungsblog geht in die Sommerpause. Bis zum 7./ 8. August. Ich wünsche allen Leser*innen eine erholsame Zeit!

Mit besten Grüßen
Jochen Robes

Bildquelle: Ciprian Boiciuc (Unsplash)

openSAP MOOC “digitales Talent Management” – mein Recap

Juli 19, 2017 - 19:03

Parallel zu unserem Corporate Learning 2025 MOOCathon hat ja SAP den MOOC „Digitales Talent Management“ veranstaltet. Mehr xMOOC als cMOOC, aber auch mit über 1.600 Anmeldungen. Thomas Jenewein geht in einem ersten Rückblick auf verschiedene Punkte ein: die Skalierung, die Vielfalt der Perspektiven, den Medienpragmatismus der Veranstalter und, wenig überraschend, den Aufwand, der hinter einem MOOC steckt.

„Persönlich bin ich eher ein Freund von Lernsettings, bei denen ich entscheiden kann wann ich wie lerne. Auch lerne ich gerne via Austausch und Reflektion. Ein xMOOC, wie die openSAP Plattform es vorsieht, gibt dagegen ein fixes Gerüst vor – was auf der einen Seite einengt, auf der anderen Seite skaliert. Auch zeigen die Befragungen, dass die Mehrheit der Teilnehmer lieber formell lernen. Die meisten Teilnehmer bewerten die formellen Ansätze wie Videos (93%) oder Tests (82%) hilfreich für den Lernerfolg – vs. der eher informellen Ansätze wie Gameplan Challenge (32%) oder Point of Views (23%). Wie immer macht es die Mischung – und ich hoffe wir konnten die eine oder andere Anregung geben.“

Thomas Jenewein, SAP Community/ Blog, 18. Juli 2017

“Der gute Lehrer rückt wieder mehr in den Vordergrund”

Juli 18, 2017 - 15:12

Der Titel führt aufs falsche Gleis. Denn im Interview darf Christian Sellmann, Gründer und Geschäftsführer von education gateway, die Online-Lernplattform Learnity.com vorstellen. Natürlich geht es da auch irgendwo um “gute Lehrer”, aber zuerst um gute Lernvideos und dann um mögliche Geschäftsmodelle des Online-Lernens. Vorneweg: Learnity.com, die Experten und Lernende auf ihrer Plattform zusammenbringt und sich über einen Anteil an den Umsatzerlösen oder Werbeeinnahmen finanziert, trägt sich noch nicht selbst. Christian Sellmann:

“Das soll und wird sich natürlich ändern. Die Herausforderung ist, mit der Plattform eine entsprechend große Bekanntheit zu erreichen, um vor allem mehr Nutzer zu erreichen. Da es auf learnity.com einen so großen und bunten Fächer an Themen gibt, ist es anspruchsvoll, das mit Werbemaßnahmen zu unterstützen, weil die Zielgruppen so unterschiedlich und divers sind – dies bedarf einer gewissen Investition.”

Deshalb steht education gateway auf drei weiteren Säulen. Das Interview ist übrigens in der aktuellen Ausgabe von DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung mit dem Titel “Digital/ Analog”. Und wer sich einen Überblick über den Stand der Diskussion zur “Digitalisierung der Bildung” verschaffen will, dem sei die Einleitung von Jan Rohwerder (”Stichwort ‘Digital’”) empfohlen. Komprimierter geht es nicht.
Jan Rohwerder, Interview mit Christian Sellmann, DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung, 3/2017

“Der gute Lehrer rückt wieder mehr in den Vordergrund”

Juli 18, 2017 - 15:04

Der Titel führt aufs falsche Gleis. Denn im Interview darf Christian Sellmann, Gründer und Geschäftsführer von education gateway, die Online-Lernplattform Learnity.com vorstellen. Natürlich geht es da auch irgendwo um “gute Lehrer”, aber zuerst um gute Lernvideos und dann um mögliche Geschäftsmodelle des Online-Lernens. Vorneweg: Learnity.com, die Experten und Lernende auf ihrer Plattform zusammenbringt und sich über einen Anteil an den Umsatzerlösen oder Werbeeinnahmen finanziert, trägt sich noch nicht selbst. Christian Sellmann:

“Das soll und wird sich natürlich ändern. Die Herausforderung ist, mit der Plattform eine entsprechend große Bekanntheit zu erreichen, um vor allem mehr Nutzer zu erreichen. Da es auf learnity.com einen so großen und bunten Fächer an Themen gibt, ist es anspruchsvoll, das mit Werbemaßnahmen zu unterstützen, weil die Zielgruppen so unterschiedlich und divers sind – dies bedarf einer gewissen Investition.”

Deshalb steht education gateway auf drei weiteren Säulen. Das Interview ist übrigens in der aktuellen Ausgabe von DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung mit dem Titel “Digital/ Analog”. Und wer sich einen Überblick über den Stand der Diskussion zur “Digitalisierung der Bildung” verschaffen will, dem sei die Einleitung von Jan Rohwerder (”Stichwort ‘Digital’”) empfohlen. Komprimierter geht es nicht.
Jan Rohwerder, Interview mit Christian Sellmann, DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung, 3/2017

Social Learning statt Silodenken in deutschen Konzernen – und alle so „Yeah“: Miteinander, voneinander, unternehmensübergreifend und selbstorganisiert

Juli 17, 2017 - 20:20

Es gibt ein wachsendes Netzwerk von Mitarbeitern, in dem praktiziert wird, was Sabine Kluge (Global Program Manager L&D bei der Siemens AG) „konzernübergreifendes Miteinander-Lernen“ nennt. Zu den Unternehmen gehören neben Siemens unter anderem Bosch, Continental, Audi, Daimler, DHL und die Deutsche Bahn. Die Ideen, die sie zusammenführen, lauten Selbstorganisation, Transformation, Holakratie und, immer wieder, Working Out Loud. Sabine Kluge erzählt von einigen Ortsterminen aus der ersten Jahreshälfte 2017 und was die Beteiligten motiviert, sich über ihr Tagesgeschäft hinaus mit diesen Themen zu beschäftigen. Das ist ansteckend.
Sabine Kluge, LinkedIn/ Pulse, 7. Mai 2017

Aus dem Netz in den Kopf

Juli 17, 2017 - 06:25

Der Deutschlandfunk hat sich fünf Tage mit dem Lernen im Netz beschäftigt. Dabei ging es vor allem um die Möglichkeiten und Grenzen von Lernvideos. Man spricht mit Entwicklern von Videotutorials, hält Lernapps zum Sprachenlernen hoch, erfährt von Christian Spannagel etwas über den Flipped Classroom (und warum auch Vorlesungen ihren Platz behalten werden) und diskutiert über die Popularität des neuen Trends. Das meiste bleibt an der Oberfläche. Als ob YouTube gerade erst gestartet wäre. Dabei gibt es die Khan Academy seit 2007. Und das wäre – in meinen Augen – ein spannender Zugang zum Thema gewesen: Am Beispiel dieser Plattform zu zeigen, welche Diskussionen mit Schulen, Lehrern und Nutzern in den USA geführt wurden, wie Investoren und Philanthropen sich für eine Plattform mit Mathe-Tutorials begeistern (und was hierzulande ganz anders läuft) und warum Salman Khan den Drang verspürte, nach dem Erfolg seiner Lernvideos eine eigene Schule ins Silicon Valley zu setzen. In der Reihe des Deutschlandfunk bleiben Fagen wie “Passt die Idee des Unterrichtens noch in die digitale Welt?” (Stefan Aufenanger) etwas verloren im Raum stehen.
Deutschlandfunk, Campus & Karriere, 10. – 15. Juli 2017

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