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Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends
Aktualisiert: vor 1 Stunde 10 Minuten

Mein Wochenausklang: Dritte Orte

Dezember 8, 2017 - 21:17

Manchmal hört man einen Begriff ein paar Mal, aber weil er sich nicht umstandslos in das eigene Gedankengebäude einbauen lässt, lässt man ihn vorbeiziehen. So ging es mir mit dem „Dritten Ort“. Jetzt hat Christoph Köck auf Facebook einen Artikel von Aat Vos verlinkt mit dem einladenden Titel „Warum Bibliotheken ein Dritter Ort für alle werden sollten“. Den habe ich gelesen, bin neugierig geworden und noch eine Weile am Thema drangeblieben.

Nach einigen Klicks wusste ich, dass Ray Oldenburg, ein amerikanischer Soziologe, für den Begriff verantwortlich ist. Schon 1989 in „The Great Good Place“ unterscheidet er den „first place“ (unser Zuhause), den „second place“ (unseren Arbeitsplatz, das Büro) und eben die „third places“, Orte, an denen man zusammenkommt, sich zwanglos trifft und wohlfühlt. Als Beispiele für solche „third places“ werden immer wieder Cafés, Clubs, Büchereien und Bibliotheken genannt. Starbucks ist übrigens so ein „third place“, auf den viele Schreiber gerne verweisen. Auch Aat Vos in seinem Aufruf an die Bibliotheken.

Im Rahmen meiner Kurzrecherche bin ich dann auch auf Aufzählungen von Merkmalen von Third Places gestoßen. Zum Beispiel die Folgende, die Wikipedia Ray Oldenburg zuschreibt: „Free or inexpensive; Food and drink, while not essential, are important; Highly accessible: proximate for many (walking distance); Involve regulars – those who habitually congregate there; Welcoming and comfortable; Both new friends and old should be found there“.

Aber dann wird es in vielen Artikeln schnell bunt: Third Places sind mal „Orte des Analogen“, mal „Coworking Spaces“, mal „Orte des Transits“ oder gar virtuelle Third Places. Auch den „Vierten Ort“, eine Kombination aus 1,2 und 3, habe ich gefunden. Kurz: Viele fühlen sich offensichtlich eingeladen, den Begriff „Third Places“ mit ihren eigenen Ideen und Anliegen zu füllen. Was sicher auch damit zu tun hat, dass sein Ursprung noch in einer anderen Zeit, vor dem Internet und der Vernetzung, liegt.

Also denke ich einfach mal mit. Auf der einen Seite finde ich die Idee sehr charmant (aber wahrscheinlich ist „wichtig“ hier angebrachter), einen Ort in der Nachbarschaft zu haben, wo man hingehen kann, zwanglos und informell, um „draußen“ zu sein, in der Community und mit der Möglichkeit, sich auszutauschen. Und natürlich denke ich dabei auch an Volkshochschulen, Bibliotheken und Buchläden, zentrale Plätze. Ich wohne in Enkheim, einem Stadtteil am Rand von Frankfurt, und ich wüsste jetzt auf Anhieb nicht, wo in Fußnähe ein solcher Dritter Ort wäre. Ein Café und zwei Sportvereine kommen der Idee noch am nächsten. Aber ich will jetzt keinen Beitrag zur Stadt(teil)entwicklung schreiben.

Denn ich starte ja gedanklich meist beim Digitalen und überlege beim Stichwort „Dritte Orte“, dass gerade das tägliche Arbeiten im Netz, das Homeoffice, das Netzwerken, das Online-Kommunizieren und -Lernen, solche Dritte Orte immer wichtiger machen. Auch, um sich über Erfahrungen und Erlebnisse im digitalen Raum auszutauschen. MOOCs eingeschlossen. Ich kann und will das Stichwort jetzt hier nicht abschließen, sondern werde die Idee im neuen Jahr bei passender Gelegenheit wieder aufnehmen. Dritte Orte als Lernorte …

Bildquelle: Fabio Pozzebom/ABr (Wikipedia, CC BY 3.0 br)

„Lerner nicht wie Kinder behandeln“

Dezember 7, 2017 - 22:20

Am 30. Januar 2018 hält Charles Jennings eine Keynote auf der LEARNTEC in Karlsruhe. Grund genug, ihn noch einmal nach dem 70:20:10-Konzept und der Rolle und Bedeutung des informellen Lernens am Arbeitsplatz zu befragen. Ich will an dieser Stelle nicht die Grundlagenarbeit von Charles Jennings zusammenfassen, die er in diesem Interview leistet, sondern picke mir einzelne Hinweise heraus:

– dass die meisten E-Learning-Angebote heute „noch viel zu contentlastig sind“;
– dass eine Verlagerung von „courses to resources“ notwendig ist, auf die „Unterstützung von Mitarbeitern in ihren täglichen Arbeitsabläufen“;
– dass soziale Netzwerke für Wissensarbeiter sehr wichtig sind;
– und dass die meisten Erwachsenen sehr wohl selbst wissen, welche Fähigkeiten sie benötigen.
Kirsten Seegmüller, Interview mit Charles Jennings, Haufe/ Redaktion wirtschaft+weiterbildung, 7. Dezember 2017

Against the 3A’s of EdTech: AI, Analytics, and Adaptive Technologies in Education

Dezember 6, 2017 - 06:56

Im Hintergrund laufen derzeit wieder die Abstimmungen für den nächsten Horizon Report und die Technologien, denen in den nächsten Jahren der größte Einfluss auf das Lehren und Lernen zugeschrieben wird. Maha Bali ist aktiv in diesen Abstimmungsprozess involviert, sucht aber eine Plattform, um ihr Unbehagen gegenüber den „3A’s“ (Artificial Intelligence, Analytics und Adaptive Learning) auszudrücken. Dabei geht es ihr vor allem um zwei Punkte:

a) die Rolle des Lehrenden, die in ihren Augen in der Diskussion um die „3A’s“ auf ein Set von Tätigkeiten reduziert wird, die sich automatisieren lassen (oder auch nicht);
b) die Daten und Algorithmen, die Lehrenden und Lernenden schrittweise die Kontrolle über ihre Lernaktivitäten entziehen.

Es sind gute, wichtige Punkte, die in die laufende Diskussion gehören und sich hoffentlich auch im kommenden Horizon Report wiederfinden. Viele Links auf weitere Autor*innen und Artikel ergänzen diesen Beitrag.
Maha Bali, The Chronicle of Higher Education, 29. November 2017

Bildquelle: NMC Horizon Report: 2017 Higher Education Edition (YouTube)

Kompetenzen für eine digitalisierte Arbeitswelt: ein Orientierungsrahmen

Dezember 5, 2017 - 10:46

Christoph Meier schreibt: „Die digitale Transformation erfordert neue Kompetenzen und Fähigkeiten auf Seiten von Mitarbeitenden in Unternehmen und Organisationen. Hier besteht weithin Einigkeit. Doch worin bestehen diese Kompetenzen genau? Und was heisst dies für Bildungsverantwortliche?“

Um sich ersten Antworten zu nähern, hat Christoph Meier verschiedene Quellen zusammengetragen, Modelle und Aufstellungen, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven dem Thema nähern. Von BITKOM, NMC bis Institute of the Future. Dann kommt noch der Wandel selbst, die digitale Transformation, hinzu, die auch noch einmal spezifische Kompetenzen verlangt.

Festhalten können wir heute, dass es zwar zahlreiche Modelle gibt, aber die „Übersetzungsarbeit“ bleibt: Was bedeuten digitale Kompetenzen für eine Branche, eine Unternehmung und eine konkrete Rolle? Und wie können wir die Entwicklung dieser Kompetenzen unterstützen?
Cristoph Meier, scil-Blog, 30. November 2017

What Is A Learning Management System? LMS Basic Functions And Features You Must Know

Dezember 4, 2017 - 09:21

Auswahl, Einführung und Pflege eines Learning Management Systems (LMS, Lernplattform) bestimmen immer noch den Alltag des Online-Lernens. Auch meinen. Von daher ist diese Handreichung von Christopher Pappas hilfreich. Und zwar nicht, weil sie Neuigkeiten oder Trends abbildet, sondern systematisch durch zentrale Frage- und Weichenstellungen führt. Im Einzelnen:

– What Is The Primary Function Of An LMS? …
– Who Can Benefit From An LMS? …
– LMS Deployment Options …
– LMS Customer Types …
– LMS Licensing Types …
– LMS Pricing Models …
– LMS Specification Support Types …
– Learning Management System Benefits …
– Top Features To Look For In Your New LMS: 1. Reports And Analytics, 2. Responsive Design, 3. Intuitive User Interface, 4. Support Services, 5. eLearning Assessment Tools, 6. Gamification Features, 7. Compliance And Certification Support, 8. Social Learning Support, 9. Localization
Christopher Pappas , eLearning Industry, 3. Dezember 2017

Bildquelle: TeroVesalainen (Pixabay)

Leitfaden E-Learning: Digitale Lern­angebote kennen und nutzen

Dezember 1, 2017 - 11:23

Das ist natürlich wirklich eine Herausforderung: in Zeiten, in denen die Grenzen zwischen online und offline verschwimmen und in denen sich Hunderte von Tools und Formaten im Netz tummeln, noch „E-Learning“ zu erklären. Aber es ist den Machern dieses Leitfadens ganz gut gelungen.

Es gibt einen kurzen Einstieg, der die neuen Chancen betont, die die Digitalisierung bzw. E-Learning für das lebenslange Lernen bieten. Dann werden sechs Formen des E-Learning vorgestellt: Lernsoftware (Webbased Training), Onlinekurse („Im Inter- oder Intranet“), MOOCs („Wie an der Uni“), Videotraining („In kleinen Häppchen“), Apps („Lernen unterwegs“) und Blended Learnig („Mit Präsenzphasen“). Dann folgt noch ein Kapitel zum informellen Lernen und den Möglichkeiten, sich selbst mithilfe von Online-Videos, Blogs, Wikis und sozialen Netzwerken schlau zu machen. That’s it. Drumherum noch einige kurze Tipps und Aufzählungen.
Stiftung Warentest, 30. November 2017

Corporate Learning Regionaltreffen – Frankfurt/ RheinMain

Dezember 1, 2017 - 08:07

Nach dem Corporate Learning Camp im September stand ja wieder einmal die Frage im Raum, was eigentlich „danach“, bis zum #clc18, passiert. Einige Optionen wurden bereits in Frankfurt diskutiert, von regionalen Aktivitäten, Online-Communities bis zu regelmäßigen Webinaren. In der Zwischenzeit haben die Ersten die Initiative ergriffen und Regionaltreffen organisiert. Zum Beispiel in Stuttgart („Die Corporate Learning Community Region Stuttgart ist live“). Nach diesem Vorbild gibt es jetzt auch für alle Interessierten aus Frankfurt bzw. RheinMain noch im alten Jahr die Gelegenheit, sich zu vernetzen und die Themen aus MOOCathon und Camp weiterzuspinnen. Die Einladung steht jetzt im Netz.
Xing, 30.11.2017

Bildquelle: Rainer Bartl (Storify)

Class Central Learner Survey (2017): MOOC Users Highly Educated, Have Experienced Career Benefits

November 30, 2017 - 13:04

Class Central ist seit einigen Jahren die erste Anlaufstelle, wenn es um die Entwicklungen der MOOC-Anbieter und -Plattformen geht. In diesem Jahr haben sie die Nutzer ihres Dienstes nach ihren MOOC-Erfahrungen gefragt und die Rückmeldungen ausführlich aufbereitet. Ohne an dieser Stelle auf die Details einzugehen, hier eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse:

„Overall, we found that Class Central users tend to be highly educated. You are interested in MOOCs for both personal and professional reasons, and many of you have experienced career benefit from MOOCs. On the whole, you aren’t keen to pay for MOOCs, and you are divided over the value of the social and interactive elements of MOOCs.“

Etwas irritierend fand ich allerdings den Hinweis, dass sich 21 Prozent der Teilnehmer an dieser Umfrage als “not familiar” mit MOOCs bezeichneten …
Dhawal Shah, Class Central, 27. November 2017

What are the 3 big HR technology disruptions for 2018?

November 30, 2017 - 10:07

Auf Josh Bersin habe ich erst kürzlich verlinkt („HR Technology Disruptions for 2018“). Dieser Artikel enthält noch einmal so etwas wie Essenz seines Ausblicks. Er rückt hier vor allem die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz für das Personalmanagement und seine Systeme noch einmal stärker in den Vordergrund. Er schreibt: „Nearly every HR technology vendor is now offering “machine learning,” “AI,” or some form of chatbot in their products.“

Es folgen einige Beispiele. Sie wirken zum Teil skurril, zum Teil sehr weit entfernt. Aber vielleicht werden wir uns irgendwann einmal wehmütig an diese Vorboten erinnern:

„Another vendor has an AI tool that can read documentation, identify the “learning” and “micro-learning” embedded in the language, and build a small quiz automatically. Imagine running this software against all your documentation, policy manuals, and safety procedures! It’s an instant “micro-learning” development system.“

Josh Bersin, Inside HR, 6. November 2017

Bildquelle: Markus Spiske (Unsplash)

How Independent Bookstores Have Thrived in Spite of Amazon.com

November 29, 2017 - 20:59

Der überraschende Befund: „Between 2009 and 2015, the ABA [American Booksellers Association] reported a 35 percent growth in the number of independent booksellers, from 1,651 stores to 2,227.“ Ryan Raffaelli (Harvard Business School) hat sich auf eine umfassende Spurensuche begeben. Nach Auswertung seiner Feldstudien sieht er die Ursache für das Wiederaufleben der Buchläden in den “3 C’s”:

  • community: „Independent booksellers were some of the first to champion the idea of localism; … by stressing a strong connection to local community values.“
  • curation: „Independent booksellers began to focus on curating inventory that allowed them to provide a more personal and specialized customer experience. …“
  • convening: „Independent booksellers also started to promote their stores as intellectual centers for convening customers with likeminded interests—offering lectures, book signings, game nights, children’s story times, young adult reading groups, even birthday parties. …“

Verstärkend kam hinzu, dass die ABA den Erfahrungsaustausch der Independent Booksellers aktiv unterstützte. Das Resümee des Feldforschers dürfte auch die Buchhandlungen, Bibliotheken und Volkshochschulen hierzulande interessieren:

“The theoretical and managerial lessons we can learn from independent bookstores have implications for a wide array of traditional brick-and-mortar businesses facing technological change,” Raffaelli says. “But this has been an especially fascinating industry to study because indie booksellers provide us with a story of hope.”

Carmen Nobel, Harvard Business School/ Working Knowledge, 20. November 2017

Bildquelle: Pj Accetturo (Unsplash)

Wie funktioniert Beats Biblionetz? Und wie funktioniert Beat?

November 29, 2017 - 17:19

Man muss etwas Zeit mitbringen. Denn Jöran Muuß-Merholz interviewt Beat Döbeli nicht einfach, sondern beide tauchen tief in den Alltagswahnsinn von Wissensarbeitern ein, die sich mit offenen Tools und persönlichen Routinen täglich durch Projekte, Aufgaben, Deadlines, Informationen, Nachrichten und Kontakte bewegen. Gelebtes persönliches Wissensmanagement, zwischen Email, RSS und Apps.

Wer jetzt wirklich nicht weiß, wer Beat Döbeli ist, kann diese Lücke noch schnell mit einem Klick auf Beats Biblionetz schließen.

Das Interview wurde übrigens bereits vor zwei Jahren geführt und jetzt noch einmal in der Podcast-Reihe „#uneigentlich – Dinge digital geregelt kriegen“ aufgelegt. Es passt natürlich auch wunderbar zu den „Top 200 Tools for Learning 2017“, die Jane Hart vor einigen Tagen veröffentlicht hat und die einige Kolleg*innen veranlasst haben, über ihre eigenen Arbeits- und Lernwerkzeuge zu berichten. Zum Beispiel Christoph Meier und Helen Blunden.
Jöran Muuß-Merholz, Gespräch mit Beat Döbeli Honegger, 13. November 2017

Bildquelle: http://uneigentlich.edufunk.fm/

How to connect the virtual and real world?

November 28, 2017 - 21:39

Ein Link, fürs Protokoll: „How to connect the virtual and real world? Siemens #GlobalLearningCampus started a new ‚radio like‘ format combining our virtual Leadership Learning World, a podcast and a so-called ‚Call-in‘. …“
Kai-Holger Liebert, LinkedIn, 21. November 2017

Ein kleiner Roboter vertritt kranke Kinder in der Schule

November 28, 2017 - 18:28

„Roboter in der Bildung“, das war in den letzten Wochen vor allem Jürgen Handke, der in Marburg mit seinen Assistenten Pepper und Nao experimentiert (hier ein Bericht). Aber es gibt weitere Einsatzfelder und -möglichkeiten, wie dieser Artikel über einen Telepräsenzroboter zeigt. Er (mit Namen „Bee“) ermöglicht es schwer kranken Kindern, am Unterricht und an anderen sozialen Aktivitäten teilzunehmen.

„Bee verleiht ihr vor Ort Augen und Ohren. Die Schülerin kann sich nicht nur per Lautsprecher an den Gesprächen beteiligen. Sie kann auch alles, was die Kamera des Roboters sieht und was sein Mikrofon aufnimmt, über WLAN oder 4G-Mobilfunk auf ihrem Tablet streamen. Dadurch kann Jade wieder mit dem Unterricht Schritt halten und an ihr Leben vor dem Ausbruch der Krankheit anknüpfen.“

Veronika Szentpétery-Kessler, Technology Review, 27. November 2017

Bildquelle: Marius Vabo – No Isolation (Wikipedia, CC BY-SA 4.0)

Die vierte Ausgabe des Fachmagazins Synergie ist erschienen

November 27, 2017 - 18:53

Die vierte Ausgabe von Synergie, dem Fachmagazin für Digitalisierung in der Lehre, ist erschienen. Vorneweg: Sie ist wieder mit viel Liebe zum Detail gestaltet, ein wahrer Augenschmaus, und schon das Durchblättern ist ein Vergnügen! Den thematischen Schwerpunkt bilden dieses Mal „Makerspaces“, ein weiterer ist OER und Metadaten gewidmet. Kerstin Mayrberger schreibt im Editorial:

„Der Aufbau von explorativen Makerspaces, die Einbindung in die Lehre und die ersten umfassenderen Forschungseindrücke zu diesem noch jungen Themenfeld liegen vor, und es verbreitet sich derzeit stark an den Hochschulen. Von einer grundlegenden Einführung über die Anwendung in der Medizin bis hin zur Nutzung in Bibliotheken haben wir in dieser Ausgabe einen Überblick zusammengestellt und möchten Ihnen damit einen Einstieg oder interessante Anregungen zur Vertiefung anbieten.“

Eine interessante Einführung und Einordnung des Trends kommt von Sandra Schön. Sie beschreibt Makerspaces als „Kreativräume und Werkstätten an Hochschulen, in denen rund um digitale Innovationen entwickelt, gestaltet und erprobt wird“. Als solche stehen sie in unmittelbarer Nachbarschaft zu BarCamps und Hackathons. Zuschreibungen wie „selbstorganisiertes Lernen“, „DIY“, „Räume für Vernetzung“ und „Erwerb von Medienkompetenz“ fallen. Anschließend geben verschiedene Praxisberichte einen Einblick in die gelebte Wirklichkeit der Bewegung. Ansonsten kann ich noch den Reisebericht von Christian Friedrich empfehlen, der, ganz am Ende des Hefts, über „Virtually Connecting“ erzählen darf.
Synergie – Fachmagazin für Digitalisierung in der Lehre, Blog, 23. November 2017

Mein Wochenausklang: Ungleichzeitigkeiten beim Online-Lernen

November 24, 2017 - 21:16

Online-Lernen, das wurde mir diese Woche wieder an verschiedenen Stellen bewusst, bedeutet nicht für alle dasselbe. Das fängt schon beim Begriff an. Ich versuche ja inzwischen gerne, den Begriff E-Learning zu vermeiden und spreche lieber von der Digitalisierung in der Bildung oder der digitalen Bildung. Nicht unbedingt schönere Begriffe, aber sie deuten an, dass es nicht nur um einen bestimmten Ausschnitt eines umfassenden Prozesses, nämlich die Lehre oder die Schulung, geht. Andererseits ist für viele E-Learning noch eine neue Erfahrung, und sie stehen vielleicht gerade vor der Herausforderung, eine Lernplattform einzuführen oder für regelmäßige Unterweisungen eine effizientere Lösung zu finden. Das sind dann so alltägliche Ungleichzeitigkeiten, auf die man trifft.

Hinzu kommen die vielen englischen Begriffe. Ich werde ja häufig gebeten, etwas über Trends und neuere Entwicklungen zu erzählen und lande dann ganz selbstverständlich bei Microlearning, Badges und Open Educational Resources. Gibt es für Blended Learning eigentlich keinen deutschen Begriff, bin ich kürzlich gefragt worden? Doch, habe ich vorsichtig geantwortet, man könnte auch von integriertem Lernen sprechen. Wenn es sein muss. Weil der größere Teil der Anwesenden schon mal etwas von Blended Learning gehört hat. Und immer zweisprachig arbeiten, um niemanden zu verlieren?

Vor einigen Tagen gab es einen kleinen Rundbrief mit der Bitte um Beispiele neuer „Digital Learning“-Praktiken für Mitarbeitende in der Fertigung bzw. Produktion. Eine gute Frage, denn diese Zielgruppe besitzt in der Regel ja noch nicht einmal einen Arbeitsplatzrechner. Natürlich gibt es auch in diesem Bereich eine Reihe von Projekten, in denen mit Tablets gearbeitet wird, mit QR Codes, es gibt Social Augmented Learning und Virtual Reality (alles englisch, sorry …). Es bewegt sich also etwas, aber weniger im klassischen E-Learning. Andererseits sind auch diese Beispiele für die meisten Industrieunternehmen und Betriebe noch Zukunftsmusik. Wieder Ungleichzeitigkeiten.

Ich muss in diesem Zusammenhang auch an Messen wie die Online Educa (im Dezember) oder die LEARNTEC (im Januar/ Februar) denken, die ja jedes Jahr diesen Spagat leben: im Vorfeld die Einführungs-Workshops für Einsteiger und dann die Keynotes mit Visionen und Ausblicken für die, die neue Trends und Impulse suchen. Ich bin wahrscheinlich eher bei den Letzteren anzutreffen, was es aber an anderen Stellen nicht einfacher macht.

„Ich setze mich für eine digitale Volksbildung ein“

November 24, 2017 - 09:18

Wenn Joachim Sucker hier von der „Digitalisierung an Volkshochschulen“ spricht, dann beschreibt er einen andauernden Prozess, der vielleicht 2013 begonnen hat und jetzt langsam Fahrt aufnimmt. Seine Stationen lauten vhsMOOC und ichMOOC, ein Strategiepapier „Erweiterte Lernwelten“, ein Volkshochschultag, Digicircles, eine Blogwerkstatt und jetzt, ganz aktuell, die vhs.cloud, die „digitale Lern- und Arbeitsumgebung für die Volkshochschulen in Deutschland“. Inklusive Lernplattform, Videokonferenzsystem und Mediathek. Joachim Sucker erzählt aber auch, dass das Thema nicht an allen Volkshochschulen auf offene Türen trifft. Es gibt das ganze Spektrum: von den Ablehnenden bis zu den Machern, die bundesweit erste Webinare anbieten und „nach neuen öffentlichen Lernorten suchen“, was immer das auch im Einzelnen heißen mag.
Petra Schraml, Interview mit Joachim Sucker, Deutscher Bildungsserver/ Bildung + Innovation, 9. November 2017

Whatever Happened To MOOCs?

November 23, 2017 - 15:51

Eine kleine Dosis MOOC: Der Autor zeichnet kurz, knapp und korrekt die Entwicklung des noch jungen Phänomens nach. Die Fragen, die er dabei beantwortet, lauten: Where Did the Idea Originate? (hier bietet er drei Lesarten an und ordnet sympathischerweise Stanford und Sebastian Thrun erst im folgenden Absatz ein), What is a MOOC?, What Problems Did MOOCs Intend to Solve?, Do MOOCs Work?

Hier sein Fazit:

„They are still around but strikingly downsized and in the middle of being monetized and re-directed. The initial cheerleaders for MOOCs such as Sebastian Thrun, Daphne Koller, and Andrew Ng formed companies (e.g., Udacity, Coursera) that either stumbled badly, and subsequently altered their business plan. Many of these founders also departed for greener pastures …

MOOCs persist but as in the case of so many other hyped innovations using new technologies, a slimmer, more tempered, and corporate version exists in 2017 awarding certificates and micro-credentials …“

Larry Cuban, Larry Cuban on School Reform and Classroom Practice, 28. Oktober 2017

HR Technology For 2018: Ten Disruptions Ahead

November 22, 2017 - 05:06

Auch dieses Jahr soll der Ausblick des Analysten nicht fehlen. Josh Bersin hat wieder das Spielfeld der HR-Plattformen, Systeme und Tools vermessen und auf 10 „big changes“ heruntergebrochen. Natürlich gilt auch für 2017: „… things are changing faster than ever“. Und natürlich ist fast jeder Trend „most important“ und „the next big thing“. Das gehört zum Klappern des Analysten. Aber was zählt Josh Bersin nun auf?

1. A Massive Shift From „Automation“ To „Productivity“. Weg von der ausschließlichen Suche nach Effizienz. Alle wollen produktiver, kreativer, agiler werden. Kann HR (Software) hier unterstützen?
2. Acceleration Of HRMS And HCM Cloud Solutions, But Not The Center Of Everything. Die Cloud kommt, aber es dauert etwas. Weil es die gesamte Architektur betrifft.
3. Continuous Performance Management Is Here: And You Should Get With It
4. Feedback, Engagement, And Analytics Tools Reign. Hier (zwischen 3 und 4) habe ich fließende Übergänge gesehen. Die Richtung: Das Ende des jährlichen Mitarbeitergesprächs und der Zielvereinbarung. Hin zu Live-Daten und Dashboards. „… but this is still a new world“.

5. Reinvention Of Corporate Learning Is Here (im letzten Jahr hieß es „The Continuing Explosion and Evolution of the Learning Market“, aber das nur am Rande)

“ … a new breed of corporate learning tools has finally arrived, and companies are snapping them up quickly.

These include the „experience platforms,“ a new breed of „micro-learning platforms,“ modernized LMS systems, and new AI-based systems to recommend learning, find learning, and deliver learning. Virtual Reality-based learning is now alive and well, and I expect to see smarter and smarter technologies to help us find „just what we need“ along the lines of performance support. And you can now buy systems that let employees publish and share content without any major effort on your part.“

6. The Recruiting Market Is Thriving With Innovation. Der „war for talent“ ist wieder da. Hier spielt die Musik!
7. The Wellbeing Market Is Exploding. Health, Burnout, jetzt Human Performance. „The next big thing.“ Wenn nicht Privatsphäre und Datenschutz wären. Aber die bringt der amerikanische Analyst erst beim nächsten Punkt ins Spiel.
8. People Analytics Matures And Grows. Jetzt kommen Big Data und AI zu ihrem Recht. Doch: Mehr Daten als Fragen.
9. Intelligent Self-Service Tools. Wieder AI. Und die Frage, wer Ordnung in das Ganze bringt. Aber Josh Bersin sucht noch den richtigen Begriff für diesen Markt …
10. Innovation Within HR Itself. HR als Treiber und „disruptor“. Klingt etwas nach Wunschdenken.

Josh Bersin, Forbes, 2. November 2017

Berufstätige sehen sich nicht für digitale Arbeitswelt gerüstet

November 21, 2017 - 13:12

Es geht um unsere digitalen Kompetenzen und das lebenslange Lernen. Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) hat eine repräsentative Umfrage durchführen lassen, um etwas über den Stand der Dinge zu erfahren. Die wichtigsten Ergebnisse, die ich mir aus Presseinformation und Foliensatz herausgesucht habe:

  • „Drei Viertel sehen Digitalkompetenz als neue Kernkompetenz“
  • „Die meisten Berufstätigen sehen sich nicht optimal für die digitale Arbeitswelt gewappnet“
  • „Sieben von zehn haben im Job keine Zeit für Weiterbildungen“

Ich überspringe an dieser Stelle einmal die weiteren Details. Denn Umfragen dieser Art sollen und wollen nicht klären, was genau unter digitalen Kompetenzen zu verstehen ist und wo ihre Vermittlung oder Entwicklung anfängt. Es sind vor allem Appelle …

„Der Bitkom fordert eine Initiative von Politik und Wirtschaft, um lebenslanges und informelles Lernen zu stärken. In der beruflichen Weiterbildung sollten die Angebote kontinuierlich verbessert und an die sich wandelnden Anforderungen der Digitalisierung angepasst werden. Für Weiterbildungsangebote zu digitalen Kompetenzen sollten staatliche Programme aufgelegt werden. Die Vermittlung von Digitalkompetenz muss zudem über die gesamte Bildungskette hinweg in den Vordergrund rücken. Um die Bereitschaft zu Weiterbildungen zu erhöhen, sollten für Unternehmen und Erwerbstätige gezielt Anreize geschaffen werden, etwa durch Steuererleichterungen. Neben der Politik seien auch die Unternehmen gefordert, …“

Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM), 17. November 2017

Why completion rates are no longer the metric of success in modern learning

November 21, 2017 - 11:43

Kurse „noch nicht gestartet“ oder „in Bearbeitung“ oder „abgeschlossen“. Klassisches Reporting. Aber heute höchstens noch für das Monitoring von Compliance-Kursen interessant. Denn zu modernen Lernumgebungen gehören ja längst auch kurze Learning Nuggets (on demand), verschiedene Medienformate und informelle Lernaktivitäten auf den Kollaborations-Plattformen der Unternehmen. Das bedeutet: Es stehen viel mehr Daten über Lernaktivitäten zur Verfügung.

Die Autorin der Online-Experten von kineo zählt deshalb auf, was „nach Kirkpatrick“ kommt: Feedback surveys, peer review systems, search queries tracking, xAPI, Google analytics, heatmapping and session recordings. Viele der mithilfe dieser Methoden gewonnenen Informationen helfen, die Bedürfnisse und Anforderungen der Nutzer und die Angebote von L&D näher zusammenzurücken. Ob und was die Messgrößen über den Erfolg von Lernaktivitäten aussagen, liegt im Auge des Betrachters.
Kelsie Scully, kineo, 17. November 2017

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